Sprecherin der US-Waffenlobby "Weinende Mütter sind gut für die Quote"

Das Schulmassaker in Parkland hat die Debatte über härtere Waffengesetze in den USA neu entfacht - zum Ärger der NRA. Der Lobbyverband setzt nun zum Gegenschlag an.

Dana Loesch
AFP

Dana Loesch


Der Chef der National Rifle Association (NRA), Wayne LaPierre, hat sich auf einer Konferenz gegen eine Verschärfung des Waffenrechts ausgesprochen. Die Tragödie von Parkland werde von den Medien und Sozialisten für ihre Agenda missbraucht, sagte er. Die Waffengegner wollten damit die Fehler der Schule, der Familie und des FBI vertuschen.

Seit dem Massker in Parkland vergangene Woche, bei dem 17 Menschen starben, diskutiert die Nation über mögliche Konsequenzen. Überlebende fordern eine Verschärfung des Waffenrechts, US-Präsident Donald Trump hingegen überlegt, Lehrer mit Waffen auszustatten.

Im Video: Trump zu Waffen an Schulen

Damit folgt er dem NRA-Leitspruch, den auch LaPierre in seiner Rede wieder bemühte: "Das Einzige, das einen bösen Menschen mit einer Waffe stoppen kann, ist ein guter Mensch mit einer Waffe." LaPierre und Trump haben noch mehr gemeinsam: Genauso wie Trump prangerte auch LaPierre die angeblich unehrlichen Medien an und fabulierte von Sozialisten, die Universitäten und Schulen infiltrierten, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

NRA-Sprecherin Dana Loesch ging rhetorisch noch weiter: Die Medien "lieben Massaker", sagte sie. "Weinende Mütter sind gut für die Quote."

Video: Dana Loesch - Das Gesicht der NRA

"Die Diskussion wird unehrlich geführt", sagte LaPierre vor seinem konservativen Publikum. Er werde jetzt etwas sagen, was die Mainstream-Medien verschwiegen: Die NRA setze sich schon lange für eine Ausweitung der "Background Checks", also einer strengeren Überprüfung der Eignung von Käufern von Schusswaffen, ein.

In die zentrale Datensammlung sollten nicht nur Kriminelle aufgenommen werden, sondern auch Menschen, die sich in stationärer psychologischer Behandlung befunden haben, sagte LaPierre. Bislang ist die Datei oft fehlerhaft, weil Behörden Einträge nicht weiterreichen. "Der Datensatz muss verbessert werden", sagte LaPierre. Auch Trump erwägt das inzwischen.

Allerdings würden auch dann große Lücken in den Waffengesetzen weiterhin nicht angetastet. Zum Beispiel könnten Privatleute wie bisher Waffen verkaufen, etwa bei Waffenschauen. "Background Checks" sind in solchen Fällen bislang nicht vorgesehen.

vks

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