Lieferung von US-Jets NSA-Affäre gefährdet Rüstungsdeal mit Brasilien

Brasilien muss seine Kampfjet-Flotte dringend modernisieren. Bislang galten die USA als Flugzeuglieferant der Wahl, doch das Geschäft kommt nicht voran: Die Regierung in Brasília ist verärgert über die Spähprogramme des US-Geheimdienstes NSA.

Kampfjet F/A-18 "Super Hornet": Der Rüstungsdeal mit Brasilien liegt vorerst auf Eis
AFP/ RAAF

Kampfjet F/A-18 "Super Hornet": Der Rüstungsdeal mit Brasilien liegt vorerst auf Eis


Brasília - Die Ausspähaktionen der US-Geheimdienste kommen den Flugzeugbauer Boeing möglicherweise teuer zu stehen. Aus Ärger über das Verhalten des Geheimdienstes NSA überdenkt Brasiliens Regierung den Kauf von US-Kampfflugzeugen im Wert von vier Milliarden Dollar.

Das Land plant, seine Flotte mit 36 neuen Kampfjets zu modernisieren. Als klarer Favorit gelten bislang Maschinen des Typs F/A-18 "Super Hornet" des US-Flugzeugkonzerns Boeing - auch weil die USA zuvor brasilianische Embraer-Flugzeuge für den Einsatz in Afghanistan gekauft hatten.

Als Konkurrenten von Boeing gelten der französische "Rafale"-Jet des Herstellers Dassault Aviation sowie der schwedische "Gripen", den Saab baut. Angesichts sinkender Verteidigungsetats in den Nato-Staaten gilt Brasilien für die internationalen Rüstungskonzerne als wichtiger Wachstumsmarkt.

"Wir können jetzt nicht über die Flugzeuge sprechen"

US-Außenminister John Kerry reist am Dienstag nach Brasilien und wollte während seines Besuchs eigentlich für die US-Jets werben. Doch die Regierung in Brasília lehnt Gespräche über das Waffengeschäft ab. "Wir können jetzt nicht über die Flugzeuge sprechen. Man kann einen derartigen Auftrag nicht an ein Land vergeben, dem man nicht vertraut", sagte ein hochrangiger brasilianischer Regierungsvertreter.

US-Beamte äußerten sich besorgt über die zögerliche Haltung der Brasilianer. Die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff sollte ihre Entscheidung allein auf Grundlagen technischer Kriterien fällen. "Wir sind überzeugt, dass wir das beste Produkt haben", sagte ein Offizieller.

Die Entscheidung darüber, welcher Flugzeugbauer schließlich den Zuschlag erhält, wird frühestens im kommenden Jahr erwartet - auch wenn Brasiliens Armee auf eine zügige Lieferung drängt. Die französischen "Mirage"-Jets, die derzeit unter anderem zum Schutz der Hauptstadt abgestellt sind, müssen aus Altersgründen möglicherweise schon Ende des Jahres am Boden bleiben.

Die Zeitung "O Globo" hatte im Juli Dokumente des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden veröffentlicht. Daraus gehen weitreichende Ausspähaktionen der US-Geheimdienste im Internet in Brasilien und anderer lateinamerikanischer Länder hervor.

Die Enthüllungen hatten in Brasília für große Empörung gesorgt. Die Regierung zeigte sich sehr besorgt über die US-Spionageprogramme und forderte die Uno auf, einzuschreiten. Im Oktober will Rousseff bei einem Staatsbesuch in Washington mit Präsident Barack Obama über die NSA-Affäre sprechen.

syd/Reuters

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insgesamt 144 Beiträge
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Seite 1
honos 13.08.2013
1. Nicht schlecht,
im Gegensatz zur deutschen Regierung scheinen die Brasilianer noch Eier in der Hose zu haben und nicht den Schoßhund zu spielen.
Hilfskraft 13.08.2013
2. freut mich
da hat sich Obama selber ins Knie geschossen. Wünschte mir auch jemanden an unserer Staatsspitze, der mit einem Rückgrad ausgestattet ist.
Atheist_Crusader 13.08.2013
3.
Zitat von sysopAFPBrasilien muss seine Kampfjet-Flotte dringend modernisieren. Bislang galten die USA als Flugzeuglieferant der Wahl, doch das Geschäft kommt nicht voran: Die Regierung in Brasília ist verärgert über die Spähprogramme des US-Geheimdienstes NSA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nsa-affaere-gefaehrdet-boeing-deal-zwischen-den-usa-und-brasilien-a-916289.html
Equador, Bolivien, Brasilien... in puncto Unabhängigkeit beschämen und unsere einstigen Kolonien.
Third eye 13.08.2013
4. Boykott aller USA-Waren now!!
Wir bauen jetzt deutsche Computer! Deutsche Software! Deutsche Sicherheitstechnik! Deutsche Social Media! Weg mit dem Ami Scheiss!!
aueronline.eu 13.08.2013
5. wer weiß
was die Amis in diese Maschinen alles einbauen werden. Sicher wüssten sie zu jeder Zeit wo sich welcher Flieger gerade befindet.
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