NSA-Skandal Snowden reist laut Anwalt heimlich durch Russland

Edward Snowden steht auf der schwarzen Liste der US-Geheimdienste weit oben, sein Aufenthaltsort gilt als unbekannt. Trotzdem unternimmt der Whistleblower laut seinem Anwalt immer wieder geheime Reisen in seinem Asylland Russland. Zudem kann er wohl schon bald Familienbesuch erwarten.

Snowden-Unterstützer (in Brasilien): Whistleblower auf der Flucht
REUTERS

Snowden-Unterstützer (in Brasilien): Whistleblower auf der Flucht


Moskau - Was macht eigentlich Edward Snowden? Seitdem der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter den Moskauer Flughafen am 1. August verlassen hat, hält er sich an einem unbekannten Ort in Moskau auf. Ganz so isoliert, wie man es für einen der wohl meistgesuchten Menschen der Welt erwarten könnte, ist Snowden aber offenbar nicht.

In seinem russischen Asyl hat er nach Darstellung seines Anwalts Gelegenheit, unerkannt Reisen durch Russland zu unternehmen. Obwohl er unter Bewachung stehe, genieße der US-Amerikaner gewisse Freiheiten, so sein Anwalt Anatoli Kutscherena. Wie diese Trips genau ablaufen und welche Ziele Snowden aufgesucht hat, ist bisher noch unbekannt.

Auch wenn Snowden selbst zuletzt nicht mehr in Erscheinung trat, reißen die Veröffentlichungen aus seinem Datenschatz nicht ab. Am vergangenen Wochenende meldete der SPIEGEL unter Verweis auf Snowden-Unterlagen, dass der US-Geheimdienst NSA auch den weltweiten Zahlungsverkehr großer Kreditkartenfirmen ausgespäht hat.

Er könne den konkreten Aufenthaltsort Snowdens nicht preisgeben, sagte Kutscherena dem TV-Sender RT in einem Interview, das am 23. September in voller Länge ausgestrahlt werden soll. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete bereits am Montag über das Interview. "Er läuft herum, er reist", so Kutscherena wörtlich.

Offenbar erwartet den früheren NSA-Mann zudem schon bald Familienbesuch. Snowdens Eltern und Großeltern hätten die Absicht, seinen Mandanten zu besuchen, sagte Kutscherena.

Snowden hatte von den russischen Behörden ein Jahr Asyl erhalten, nachdem er brisante Informationen über die Spähtätigkeiten der US-Geheimdienste veröffentlicht hatte.

Der Aufenthaltsort Snowdens werde niemandem mitgeteilt, sagte Kutscherena. Das geschehe auf Wunsch Snowdens, denn die Gefahren für seinen Mandanten seien "noch immer groß".

Spektakuläre Flucht nach Russland

Snowden, der zuletzt als Auftragnehmer für den US-Geheimdienst NSA arbeitete, hatte mehreren Medien Informationen über umfangreiche Überwachungsprogramme zugespielt. Wegen der Enthüllungen wird der 30-Jährige von den USA per Haftbefehl gesucht.

Snowden war im Mai nach Hongkong geflogen, um geheime Dokumente zur Überwachung des Internet- und Telefonverkehrs an ausgewählte Medien zu übermitteln. Am 23. Juni flog er weiter und strandete auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo, da die USA seine Reisedokumente für ungültig erklärten. Er beantragte in Russland Asyl, das ihm am 1. August gewährt wurde.

jok/AFP/AP



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insgesamt 31 Beiträge
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Spiegelleserin57 17.09.2013
1. warum auch nicht?
Zitat von sysopREUTERSEdward Snowden steht auf der schwarzen Liste der US-Geheimdienste weit oben, sein Aufenthaltsort gilt als unbekannt. Trotzdem unternimmt der Whistleblower laut seinem Anwalt immer wieder geheime Reisen in seinem Asylland Russland. Zudem kann er wohl schon bald Familienbesuch erwarten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nsa-affaere-snowden-reist-laut-anwalt-heimlich-durch-russland-a-922618.html
er ist in Russland ein freier Mann und die Presse sollte ihn endlich in Ruhe lassen. Andersfalls sorgt sie unter Umständen noch für sein Ende. Wir kennen das schon ...er hat dann plötzlich einen Unfall oder wird vergiftet....alles wird möglich!
KuGen 17.09.2013
2. Sicherlich muss Snowden sich vor Killerkommados....
....der CIA in Acht nehmen. Aber was an der Tatsache, dass Snowden sich in Russland bewegt, eine Nachricht sein soll, begreife ich nicht.
cdrenk 17.09.2013
3. Normal
Das der Held Snowden seine neue Heimat kennen lernen möchte ist doch völlig normal. Ich dachte, dass Sommerloch bei SPON wär vorbei.
Spiegelansgar 17.09.2013
4. Einfaeltig bloed
Ich haette als Edward Snowden meinen Eltern dringend von einem Besuch in Russland abgeraten. - Diese Aktion den Aufenthaltsort von Eddi herauszufinden, erscheint doch so einfaeltig bloed, das nicht einmal ein Hobbyagent aus Filzhofen ihr auf den Leim gehen wuerde.
Neinsowas 17.09.2013
5. wenn Deutschland...
...Snowden schon kein Asyl anbieten konnte, dann lasst ihm jetzt wenigstens seine Anonymität. Dass er in Russland rumreist, wird die NSA und die CIA wissen. Das reicht doch, finden Sie nicht?
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