US-Geheimdienst: NSA-Chef Alexander zieht sich zurück

Keith Alexander: NSA-Direktor unter Beschuss Fotos
AP/dpa

Seit den Snowden-Enthüllungen wird Keith Alexander heftig kritisiert, nun will sich der NSA-Chef zurückziehen: Er wird seinen Vertrag über Frühjahr 2014 hinaus nicht mehr verlängern. Auch sein Stellvertreter geht.

Fort Meade - Keith Alexander wird sich als Chef des US-Geheimdienstes NSA zurückziehen, meldet die Agentur Reuters. Damit würde die achtjährige Amtszeit des NSA-Chefs enden, der durch die Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden stark unter Beschuss geraten war. Nach Informationen von Reuters will Alexander den Posten im März oder April aufgeben. Die Agentur beruft sich auf US-Regierungsvertreter, die jedoch anonym bleiben wollen.

Bereits im Juni hatte die Zeitschrift "Wired" berichtet, dass Alexander seinen Posten 2014 aufgeben wolle. NSA-Sprecherin Vanee Vines bestätigte die Pläne jetzt in einer E-Mail: "Der Rückzug hat nichts mit den Medienveröffentlichungen zu tun, die Entscheidung wurde schon zuvor getroffen." Auch Alexanders Stellvertreter wird gehen: John Inglis werde die NSA wohl bereits Ende dieses Jahres verlassen.

Scharf kritisiert wird der US-Geheimdienst, seit Edward Snowden massive Ausspähaktivitäten der NSA enthüllt und Zehntausende geheime Dokumente an Medien weitergegeben hat. In den USA mehrte sich nach immer neuen Enthüllungen die Kritik, Alexander musste sich im Juni und Juli vor dem US-Parlament rechtfertigen. Auch in Ländern wie Deutschland und Brasilien löste die massenhafte Ausspähung von Bürgern Empörung aus.

Alexander verteidigte die Aktivitäten des Geheimdienstes immer wieder als gesetzeskonform und notwendig, um geplante Terrorakte zu entdecken und zu verhindern.

Alexander sah sich sogar gezwungen, seine Mitarbeiter und deren Familien nach der internationalen Kritik zu beruhigen. Im September schrieb er in einem Brief an die Angehörigen der Angestellten, manche Medien hätten die Enthüllungen "sensationalisiert" und die Motive der NSA in Frage gestellt. "Fälschlicherweise" seien auch "die Integrität und der Einsatz der außergewöhnlichen Menschen, die hier bei NSA/CSS arbeiten, in Zweifel gezogen" worden.

Nun könnte US-Präsident Barack Obama vor der Frage stehen, ob er den Geheimdienst neu ordnet. Denn Alexander ist nicht nur für die NSA zuständig, sondern auch Chef des US-Cyber-Command, der Kommandostelle für die Internetverteidigung der US-Streitkräfte. Ein wichtiger Bereich: Das Cyber Command soll innerhalb weniger Jahre rund 4900 Mitarbeiter umfassen und sich künftig in verschiedene Missionen für Verteidigung und Angriff aufteilen. Laut "Washington Post" könnte Obama den Geheimdienst NSA und das Cyber Command nun wieder stärker voneinander trennen.

Als möglicher Nachfolger für Alexander wird unter anderen Michael Rogers gehandelt, zurzeit Vizeadmiral bei der US-Navy.

vek/kgp/Reuters

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insgesamt 40 Beiträge
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1.
Atheist_Crusader 17.10.2013
Einzelne Personen sind nur selten das Problem in den USA. Sondern Gruppen, Ideologien, Systeme. Deswegen wird es auch zunehmend irrelevanter, wer da auf den Präsidentenstuhl gehievt wird. Die Parteien, Netzwerke, Interessengruppen dahinter bleiben die selben.
2. Motiv ?
dr.joe.66 17.10.2013
Warum gehen die jetzt? - Zuviel Stress mit kritischen Menschen und Medien? - Unfähig, die NSA-Aktivitäten vor dem Volk geheim zu halten? - Bauernopfer, um von der Weiterentwicklung von Überwachung und Cyber-War abzulenken? Naja, eines kann man sicher ausschließen: dass ein Geheimdienst wie die NSA transparent wird und sich an Verfassung und Gesetze hält.
3. so!
MasaGemurmel 17.10.2013
Da sage noch einer, öffentlicher Druck und Widerstand (hier via Leaking) hätte keine Wirkung.
4.
shizzobi 17.10.2013
Zitat von dr.joe.66Naja, eines kann man sicher ausschließen: dass ein Geheimdienst wie die NSA transparent wird und sich an Verfassung und Gesetze hält.
Dann wären sie fürs Regime unbrauchbar.
5. Danke Edward
HankTheVoice 17.10.2013
das Du die Machenschaften solcher Demokratiefeinde aufgededeckt hast
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