NSA-Enthüller Edward Snowden beantragt Asyl in Brasilien

Whistleblower Edward Snowden darf noch bis Ende Juli in Russland bleiben. Was danach passiert, ist bisher unklar. Jetzt hat er sich bei den brasilianischen Behörden gemeldet und um Asyl gebeten.

Edward Snowden: Die Zeit wird knapp
AFP/ Wikileaks

Edward Snowden: Die Zeit wird knapp


Moskau - Für Edward Snowden wird die Zeit knapp. Ende Juli läuft sein für ein Jahr gewährtes Asyl in Russland aus. Ob die Russen die Aufenthaltserlaubnis verlängern, ist unklar. Jetzt hat der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Brasilien offiziell um Asyl gebeten.

Einen entsprechenden Antrag habe er bei den Behörden des Landes eingereicht, sagte Snowden in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des Fernsehsenders Globo. Sein politisches Asyl in Russland laufe ab, insofern wäre er "glücklich" über ein Folgeangebot aus dem südamerikanischen Land. "Ich würde liebend gerne in Brasilien leben", sagte Snowden dem TV-Sender.

Das Interview gab der IT-Spezialist zusammen mit dem Journalisten Glenn Greenwald. Mit ihren Enthüllungen über die umstrittenen Geheimdienstaktivitäten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten hatten beide international für Schlagzeilen und politische Konflikte gesorgt. Da Snowden von der US-Justiz per Haftbefehl gesucht wird und sein Pass eingezogen wurde, sind seine Reisemöglichkeiten begrenzt.

Er selbst sieht sich als Whistleblower, der Rechtsverletzungen aufgedeckt hat. Sein Ziel sei es gewesen, dass die Öffentlichkeit wieder darüber mitentscheiden kann, wie sie regiert wird,sagte er vor einigen Monaten der "Washington Post".

Asylanträge in mehreren Ländern gestellt

Asylanträge hat Snowden nach eigenem Bekunden nicht nur in Brasilien, sondern in mehreren Ländern gestellt. Das brasilianische Außenministerium hat den Erhalt eines solchen Antrags stets bestritten. In dem Interview mit Globo stellte Snowden nochmals klar, dass er keine brisanten Dokumente im Gegenzug für Asyl herausgeben werde. Eine solche Entscheidung müsse allein auf humanitärer Grundlage gefällt werden.

In Deutschland wäre jeder Zweite dafür, dem Whistleblower hierzulande Asyl zu gewähren. 49 Prozent unterstützten die Idee in einer Umfrage im Auftrag der dpa, dagegen sprachen sich 32 Prozent aus.

ler/AFP/dpa

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insgesamt 138 Beiträge
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Seite 1
Palle91 02.06.2014
1.
Da will wohl einer noch rechtzeitig zur WM! ;-)
L!nk 02.06.2014
2.
Tja, schade, dass die deutsche Regierung so Wahrheitsfeindlich ist.
Altesocke 02.06.2014
3. 7104
Zur WM kommt er dann zu spaet. Und meint er wirklich, er ist in Suedamerika gut untergebracht? Na, vielleicht sagt er sich, lieber ein schnelles Ende mit Spass, als kein Spass, aber langes Ende
Walther Kempinski 02.06.2014
4. Buhu
Ein kopfloser Mensch ist das. Er hat seine Flucht wohl gar nicht durchdacht. (was sagt das über seine Denkfähigkeiten aus?). Und nun sitzt er in der Falle. Wenn er in Russland bleibt, wird er weiterhin das Schoßtier eines Diktators bleiben, der ebenfalls mit großen Ohren in die Welt hinaus späht. (ist nur nicht so bekannt). Weiter ziehen kann er nicht, vielleicht noch Nordkorea oder Kuba, aber da wirds auch nicht viel besser sein. Hier in Deutschland hat er jedenfalls nichts zu suchen. Wenn ein erwachsener Mensch beim oder für einen Geheimdienst arbeitet und sich darüber beschwert, dass dieser schnüffelt, dann hat derjenige sein Recht auf Asyl verwirkt, wegen Naivität. (so wie die 49% hier in D die dafür sind)
personalprivacy 02.06.2014
5. Asyl in Deutschland!
... aber Geheimdienste, die jahrelang Telefone abgehört haben, können natürlich auch leicht Politiker einzuschüchtern.
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