Terrorverdächtige NSA nutzte Erkenntnisse aus Deutschland-Filiale für Tötungen

Ein geheimer NSA-Bericht soll nach SPIEGEL-Informationen Überwachungserfolge am Standort Deutschland schildern. Die gesammelten Informationen seien demnach "für die Festnahme oder Tötung von mehr als 40 Terroristen verantwortlich" gewesen.

NSA-Stützpunkt in Griesheim: Erfolg im Krieg gegen den Terror
DPA

NSA-Stützpunkt in Griesheim: Erfolg im Krieg gegen den Terror


Hamburg - Die USA haben offenbar Daten, die von der Europazentrale der National Security Agency (NSA) in Deutschland abgefangen wurden, für die Tötung von Terrorverdächtigen genutzt. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus einem geheimen NSA-Bericht hervor, der die Erfolge der Überwachung vom Standort Deutschland aus schildert. (Lesen Sie den kompletten Artikel hier im aktuellen SPIEGEL.)

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Heft 25/2014
Enttarnt: Die geheimen Standorte der US-Spione in Deutschland

In dem Dokument, das aus dem Bestand des Whistleblowers Edward Snowden stammt, berichtet die NSA, dass die Geheimdienstführung 2003 beschlossen habe, das Personal in Deutschland zu verstärken. Eine Gruppe von Analysten habe damit begonnen, nach Informationen über Terrorgruppen in Nordafrika zu suchen.

Die von Deutschland aus erlangten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse seien "für die Festnahme oder Tötung von mehr als 40 Terroristen verantwortlich", heißt es in dem Bericht der NSA vom Januar 2005. Die Informationen hätten zum Erfolg des weltweiten "Kriegs gegen den Terror" und der US-Politik in Afrika beigetragen.

Aus der kleinen Gruppe der NSA-Analysten in Deutschland wurde die größte europäische Dependance der NSA in Griesheim bei Darmstadt. Von dem geheimen Standort aus werden laut den geheimen NSA-Dokumenten inzwischen 26 Aufklärungsmissionen betrieben.

"Komplexe Analysen von Lebensgewohnheiten"

Zu den überwachten Daten zählen europäische Kommunikation sowie "Ziele in Europa". Dabei kann das Griesheimer NSA-Zentrum offenbar nicht nur auf Metadaten zurückgreifen, sondern mehrere Tage lang auf vollständige Kommunikationsinhalte, die unter anderem vom britischen Geheimdienst GCHQ bereitgestellt werden. Laut einem Bericht von 2012 kann die NSA dabei "komplexe Analysen von Lebensgewohnheiten" erstellen.

Eine NSA-Sprecherin wollte sich zu konkreten Punkten nicht äußern, sagte dem SPIEGEL aber, es gebe einen "ausführlichen und engen Austausch" mit den deutschen Sicherheitsbehörden. Nach der neuen Richtlinie von Präsident Barack Obama sollten Privatsphäre und Bürgerrechte "integrale Bestandteile der Planung von Telekommunikationsüberwachung sein".

suc



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Seite 1
guenther2009 15.06.2014
1. Natürlich
ein "Beweis" für die Exitenzberechtigung der Überwachung. Ich bin diese "Beweise"sind getürkt und willentlich von den Geheimdiensten zugelassen. Sie waren zu dumm um die Bostonbomber VOR den Anschlägen zu entdecken.
PantheraOnca 15.06.2014
2. Damit wäre doch der Beweis erbracht,
dass unsere Regierung direkt oder indirekt an der illegitimen Tötung von Menschen beteiligt ist oder zumindest davon weiß. Eine solche Regierung ist nicht mehr haltbar und muss sofort zurücktreten. Es wird jetzt Zeit, dass endlich mal klarer Tisch gemacht wird. Es ist unerträglich, von einer Kanzlerin regiert zu werden, die fortwährend Ihren Amtseid bricht und die Verbrechen anderer Nationen nicht nur deckt, sondern sogar fördert !
Freidenker10 15.06.2014
3. optional
BND und MfS -sorry BfV- haben sicherlich wieder von nichts gewusst.... Die Gesetze unseres Landes scheinen nicht mehr zu gelten, insbesonders nicht füt Amerikaner!
Pfaffenwinkel 15.06.2014
4. Der gläserne Mensch
Wir müssen uns wohl damit abfinden, auch in Deutschland ständig überwacht zu werden.
n0 by 15.06.2014
5. Wen juckt's?
Zitat von sysopDPAEin geheimer NSA-Bericht soll nach SPIEGEL-Informationen Überwachungserfolge am Standort Deutschland schildern. Die gesammelten Informationen seien demnach "für die Festnahme oder Tötung von mehr als 40 Terroristen verantwortlich" gewesen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nsa-erkenntnisse-aus-deutschland-halfen-offenbar-im-krieg-gegen-terror-a-975241.html
1968, vor mehr als 40 Jahren, hätten mich solche Nachrichten empört und auf die Straße zur Demo getrieben. Es gab auch damals furchtbare Nachrichten wie zum Vietnam-Krieg in Hülle und Fülle. Doch heute? Der größte Teil jüngerer Leute ist so eingespannt in Arbeit und Freizeit-Stress, dass sich nur wenige für furchtbare Fakten mehr interessieren. Ein anderer Teil hat sich vollkommen ins Private verkrümelt. Und die Alten von damals? Lassen sich die Sonne auf die satten Rentner-Bäuche scheinen und gähnen nur noch bei den wiederkehrenden Horror-Meldungen aus dem eigenen Land und den Staaten "unserer besten Freunde". Aber ein Gutes haben die Meldungen: Sie dienen unterhaltsamer Freizeitgestaltung, beschäftigen Redakteure und füttern die Medien mit Stoff. Nach kurzem Kitzeln treiben die Ereignisse "die nächste Sau durch's Dorf" und die Meisten gähnen wieder und denken: "Wen juckt's?"
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