Uno-Generalsekretär NSA-Dokumente sollen Tod von Dag Hammarskjöld aufklären

Es war einer der spektakulärsten Todesfälle des Kalten Krieges: Der Flugzeugabsturz des damaligen Uno-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld 1961 bietet bis heute Stoff für Verschwörungstheorien. Nun verlangt eine Kommission die neuerliche Prüfung des Falles - und vermutet Informationen bei der NSA.

Dag Hammarskjöld: Wie kam es zum Flugzeugsabsturz?
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Dag Hammarskjöld: Wie kam es zum Flugzeugsabsturz?


London - Am 18. September 1961 kam der damalige Uno-Generalsekretär Dag Hammarskjöld ums Leben. Der schwedische Politiker starb bei einem Flugzeugabsturz während einer Friedensmission in Afrika. Doch bis heute sind die Umstände seines Todes ungeklärt, immer wieder gab es Gerüchte: über ein Komplott von Geheimdiensten oder von Wirtschaftsunternehmen. Denn Hammarskjöld wollte im blutigen Konflikt vermitteln, der kurz nach der Unabhängigkeit des rohstoffreichen Kongo entbrannt war.

Schon bald nach Beginn der Kongo-Krise hatte er Blauhelm-Soldaten in die Region gesandt. Die Mission setzte dem kommunistischen Einfluß in Afrika Schranken - trug jedoch Hammerskjöld in Zeiten des Kalten Krieges die offene Feindschaft der Sowjetunion ein. Der damalige Regierungschef der UdSSR, Nikita Chruschtschow, nannte den Schweden einen "Lakai der Kapitalisten". Er wollte ihn durch ein Dreier-Gremium an der Uno-Spitze ersetzen.

Jetzt solle der Tod von Dag Hammarskjöld, dem 1961 posthum der Friedensnobelpreis verliehen wurde, von der Uno neu aufgerollt werden. Diese Empfehlung präsentierte am Montag eine unabhängige Untersuchungskommission aus Juristen in London. Denn der US-Geheimdienst NSA könnte demnach entscheidende Hinweise darüber besitzen, wie Hammarskjöld wirklich starb. Laut Stephen Sedley, Vorsitzender der Kommission, ist es "nahezu sicher", dass die NSA den Funkverkehr am Flughafen Ndola überwachte, in dessen Nähe Hammerskjölds Maschine abstürzte. Somit könnten die Amerikaner nach Auffassung des Komitees womöglich klären, ob der Uno-Generalsekretär Opfer eines Unfalls oder einer Verschwörung wurde. Wenn eine solche Aufzeichnung existiere, so Sedley, "wird sie die Annahme entweder bestätigen oder widerlegen, dass auf die DC-6 geschossen wurde, kurz bevor sie in den Wald stürzte".

Das Uno-Flugzeug war nachts an der Grenze zwischen der von Kongo abtrünnigen Provinz Katanga und dem damaligen Nordrhodesien abgestürzt. Die viermotorige DC-6B war 13 Kilometer nördlich von Ndola zwischen Dornbüschen am Boden zerschellt.

Hammarskjöld stand seit 1953 an der Spitze der Uno. Er hatte in den schwierigen Zeiten des Kalten Krieges in diversen Konflikten erfolgreich vermittelt.

als/ler/AP



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OTTERBIENE 09.09.2013
1. wäre erhellend
licht im dunkel dieser zeitgeschichte zu sehen. spannend!
vidiamus68 09.09.2013
2. UN mit saurem Moralin?
Die UN hat einige nicht aufgeklärte Todesfälle, so auch der gewaltsame Tod von Graf Bernadotte. Bei ihm wird von israelisch interessierten Todesschwadronen gemunkelt. Verwundern würde es bei der Jahrzehnte andauernden Tötung auf Verlangen dieses Staates nicht, einschließlich des Attentatversuches auf Adenauer. Ehemalige leitende israelische Geheimdienstler rückten dieses Verhalten in die Nähe von Nazigebahren. Tötung aus Staatsinteresse ist nicht nur eine von den UdSSR, Nazis ausgeübte Pflege der Auslandsdiplomatie mit anderen Mitteln, sondern ein nun schon "normales" Instrument der Macht-Staaten, auch der Westlichen. Angriffe mit Drohnen mit ihren "verniedlichend" klingenden "kollateralen Schäden" erscheint eines Friedensnobelpreises nicht würdig - sanktioniert die UN derartige Handlungsweisen, obwohl auch sie derartige Opfer zu beklagen hat?
cosy-ch 10.09.2013
3. Dann wäre da noch Barschel und..
..Paul Wellstone, der populäre linke Senator, der die Frechheit hatte, unter Busch gegen den Irakkrieg zu stimmen und dann noch Intervievs gab. ein paar Tage später war er tot.(mitsamt seiner Familie) Flugzeugabsturz. Die FFA und die nationale Flugunfallstatistik führt Listen von sämtlichen US registrierten Flugzeugabstürzen. Dieser Unfall wurde nie gelistet. Niemand weiss warum. Das Untersuchungsteam mit CIA Beteiligung war so schnell am Unfallort, dass ein lokaler Reporter rausgand,, dass mindestens ein Teil des Teams losgefahren sein musste, bevor der Unfall geschehen war. Akten verschwanden, die Fotos von Trümmerteilen zeigten. usw und so fort...
ambulans 10.09.2013
4. die UdSSR
schuld an dag hammarskjölds tod? im herbst 1961, nachts, mit dem flugzeug - abgestürzt? an der grenze provinz katanga/nord-rhodesien? da waren - trotz UNO! - belgier (katanga), die CIA (wg. p. lumumbas "hilfe"-ruf an die UdSSR), u.v.a., die üblichen verdächtigen halt (bei so einem tableau). wenn man (1961!) nachdenkt - cui bono? - käme man schon auf gewisse verdächtige, aber solche sollen hier ja wohl nicht genannt werden. deshalb - literatur-tipp: david van reybrouck "kongo", berlin 2012. p.s.: sein (d. v.-r.'s) vater war selbst in katanga ...
j.m.jordan 17.06.2014
5. Hatte Pakt mit Gott für den Frieden
Zitat von OTTERBIENElicht im dunkel dieser zeitgeschichte zu sehen. spannend!
Zu Otterbiene: licht im dunkel dieser zeitgeschichte zu sehen, spannend Finde ich auch sehr spannend. Was sich aber wahrscheinlich bestätigen wird falls die NSA überwacht hat ist dass es kein gewöhnlicher Unfall war. Erst posthum erfuhr man über das "Vägmärken"-Tagebuch, dass er einen Pakt mit Gott hatte zwecks dauerhafter Friedensstiftungen - dafür verzichtete er darauf, seine Freunde zu treffen die ihm eigentlich unabdingbar waren. Peinlich achtete er darauf seinerseits denPakt nicht zu brechen, denn was würde Gott dann wohl tun. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand Gott in einer verzweifelten Lage sein Leben anbietet, damit die Krise gelöst werden kann. Vielleicht hat auch er das getan. Und wir wissen es nur nicht.
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