NSA-Untersuchung Obama stoppt Ausspähung von IWF und Weltbank

Die NSA hat offenbar auch Weltbank und Internationalen Währungsfonds in Washington ausgespäht. US-Präsident Obama stoppte die Überwachung laut der Nachrichtenagentur Reuters als Reaktion auf eine Überprüfung der Aktivitäten des Geheimdienstes.

US-Präsident Obama: Ausspähung von IWF und Weltbank gestoppt
AFP

US-Präsident Obama: Ausspähung von IWF und Weltbank gestoppt


Hamburg - Die US-Regierung bemüht sich offenbar um den Eindruck, sie gehe entschlossen gegen die Ausspähvorwürfe gegen den Geheimdienst NSA vor. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat Präsident Barack Obama verfügt, dass die NSA das Ausspähen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank beenden soll. Beide Organisationen haben ihren Hauptsitz in Washington. Reuters beruft sich dabei auf einen namentlich nicht genannten Insider. Demnach hat Obama den Stopp der Aktivitäten in den vergangenen Wochen beschlossen.

Details zum Umfang der Spionage gehen aus dem Bericht nicht hervor. Ein Regierungsmitarbeiter sagte Reuters: "Die USA führen keine elektronische Überwachung der Hauptquartiere von IWF oder Weltbank in Washington durch." Die Antwort ist, nicht zum ersten Mal, im Präsens gehalten. Sie stellt also kein Dementi dar, denn über mögliche Abhöraktionen in der Vergangenheit sagt sie nichts aus. Auf die Nachfrage, wie es sich zuvor verhalten habe, mochte die Quelle, die namentlich nicht genannt werden wollte, sich nicht äußern.

Weder IWF noch Weltbank waren zu einer Stellungnahme bereit. Auch die NSA und das Büro von Geheimdienstkoordinator James Clapper konnte Reuters nicht erreichen. Dass auch diese beiden Organe von der Spitzelei betroffen sein könnten, ist bisher nicht bekannt gewesen, auch wenn es bereits ähnliche Vorfälle gab. Der SPIEGEL hatte etwa im August enthüllt, dass die NSA nicht nur die Europäische Union, sondern auch die Uno ausgeforscht hat.

Dass US-Geheimdienste sich für Wirtschaftsfragen interessieren, ist nicht neu. Doch nach Angaben eines Ex-Geheimdienstlers hat die Obama-Regierung ein stärkeres Augenmerk auf dieses Themenfeld gelegt als die Vorgänger. Insider-Wissen über die politischen Entscheidungen in Krisenländern wie Griechenland, Italien und Spanien seien für US-Politiker hochinteressant. Und das wiederum, schreibt Reuters, könnte erklären, warum unter anderem das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Visier der NSA geriet. Dies hatte der SPIEGEL bei Recherchen aufgedeckt.

ffr/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
genlok 01.11.2013
1.
Wer glaubt dem denn noch? Er hat ausgelogen und muss weg.
marccuse 01.11.2013
2. Unternehmen EU-Kolonie
Damit zeigt sich mal wieder, dass nur ein äusserer "Feind" definiert werden muss, um jegliche Regeln der Demokratie und Autonomie anderer Länder außer Kraft zu setzen. "Ermächtigungsgesetz", "Notstandsgesetz" und wie sie noch heissen mögen. Altuelle US Motive im WWW und Handynetz wirken wie die damaligen Kolonisierungs-, Unterjochungs- und Eroberungsmotive der europäischen Monarchien für Nord- und Südamerika oder Afrika! Alle werden Cybersklaven oder Mittäter der Cybergeiselnahmen!
Morn 01.11.2013
3. Yeah
Friedensnobelpreis für Obama. Denn jetzt hat er ihn sich wirklich verdient.
ehFrank 01.11.2013
4. United Spy Agency
Obama sollte einfach erklären, wen die NSA nicht ausspioniert hat. Das schafft er sicher in einer zehnminütigen Pressekonferenz und muß nicht jeden zweiten Tag mit neuen Adressen das selbe wiederholen.
KingTut 01.11.2013
5. Aha ....
Zitat von sysopAFPDie NSA hat offenbar auch Weltbank und Internationalen Währungsfonds in Washington ausgespäht. US-Präsident Obama stoppte die Überwachung laut der Nachrichtenagentur Reuters als Reaktion auf eine Überprüfung der Aktivitäten des Geheimdienstes. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nsa-obama-stoppt-ausspaehung-von-iwf-und-weltbank-a-931163.html
.... IWF und Weltbank standen also auch unter Terrorismusverdacht. Ich frage mich, ob Obama diesen Stopp auch angeordnet hätte, wenn sich Edward Snowden aus Gewissensgründen nicht der Weltöffentlichkeit offenbart hätte. Ich fürchte nein. Und ich bin nicht mal sicher, ob ein verkündeter Stopp auch wirklich ein tatsächlicher Stopp bedeutet. Ich kann nach diesem Artikel nur konstatieren, dass die Lister der Abscheulichkeiten noch länger wird und das Ende der Fahnenstange vermutlich noch lange nicht erreicht ist. Das Schlimme daran ist, dass die US-Administration - anstatt ihre Fehler einzugestehen - sich in allerlei Schutzbehauptungen flüchtet, womit sie die Situation nur noch schlimmer macht. Mich würde wirklich mal interessieren, ob denen das Ausmaß des weltweiten Vertrauensverlustes bewusst ist, oder ob es ihnen völlig egal ist, was der Rest der Welt über sie denkt. Ich wäre als Mitglied der Regierung eines solchen Landes jedenfalls zutiefst beunruhigt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.