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19. Juli 2013, 00:21 Uhr

NSA-Spionageskandal

Snowden-Partner Greenwald kündigt neue Enthüllungen an

Der NSA-Whistleblower Ed Snowden ist auf der Flucht vor den US-Behörden, doch die Enthüllungen gehen weiter: Einer seiner Vertrauten, der Journalist Glenn Greenwald, kündigt "noch explosivere" Veröffentlichungen an. Auch ein Buch will er herausbringen.

Hamburg - Die US-Regierung und die Bundesregierung können so bald nicht aufatmen. Der "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald, der in engem Kontakt zu NSA-Enthüller Snowden steht, hat weitere brisante Veröffentlichungen über die Abhöraktivitäten der USA angekündigt. "Ich bin sicher, dass in den nächsten Tagen weitere Artikel erscheinen werden, die wahrscheinlich noch explosiver sind als die, die schon veröffentlicht sind", sagte Greenwald am Donnerstag in der ARD-Sendung "Beckmann". Der in Brasilien lebende Amerikaner war per Video aus dem ARD-Studio in Rio de Janeiro zugeschaltet.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden habe ihm ungefähr 9000 bis 10.000 streng geheime Dokumente gegeben, sagte Greenwald. "Ich habe sie seit rund sieben Wochen und noch nicht alle sichten können. Manche sind sehr, sehr kompliziert. Wir arbeiten dran." Er trage die Dokumente aus Sicherheitsgründen stets bei sich. Obendrein habe er Kopien an verschiedenen Orten hinterlegt - online und offline. Per verschlüsseltem Online-Chat kommuniziere er mit Snowden, der sich im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält.

Nach der bisherigen Auswertung der Geheimdokumente könne er sagen: "Es gibt keine Kommunikation, ohne dass die Amerikaner es wissen", sagte Greenwald. Die deutsche Regierung nehme an diesem Spionagesystem teil, "nicht so wie Großbritannien und die USA, aber in großem Rahmen". Auch gebe es eine "extreme Zusammenarbeit" zwischen der NSA und Privatunternehmen wie Facebook, Google, Skype.

Moderator Reinhold Beckmann fragte Greenwald, ob es glaubwürdig sei, dass die deutsche Bundesregierung nichts über das US-Spähprogramm Prism gewusst habe. Greenwald sagte, er könne nicht mit Bestimmtheit sagen, ob die deutsche Regierung Prism kannte. Deutschland sei nicht "im inneren Zirkel" wie Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland, aber "auf der nächsten Ebene".

Greenwald will auch ein Buch zu dem US-Spionageskandal veröffentlichen. Das Buch werde im März 2014 erscheinen und "neue Enthüllungen" darüber enthalten, inwieweit der Privatsektor involviert sei, teilte das Verlagshaus Metropolitan Books am Donnerstag mit. Es werde sich mit den "tentakelartigen" Folgen der US-Überwachungspraxis daheim und im Ausland beschäftigen.

cvo/dpa/afp

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