NSA-Spionageskandal: Snowden-Partner Greenwald kündigt neue Enthüllungen an

"Guardian"-Journalist Glenn Greenwald: "Es gibt keine Kommunikation, ohne dass die Amerikaner es wissen" Zur Großansicht
AP/dpa

"Guardian"-Journalist Glenn Greenwald: "Es gibt keine Kommunikation, ohne dass die Amerikaner es wissen"

Der NSA-Whistleblower Ed Snowden ist auf der Flucht vor den US-Behörden, doch die Enthüllungen gehen weiter: Einer seiner Vertrauten, der Journalist Glenn Greenwald, kündigt "noch explosivere" Veröffentlichungen an. Auch ein Buch will er herausbringen.

Hamburg - Die US-Regierung und die Bundesregierung können so bald nicht aufatmen. Der "Guardian"-Journalist Glenn Greenwald, der in engem Kontakt zu NSA-Enthüller Snowden steht, hat weitere brisante Veröffentlichungen über die Abhöraktivitäten der USA angekündigt. "Ich bin sicher, dass in den nächsten Tagen weitere Artikel erscheinen werden, die wahrscheinlich noch explosiver sind als die, die schon veröffentlicht sind", sagte Greenwald am Donnerstag in der ARD-Sendung "Beckmann". Der in Brasilien lebende Amerikaner war per Video aus dem ARD-Studio in Rio de Janeiro zugeschaltet.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden habe ihm ungefähr 9000 bis 10.000 streng geheime Dokumente gegeben, sagte Greenwald. "Ich habe sie seit rund sieben Wochen und noch nicht alle sichten können. Manche sind sehr, sehr kompliziert. Wir arbeiten dran." Er trage die Dokumente aus Sicherheitsgründen stets bei sich. Obendrein habe er Kopien an verschiedenen Orten hinterlegt - online und offline. Per verschlüsseltem Online-Chat kommuniziere er mit Snowden, der sich im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält.

Nach der bisherigen Auswertung der Geheimdokumente könne er sagen: "Es gibt keine Kommunikation, ohne dass die Amerikaner es wissen", sagte Greenwald. Die deutsche Regierung nehme an diesem Spionagesystem teil, "nicht so wie Großbritannien und die USA, aber in großem Rahmen". Auch gebe es eine "extreme Zusammenarbeit" zwischen der NSA und Privatunternehmen wie Facebook, Google, Skype.

Moderator Reinhold Beckmann fragte Greenwald, ob es glaubwürdig sei, dass die deutsche Bundesregierung nichts über das US-Spähprogramm Prism gewusst habe. Greenwald sagte, er könne nicht mit Bestimmtheit sagen, ob die deutsche Regierung Prism kannte. Deutschland sei nicht "im inneren Zirkel" wie Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland, aber "auf der nächsten Ebene".

Greenwald will auch ein Buch zu dem US-Spionageskandal veröffentlichen. Das Buch werde im März 2014 erscheinen und "neue Enthüllungen" darüber enthalten, inwieweit der Privatsektor involviert sei, teilte das Verlagshaus Metropolitan Books am Donnerstag mit. Es werde sich mit den "tentakelartigen" Folgen der US-Überwachungspraxis daheim und im Ausland beschäftigen.

cvo/dpa/afp

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Ob es bei der Fussball-WM 2014 in Brasilien
tkwm 19.07.2013
genauso viele Aussetzer bei der Videoübertragung geben wird wie bei bei dem Interview mit Greenwald? (K)ein Schuft wer Böses dabei denkt ...
2. Spiegel auch
schlummi1 19.07.2013
Zitat spon: "Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden habe ihm und dem SPIEGEL ungefähr 9000 bis 10.000 streng geheime Dokumente gegeben, sagte Greenwald." Also spiegel hat die auch. Wieviel, was dürft ihr davon veröffentlichen? Oder nur das, was anderorts veröffentlicht wurde?
3. Mutig und doch blauäugig.
micha.w 19.07.2013
Das wird nicht der letzte sein der auf dem Weg der Aufklärung, für uns dumme Bürger und vorallendingen unser vorlogenen,oder blinden Politiker in größte Schwierigkeiten kommen wird. Ihm,Assance Snowden und ähnlich mutigen Menschen alles gute, Hochachtung.
4. Na dann
moelln56 19.07.2013
wird es wohl langsam Zeit für die Damen und Herren von schwarz/gelb sich auf den Ruhestand vorzubereiten. Wurde ja auch langsam Zeit. Schlimmer kann es kaum noch kommen.
5. Leute, denkt an Eure Kinder!
peleandero 19.07.2013
Ich hätte da etwa einen Sohn, gerade mal 15. Er ist mit Bits & Bytes groß geworden, spielt gerne Online, chattet, googlet & mailt, was das Zeug hält und hängt auch regelmässig bei Gesichtsbuch & Konsorten ab. Verbote bringen nicht mehr viel und für Argumente hat er beim pubertären Sturm & Drang auch nicht so richtig Zeit. Der Junge ist in diesem frühen Alter schon sowas von erfasst und algorithmisiert, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Dagegen war etwa die Erfassungsqualität der Stasi oder ähnlicher "althergebrachter" Sammelpsychopathen Pipifax pur. Was erwartet diesen Teenie möglicherweise, wenn er mal 10 Jahre älter ist? Oder 20? Oder 30? Man braucht nur mal kurz zurückzublicken und sich danach auf der Zunge zergehen zu lassen, mit welcher Geschwindigkeit sich politische Zustände in ihr Gegenteil verwandeln können. Wer weiß beispielsweise, wann und wo die nächste reinrassige Diktatur hervorquillt? Korrekt, niemand. Aber wenn die kommt, egal, in welchem wirtschaftlichen/politischen/ideologischen Kostüm, hat sie bereits den kompletten Werdegang dieses Teenies vor sich liegen und kann ihn nach Lust & Laune bewerten, verwerten, versorgen oder entsorgen. Tja, zuerst baut man die benötigten Autobahnen (völlig unerheblich, ob das zufällig oder mit Absicht geschieht), und dann rollen auf einmal Kolonnen darüber heran, wie man sie nie wieder sehen wollte. Aber halt - man sieht sie ja auch nicht! Und vielleicht ist genau das unser größtes Problem. (Hä? Den Teufel an die Wand malen? Quatsch, da klebt der doch schon seit der Steinzeit...)
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