Eigenauskunft NSA spähte 2013 rund 90.000 ausländische Ziele aus

Die NSA versucht sich in Transparenz: Erstmals hat der US-Geheimdienst Zahlen über seine Auslandsüberwachung vorgelegt. Demnach wurden 2013 knapp 90.000 "Ziele" ausgespäht. Die Definition dieser "Ziele" fällt aber äußerst schwammig aus.

NSA-Zentrale im Bundesstaat Maryland: Umfangreiche Abhöraktionen
DPA

NSA-Zentrale im Bundesstaat Maryland: Umfangreiche Abhöraktionen


Washington - Der US-Geheimdienst NSA hat im Rahmen seiner Internet- und Telefonüberwachung im vergangenen Jahr gut 89.000 ausländische "Ziele" ins Visier genommen. Dies geht aus dem ersten Transparenzbericht der Behörde hervor, der am Freitag in Washington vorgelegt wurde. Wer von dem Papier jedoch einen wirklich detaillierten Bericht über die Arbeit der US-Spione erwartet hatte, dürfte von den nun vorgelegten Zahlen enttäuscht sein.

Denn es wird zwar verraten, dass 2013 exakt 89.138 ausländische "Ziele" ausgespäht wurden. Spätestens bei der Definition des Ziel-Begriffs wird der Bericht jedoch äußerst vage. Ein "Ziel" kann demnach neben einzelnen Menschen auch eine Gruppe von Menschen oder eine Organisation sein. Die Gesamtzahl der betroffenen Personen dürfte also deutlich höher liegen. Die Informationen waren bisher als Verschlusssache eingestuft, diese Regelung wurde am 23. Juni aufgehoben.

Der Bericht folgt auf eine Anweisung von US-Präsident Barack Obama aus dem vergangenen Jahr. Demnach sollten die Geheimdienste möglichst viele Details über ihre Überwachungsarbeit öffentlich machen - ohne die nationale Sicherheit zu gefährden. Der Bericht erscheint jährlich.

Die Ausspähaktionen erfolgten den Angaben zufolge entsprechend Artikel 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (Fisa). Dieser gilt für ausländische Staatsbürger, die im Ausland leben. Sie haben laut US-Recht nicht den gleichen Schutz vor Überwachung wie US-Bürger. Allerdings hat die NSA bereits eingestanden, dass "aus Versehen" oder "indirekt" auch Daten von US-Bürgern abgefangen wurden.

Die NSA überwacht im großen Stil die Telefon- und Internetkommunikation von Menschen in aller Welt. Das geht unter anderem aus Dokumenten hervor, die der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowdender Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte. Dabei nahm sie über mehrere Jahre auch Spitzenpolitiker befreundeter Staaten wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Visier.

jok/AFP

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Seite 1
discprojekt 28.06.2014
1. Wieviel
dieser 90.000 Ziele waren, juristisch und voelkerrechtlich belastbar, gerechtfertigt?
mischamai 28.06.2014
2. Falsche Zahlen
Stellen wir mal gerne noch zwei Nullen dran,dann könnten die Zahlen stimmen.
hskteddy 28.06.2014
3. Und die Erde ist 'ne Scheibe
Glaubt das einer? Kann doch eh keiner nachprüfen. Könnten auch 2 oder 2 Milliarden sein.
thkarlau 28.06.2014
4. Ein Ziel...
Ein Ziel kann auch ein ganzes Land sein, wie z.B. Deutschland. Offensichtlich haben die neurotischen Amerikaner alles und jedes ausspioniert, was sich ausspionieren ließ. Daß dabei auch Betriebsgeheimnisse und andere sensible Daten abgefischt und verwertet worden sind, liegt auf der Hand. Deshalb muß unbedingt eine eigene IT- Sicherheitsstruktur her, die solche Angriffe weitgehend unterbindet. Gut an dieser Sache ist lediglich, daß man nun sicher einschätzen kann, wer in Wirklichkeit Freund und Feind ist. Aber der Bürger im Lande wußte das schon immer, nur unsere Politiker wollen blind bleiben und nicht sehen, was offensichtlich ist.
pandur1234567@yahoo.com 28.06.2014
5. EIN Ziel kann auch Nichtamerikaner lauten....
dann braucht man kein 2. ....
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