Späh-Affäre NSA überwachte Telefone von 35 Spitzenpolitikern weltweit

Neue Enthüllungen aus dem Fundus von Edward Snowden: Ein geheimes Dokument zeigt, wie die Abhörspezialisten der NSA nach Telefonnummern von politischem Spitzenpersonal fahndeten. Allein von einem Mitarbeiter der US-Regierung bekamen sie 200 Telefonnummern zur Überwachung.

NSA-Zentrale (Archivbild): Regierungsmitarbeiter schickte Telefonnummern zur Überwachung
DPA

NSA-Zentrale (Archivbild): Regierungsmitarbeiter schickte Telefonnummern zur Überwachung


London - Der US-Geheimdienst NSA hat nach einem neuen Bericht die Telefon-Kommunikation von 35 internationalen Spitzenpolitikern überwacht. Dazu habe die NSA von einem Beamten der US-Regierung insgesamt 200 Nummern erhalten, wie der britische "Guardian" am Donnerstag berichtet. Die Zeitung beruft sich auf ein Dokument aus dem Fundus des Informanten Edward Snowden.

Verfasst wurde das Schreiben demnach von der NSA-Abteilung Signals Intelligence Directorate. Es soll aus dem Jahr 2006 stammen, damals amtierte George W. Bush als US-Präsident. In dem Papier wird erläutert, wie Mitarbeiter des Weißen Hauses, des Verteidigungsministeriums und des Außenministeriums der NSA mit der Weitergabe von Telefonnummern ausländischer Politiker helfen können.

Als Beispiel wird die Übermittlung von 200 Telefonnummern angeführt, darunter 35 von Spitzenpolitikern weltweit. Die Namen der ausgespähten Politiker tauchten in dem Papier laut "Guardian" nicht auf. In dem konkreten Fall soll der Erkenntnisgewinn allerdings nicht besonders hoch gewesen sein: Offenbar würden über die Anschlüsse keine sensiblen Informationen ausgetauscht, heißt es in dem NSA-Papier.

Dafür hätte der Geheimdienst so Hinweise auf weitere Anschlüsse erhalten - und diese wiederum in die Überwachung aufgenommen. Formulierungen in dem Dokument legen nahe, dass es sich bei der Kontaktweitergabe durch den Regierungsmitarbeiter nicht um einen Einzelfall gehandelt hat.

NSA bespitzelt Regierungschefs und Diplomaten

Seit Donnerstag sorgt der Vorwurf für Aufsehen, die NSA habe das Handy von Kanzlerin Angela Merkel abgehört. Von Recherchen des SPIEGEL alarmiert, telefonierte die Kanzlerin mit US-Präsident Barack Obama. "Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht", sagte Merkel vor dem EU-Gipfel in Brüssel. Auch dort kommt die NSA-Affäre zur Sprache.

Bereits im Juni hatte der SPIEGEL enthüllt, dass die EU-Niederlassung in Washington als auch diverse Botschaften von EU-Staaten in den USA gezielt verwanzt und abgehört wurden - einschließlich der Computersysteme und spezieller Faxgeräte zum Versenden verschlüsselter Nachrichten. Der britische Geheimdienst GCHQ, der eng mit der NSA zusammenarbeit, steckt hinter einem Hackerangriff auf den Telefonanbieter Belgacom, den viele EU-Institutionen nutzen.

Weitere NSA-Ziele, die anhand der Snowden-Papiere identifiziert werden konnten, waren die Präsidenten befreundeter Staaten wie Mexiko und Brasilien. Auch französische Diplomaten wurden gezielt belauscht.

ore/kha/dpa

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insgesamt 173 Beiträge
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pacificwanderer 24.10.2013
1. Bisher
doch alles nur Vermutungen und Geruechte! Wo bleiben die notwendigen Beweise?
hanfpiraten 24.10.2013
2. Wir erinnern uns an H. Clintons UNO-Spionageorder
Es ist quasi unmöglich, dass Merkel und Konsorten nichts von der Abhörung ihrer Handys usw. wussten. Was wollen sie der Bevölkerung also mit ihrer gespielten Empörung andrehen? China-Internet?
amerzenich 24.10.2013
3. Ups
Die bringen die halbe Welt gegen sich auf, sollten das nicht alle so verträumte Spitzenpolitiker sein wie unsere Bundesmutti.
alsi 24.10.2013
4.
Solange sie nichts verbotenes tun haben sie doch auch nichts zu verbergen oder?
gandhiforever 24.10.2013
5. Kein Wunder,
dass die USA so darauf erpischt waren, Edward Snowden wegzusperren. Zwar wussten die Menschenjaeger damals noch nicht genau, was der ehemalige Angestellte eines NSA-Vertragspartners so alles kopiert hatte, man wusste aber, was man alles selbst angestellt hatte. Um darum sollte verhindert werden, dass Snowden auspacken konnte. Zum Glueck stellten sich die Typen da nicht gerade geschickt an (es ist ja auch viel leichter, Telefongespraeche abzuhoeren) und verpassten es, den Whistleblower in ihre Gewalt zu bringen. Nun ist Snowden relativ sicher vor den Verfolgern, und von Zeit zu Zeit koennen wir lesen, was da alles im Namen von Terrorabwehr gedreht worden ist (wird). 35 internationale Politiker, pardon Spitzenpolitiker waren es also. Wie viele insgesamt? Werden deren Laender nun entsprechende Schritte einleiten? Und was fuer Schritte sind gegen die USA angebracht, bzw. durchsetzbar? Die Zeiten der Verharmlosung sind wohl vorbei.
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