Nukleardeal mit Südafrika: Israel soll Apartheid-Regime Atombomben angeboten haben

Israel hat offenbar versucht, dem südafrikanischen Apartheid-Regime Atomwaffen zu beschaffen. Das berichtet der britische "Guardian" auf Basis jetzt aufgetauchter Dokumente. Es wäre der erste schriftliche Beweis für die Existenz israelischer Nuklearwaffen - und damit eine politisch brisante Blamage für Jerusalem.

Atomreaktor in Dimona: Israel soll dem Apartheid-Regime die Bombe in Aussicht gestellt habenZur Großansicht
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Atomreaktor in Dimona: Israel soll dem Apartheid-Regime die Bombe in Aussicht gestellt haben

London/Tel Aviv - Israel gilt als Atommacht, auch wenn seine Regierung seit Jahrzehnten die Existenz der Waffen weder bestätigt noch dementiert. Die Politik der Zweideutigkeit bietet einen großen Vorteil: Israel verfügt über nukleares Abschreckungspotential, ohne sich aber dem internationalen Kontrollregime unterwerfen zu müssen. 1986 wurde Israels Atomprogramm bekannt, als der Techniker Mordechai Vanunu entsprechende Informationen öffentlich machte. Erst am Sonntag wurde Vanunu in diesem Zusammenhang erneut verhaftet.

Jetzt aber sind Dokumente aufgetaucht, die Israel gleich auf doppelte Art bloßstellen könnten, sollten sie authentisch sein: Sie wären der erste schriftliche Beweis für die Existenz israelischer Atomwaffen. Und sie würden den Eindruck, Israel gehe verantwortungsvoll mit der Bombe um, ad absurdum führen. Das dürfte es der Regierung in Jerusalem nicht unbedingt leichter machen, bei den derzeit laufenden Gesprächen zur atomaren Abrüstung in New York das iranische Atomprogramm zu verurteilen. In dieser Woche soll es bei den Gesprächen um den Nahen Osten gehen.

Die britische Zeitung "Guardian" will die brisanten Dokumente von Sasha Polakow-Suransky erhalten haben. Der US-Historiker wiederum gibt an, die Schriftsätze von der Regierung Südafrikas im Rahmen einer Buchrecherche bekommen zu haben. Die Dokumente belegen offenbar, dass Israel Südafrika vor rund 35 Jahren vollständige Atomwaffen zum Kauf angeboten hat. Sie enthalten streng geheime Gesprächsprotokolle von Treffen zwischen ranghohen Repräsentanten Israels und des damaligen Apartheid-Regimes im Jahre 1975.

Sprengköpfe "in drei Größen"

Der ehemalige südafrikanische Verteidigungsminister Pieter Willem Botha hat demnach seinen israelischen Amtskollegen Schimon Peres um "Jericho"-Raketen und passende Sprengköpfe gebeten. Peres, heute Staatspräsident Israels, bot sie laut den Dokumenten "in drei Größen" an - damit sollen konventionelle, chemische und nukleare Sprengköpfe gemeint sein. Unter einem der Briefe aus dem Jahr 1975 ist die Unterschrift Peres' zu sehen. Er gilt auch als Vater des israelischen Atomprogramms.

Dass Israel und Südafrika auf dem Gebiet der Atomforschung kooperiert haben, gilt bereits seit Jahren als weitgehend gesichert. So wurde etwa im April 1997 ein Memorandum des US-Auslandsgeheimdiensts CIA veröffentlicht. Der Titel des 1983 verfassten Papiers: "Neue Informationen über Südafrikas Atomprogramm und die afrikanisch-israelische militärische und nukleare Zusammenarbeit".

Auch andere Quellen berichteten von der Hilfe Israels für das rassistische Apartheid-Regime - etwa beim Bau des Forschungsreaktors Pelindaba, der Konstruktion von Trägersystemen nach Vorbild der "Jericho"-Raketen und der Entwicklung von Atomsprengköpfen. Dass Israel aber willens war, vollständige Gefechtsköpfe inklusive Trägersystem an Südafrika weiterzugeben, wäre eine neue Qualität.

Dementi aus Jerusalem

Peres ließ am Montag mitteilen, der Bericht entbehre jeder realistischen Grundlage. "Leider hat sich der 'Guardian' dafür entschieden, den Beitrag auf der Basis einer selektiven Interpretation südafrikanischer Dokumente zu schreiben und nicht auf der Basis konkreter Fakten", hieß es in einer Stellungnahme von Peres' Büro. "Israel hat niemals den Austausch nuklearer Waffen mit Südafrika verhandelt. Es gibt kein israelisches Dokument oder eine israelische Unterschrift auf einem Dokument, demzufolge solche Verhandlungen stattgefunden haben." Man fordere von der Zeitung die Veröffentlichung der wahren Fakten.

Das Blatt schrieb, der Handel zwischen den beiden Staaten sei letztlich aus Kostengründen gescheitert. Peres und Botha hätten jedoch ein umfassendes Abkommen über Militärverbindungen unterschrieben, das unter allen Umständen geheim bleiben sollte.

Südafrika konnte schließlich seine eigenen Atomwaffen bauen - vermutlich auch dank israelischer Hilfe. Im Gegenzug soll das Apartheid-Regime Israel mit dringend benötigtem Uran versorgt haben. 1989 hat Südafrika seine sechs vollständigen Atombomben vernichtet und ist 1991 dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten.

Der Historiker Polakow-Suransky sagte dem "Guardian", die israelische Regierung habe die Freigabe der Dokumente durch die südafrikanischen Behörden zu verhindern versucht. "Den Südafrikanern schien das aber egal zu sein", sagte Polakow-Suransky. "Der ANC-Regierung ist es nicht besonders wichtig, die dreckige Wäsche der alten Verbündeten des Apartheid-Regimes zu schützen."

mbe/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
medienquadrat 25.05.2010
Komisch, habe ich das nur geträumt? Oder war das nicht schon in den 70igern einen Skandal wert gewesen?
Komisch, habe ich das nur geträumt? Oder war das nicht schon in den 70igern einen Skandal wert gewesen?
Zero Thrust 26.05.2010
Geträumt? Vielleicht. Artikel gelesen? Offenbar nicht richtig. ---Zitat--- Die Dokumente belegen offenbar, dass Israel Südafrika _vor rund 35 Jahren_ vollständige Atomwaffen zum Kauf angeboten hat. Sie enthalten streng [...]
Zitat von medienquadratKomisch, habe ich das nur geträumt? Oder war das nicht schon in den 70igern einen Skandal wert gewesen?
Geträumt? Vielleicht. Artikel gelesen? Offenbar nicht richtig. ---Zitat--- Die Dokumente belegen offenbar, dass Israel Südafrika _vor rund 35 Jahren_ vollständige Atomwaffen zum Kauf angeboten hat. Sie enthalten streng geheime Gesprächsprotokolle von Treffen zwischen ranghohen Repräsentanten Israels und des damaligen Apartheid-Regimes _im Jahre 1975._ ---Zitatende--- Es geht hier um die 70er Jahre. Und nicht etwa darum, dass Israel es jetzt erneut versucht hätte. Darüber hinaus dürften Sie durchaus geträumt haben, denn die Dokumente in Frage wurden - jedenfalls soweit ich weiß - in der Tat erst in diesem Jahr publik gemacht. Eben durch den Guardian. Dass Israel Südafrika damals derartige Angebote unterbreitete, sollte in der Öffentichkeit bis dato eher unbekannt gewesen sein (innerhalb bestimmter Intelligence Communities und einigen Regierungen sicherlich nicht), obgleich man den ein oder anderen Verdacht hat unterhalten können. Insbesondere da ja eher schon bekannt war, mindestens aber schwer vermutet wurde, dass Israel in den 1970er Jahren im Indischen Ozean Atomwaffen testete - mit Unterstützung Südafrikas...
Georgius 26.05.2010
...wird eine schoene Verschwoerungstheorie zu Grabe getragen. Ein Jammer aber auch... - odel ??
...wird eine schoene Verschwoerungstheorie zu Grabe getragen. Ein Jammer aber auch... - odel ??
eikfier 01.06.2010
...viel bemerkenswerter fand ich ja eigentlich schon immer, daß ein rassistische Opfervolk in seinem eigenen neuen Staate überhaupt Kontakte mit einem aktuellen Rassismus-Staat wie dem gänzlich unaparten Apartheid-Regime [...]
Zitat von Georgius...wird eine schoene Verschwoerungstheorie zu Grabe getragen. Ein Jammer aber auch... - odel ??
...viel bemerkenswerter fand ich ja eigentlich schon immer, daß ein rassistische Opfervolk in seinem eigenen neuen Staate überhaupt Kontakte mit einem aktuellen Rassismus-Staat wie dem gänzlich unaparten Apartheid-Regime pflegte. Das bißchen Atombombe ist dagegen für mich eher marginal und SPIEGEL-Leser wissen eben manchmal doch mehr als SPON, obwohl das gemeinsame SPON/SPIEGEL-Archiv wirklich und neidlos einsame Spitze ist, nur reinkucken muß man schon mal. Daß da unten was lief, pfiffen doch damals die pfiffigen SPIEGEL-Spatzen schon von den Dächern, wegen der "unklaren" seismographischen Aktivitäten da unten...
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  • Montag, 24.05.2010 – 18:08 Uhr
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Irans Atomprogramm
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.


Republik Iran
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

Uran und Atomwaffen
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.



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