Gespräche in Kasachstan Iran jubelt über "Wende" bei Atomverhandlungen

Das Regime in Teheran spricht von einem "Wendepunkt": Die Weltmächte und Iran haben sich auf neue Gespräche über das umstrittene Atomprogramm geeinigt. Doch Israel äußerte sich "extrem skeptisch".

Atomanlage in Fordo (Screenshot aus Irans Fernsehen): Streitpunkt der Verhandlungen
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Atomanlage in Fordo (Screenshot aus Irans Fernsehen): Streitpunkt der Verhandlungen


Alamty/Jerusalem - Schon im März und April soll es Gespräche zwischen Iran und der sogenannten 5+1-Gruppe über das umstrittene Atomprogramm Teherans geben. Darauf verständigten sich beide Seiten zum Abschluss der Verhandlungen im kasachischen Almaty.

Nach einem Treffen auf Expertenebene am 17. und 18. März in Istanbul seien neue Gespräche mit den 5+1 am 5. und 6. April in Almaty geplant, bestätigten Vertreter der Delegationen.

Iran sprach von einem "Wendepunkt" der Verhandlungen. Der Atomunterhändler Said Dschalili nannte die jüngsten Gespräche mit den Weltmächten "realistischer". "Einige der von ihnen vorgebrachten Punkte waren realistischer als Dinge, die sie in der Vergangenheit gesagt haben." Iran sehe die Gespräche als "positiven Schritt", dem nun weitere Schritte in gegenseitigem Einvernehmen folgen könnten.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die die aus den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland bestehende 5+1-Gruppe repräsentiert, bewertete die jüngsten Gespräche dagegen zurückhaltend. "Ich hoffe, dass die iranische Seite die von uns vorgebrachten Vorschläge positiv aufnehmen wird", sagte Ashton. Die Vorschläge zielten darauf ab, Vertrauen aufzubauen und ein Vorankommen im Atomstreit zu ermöglichen.

Beide Seiten waren mit Angeboten in die Verhandlungen gegangen, in denen es um mögliche Lockerungen von Sanktionen und die Frage der iranischen Urananreicherung ging. Im Gegenzug für eine Lockerung der Sanktionen sollte Iran die Urananreicherung auf 20 Prozent einstellen, den bereits angehäuften Uran-Bestand ins Ausland bringen und die Atomanlage Fordo schließen. Teheran hatte erklärt, ein Gegenangebot vorlegen zu wollen, lehnte die Forderungen aber ab.

Israel: Iran spielt auf Zeit

Teheran besteht auf sein Recht zur Urananreicherung und erklärte, einen Stopp der Anreicherung auf 20 Prozent nur zu erwägen, wenn alle Sanktionen aufgehoben würden. Dies wurde vor allem von den USA zurückgewiesen. Einem US-Regierungsbericht vom Dienstag zufolge haben die Sanktionen Iran bereits an den Rand einer Rezession gebracht. Seit der Verschärfung der Sanktionen 2010 seien die Ölexporte um 18 Prozent zurückgegangen, während die vergleichbarer Länder um 50 Prozent stiegen. Die Inflation stieg Ende 2012 auf 27 Prozent, für die kommenden Jahre wird mit einer Arbeitslosenquote von 15 bis 16,6 Prozent gerechnet. 2012 sank das iranische Bruttoinlandsprodukt um 1,4 Prozent, für 2013 wird mit einem weiteren Rückgang um 1,3 Prozent gerechnet.

Israel warnte vor zu viel Optimismus nach den Gesprächen in Kasachstan und äußerte sich "extrem skeptisch" über mögliche iranische Zugeständnisse. Teheran wolle mit Gesprächen wie denen in Almaty nur Zeit für die Entwicklung von Atombomben gewinnen, erklärten Regierungsvertreter der Zeitung "Jerusalem Post". "Die iranische Strategie ist klar: die diplomatischen Bemühungen in die Länge ziehen und parallel weiter Uran anreichern", sagte ein ungenannter Sprecher der Zeitung. Eigentliches Ziel der Führung in Teheran sei es, die Gespräche in die Länge zu ziehen, bis sie die Welt eines Tages mit einem Atomtest überraschen könne.

als/AP/AFP/dpa/Reuters



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LouisXIV 27.02.2013
1. Sanktionen wegen Atomprogramm nur vorgeschoben?
"Teheran besteht auf sein Recht zur Urananreicherung und erklärte, einen Stopp der Anreicherung auf 20 Prozent nur zu erwägen, wenn alle Sanktionen aufgehoben würden. Dies wurde vor allem von den USA zurückgewiesen." Das verstehe ich nicht. Die Sanktionen bestehen doch nur wegen vermuteter Arbeit an erhöhter Anreicherung hin zur Bombe. Keine Anreicherung über 20%, dann kann es auch keine Bombe geben. Dann sollten die Sanktionen auch komplett aufgehoben werden. Dieser Vorschlag erscheint mir sinnvoll. Warum ist der Westen dagegen, bzw welches ernsthafte Angebot wird von deren Seite gemacht? Geht es bei den Sanktionen etwas gar nicht um das Atomprogramm?
snigger 27.02.2013
2. ein atomtest macht noch keine bombe
selbst wenn die iraner einen atomtest machen ... was gewinnen die damit? ruhe vor den israelis mit sicherheit nicht. in dem augenblick, wo die merken ... iran könnte was rüberwerfen ... marschieren die entweder los ...oder sagen den iranern ... ihr schmeisst was auf tel aviv oder (schlimmer) jerusalem ... dann habt ihr die ganze welt (und 3 religionen) gegen euch. inklusive euren eigenen. das sollte jeder ajatollah bedenken ...
hansdampf01 27.02.2013
3. Verpasste Chance
Falls Iran doch einlenken sollte wäre die Chance vertan das Land anzugreifen. Das Zeitfenster schließt sich, Israel sollte sich beeilen.
galahad610 27.02.2013
4. hmmm...
Zitat von LouisXIV"Teheran besteht auf sein Recht zur Urananreicherung und erklärte, einen Stopp der Anreicherung auf 20 Prozent nur zu erwägen, wenn alle Sanktionen aufgehoben würden. Dies wurde vor allem von den USA zurückgewiesen." Das verstehe ich nicht. Die Sanktionen bestehen doch nur wegen vermuteter Arbeit an erhöhter Anreicherung hin zur Bombe. Keine Anreicherung über 20%, dann kann es auch keine Bombe geben. Dann sollten die Sanktionen auch komplett aufgehoben werden. Dieser Vorschlag erscheint mir sinnvoll. Warum ist der Westen dagegen, bzw welches ernsthafte Angebot wird von deren Seite gemacht? Geht es bei den Sanktionen etwas gar nicht um das Atomprogramm?
also,entweder haben SIE es jetzt nicht verstanden oder ICH habe SIE nicht verstanden. die weltgemeninschaft hat dem iran bereits vor jahren(!) angeboten 20-prozentiges uran zu liefern(für seine "medizinischen zwecke") unter der prämisse daß es NICHT im iran hochgedreht wird.der technologische schritt von 20 zur bombe ist kurz,der auf 20 umso schwieriger. ausserdem verlangt der iran ZUERST die aufhebung der sanktionen und wäre ERST DANN bereicht(lt. eigener aussgae) auf die höher-anreicherung zu verzichten...eine lachnummer,da könnten wir die bombe gleich frei haus liefern...soweit klar geworden? von daher:keine zugeständnisse solange die nicht auf auswärtige anreicherung eingehen(wäre ja so einfach gewesen,und vor allem billiger)sondern daumenschrauben stärker anziehen...und im ernstfall übernehmen eh die israelis,die können sich die bombe in teheran nicht leisten...bedauerlich was so ein paar steinzeitidioten aus einem vormals blühenden land anstellen können...
UHamm 27.02.2013
5. ...Israel extrem besorgt
Natürlich sind die skeptisch. Haben sie doch selber schon lange das, was sie anderen vorenthalten wollen. Es ist schon grotesk, wenn Israel auf die Einhaltung des Sperrvertrags dringen, den zu unterschreiben sie sich selber aber geweigert haben. Hier gehts ja nicht um irgendwelche Tatsachen, sondern allein um Mutmaßungen und Verdächtigungen. Natürlich gibt kein Land der Welt, schon garnicht Israel, Einblick in seine geheimen Produktionsstätten. Warum also fordert man dies vom Iran? Man sucht verzweifelt Gründe für einen Offensivschlag. Das ganze ist lediglich Schmierentheater, um unliebsame Machtkonkurrenz in Nahost zu verhindern und den eigenen Kurs weiterzufahren.
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