Nuklearprogramm: Iranische Dissidenten wollen geheime Atomanlage entdeckt haben

Der Westen hofft darauf, dass neue harte Sanktionen gegen Teheran Wirkung zeigen. Doch eine Dissidentengruppe legt nun Belege für eine angeblich bislang geheim gehaltene Anreicherungsanlage nahe Teheran vor. US-Regierung und Internationale Atomenergiebehörde schweigen dazu bislang.

Vertreter der Volksmudschahidin: Anlage "311" Zur Großansicht
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Vertreter der Volksmudschahidin: Anlage "311"

Washington - Eine iranische Dissidentengruppe behauptet, eine bislang geheime iranische Atomanlage aufgespürt zu haben. Vertreter der iranischen Volksmudschahidin ("People's Mujaheddin Organization of Iran"/PMOI) erklärten bei einer Pressekonferenz in Washington, sie hätten in jahrelangen Recherchen Belege für eine Anlage in Abijek, rund 120 Kilometer nordwestlich von Teheran, gesammelt.

Die Exiloppositionellen zeigten Satellitenbilder der angeblichen Anlage, auf denen Tunnelarbeiten in bergigem Gelände zu sehen sein sollen. Den Volksmudschahidin zufolge werde an der Anreicherungsanlage hundert Meter unter der Erdoberfläche gebaut, wohl, um diese vor Bombenangriffen zu schützen. Im Inneren der Anlage sollen sich drei bis zu 200 Meter lange Hallen befinden, die Urananreicherungszentrifugen beherbergen könnten.

Innerhalb Irans werde die Anlage als "311" bezeichnet und als ein Annex einer benachbarten Militärgarnison geführt. Die Organisation glaubt aber, dass das Ausmaß der Tunnelarbeiten diese Behauptung klar widerlege. Die Arbeiten an der Anlage seien seit mindestens fünf Jahren im Gange, Iran habe bislang hundert Millionen Dollar dafür ausgegeben. Die Leitung liege beim Verteidigungsministerium und dem Generalstab.

Soona Samsami, eine Sprecherin der Volksmudschahidin, nannte das fragliche Projekt zu 85 Prozent fertiggestellt und möglicherweise "weit wichtiger" als eine Anreicherungsanlage nahe der Stadt Ghom, deren Existenz das iranische Regime voriges Jahr einräumen musste.

IAEA und USA sollen informiert sein

Die Dissidentengruppe, die ihre Erkenntnisse nach eigener Aussage auf interne Recherchen in Iran stützt, hat in der Vergangenheit bereits Belege unter anderem für eine Urananreicherungsanlage in Natans vorgelegt. Andere Hinweise wurden jedoch von der US-Regierung skeptisch aufgenommen, auch weil die Gruppe selbst unter Terrorismusverdacht steht. Die Europäische Union hat die iranischen Volksmudschahidin erst Anfang 2009 von ihrer Liste der terroristischen Organisationen gestrichen.

Die Volksmudschahidin erklärten, sie hätten ihre Erkenntnisse den amerikanischen Behörden sowie der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mitgeteilt. Weder IAEA noch die US-Regierung haben sich dazu aber bislang geäußert. Iran hat der IAEA im vergangenen Jahr versichert, derzeit keine weiteren Nuklearanlagen zu bauen. Alireza Jafarzadeh, ein weiterer Volksmudschahidin-Sprecher, sagte dazu: "Iranische Vertreter lügen ganz offen."

Die Enthüllung der Anlage käme zu einem heiklen Zeitpunkt. Sie würde belegen, dass Iran sein Atomprogramm weiter aggressiv vorantreibt - während zahlreiche Beobachter eigentlich davon ausgingen, dass neue harte Sanktionen des Uno-Sicherheitsrates gegen das Regime Wirkung zeigten.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte am Mittwoch bei einer Rede vor dem Council on Foreign Relations in Washington: "Wir wissen, dass Iran unter enormen Druck steht."

gps

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Forum - Iran - sind die Atompläne mit Sanktionen des Westens zu stoppen?
insgesamt 1666 Beiträge
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1.
Ernst August 12.06.2010
Zitat von sysopDie angedrohten Sanktionen gegen Iran sind gestartet, doch es gibt Skeptiker, die deren Wirksamkeit bezweifeln. Können mit den Maßnahmen die Atompläne des Landes gestoppt werden?
Die Antwort gibt "der kleine iranische Mann" von der Straße selbst. Neben 118 von 189 NPT Staaten (UNO Atomwaffenspervertrag und für Abrüstung) die voll hinter dem Iran stehen erklären selbst Indien, Pakistan und andere eher "westliche" Staaten dass sie die Sanktionen für falsch halten.
2.
no_not_now 12.06.2010
Zitat von Ernst AugustNeben 118 von 189 NPT Staaten (UNO Atomwaffenspervertrag und für Abrüstung) die voll hinter dem Iran stehen...
...auf welchem Parallelplaneten leben Sie denn ? Sind Sie hier der Märchenonkel ? Falls Sie ernst genommen werden wollen, sollten Sie zwischendurch mal 'ne Zeitung aufschlagen...
3.
Ernst August 12.06.2010
Zitat von Ernst AugustDie Antwort gibt "der kleine iranische Mann" von der Straße selbst. Neben 118 von 189 NPT Staaten (UNO Atomwaffenspervertrag und für Abrüstung) die voll hinter dem Iran stehen erklären selbst Indien, Pakistan und andere eher "westliche" Staaten dass sie die Sanktionen für falsch halten.
Sorry - den kleinen Mann auf der Straße vergessen. Hier der Link. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen?bc=sts;stt#/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen
4.
tao chatai 12.06.2010
Zitat von Ernst AugustSorry - den kleinen Mann auf der Straße vergessen. Hier der Link. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen?bc=sts;stt#/beitrag/video/1066572/Atom-Sanktionen-Iraner-sind-gelassen
Saudi Arabien hat (http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article7148555.ece) der Luftwaffe Israels einen Flugkoridor zum ueberfliegen fuer die geplante Atacke auf den Iran zur Verfuegung gestellt.
5. Was ist die eigentliche Intention der Sanktionen?
anathema 12.06.2010
Zitat von sysopDie angedrohten Sanktionen gegen Iran sind gestartet, doch es gibt Skeptiker, die deren Wirksamkeit bezweifeln. Können mit den Maßnahmen die Atompläne des Landes gestoppt werden?
Höchstwahrscheinlich nicht und sie haben allem Anschein nach auch nicht diese Intention. Es sind nämlich – genau genommen - nur Inszenierungen für militärische Maßnahmen und man folgt damit nur dem Beispiel des mit aller Gewalt und Ranküne eingefädelten Irakkrieges unter der Regie derselben Kriegsagitatoren. Überdies haben sich Sanktionen bisher stets als kontraproduktiv erwiesen, ganz gleich wie raffiniert man sie in Szene gesetzt hat. De facto sind sie Erpressungen, werden als alternativlos dargestellt und stehen bewusst diplomatischen Regelungen und damit nötig werdenden Kompromissen – wie etwa der Schaffung einer atomwaffenfreien Nahostregion - von vornherein im Wege. Es handelt sich somit nur um eine weitere militärische Machtdemonstration der sich nach dem Kalten Kriege exorbitant immer höher rüstenden Militärmacht des Planeten, die unbeirrbar und ad infinitum an der Spirale der Gewalt nach Belieben dreht.
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Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

Mehr auf der Themenseite


Republik Iran
Land
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.
Politik
dpa
Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben der Revolutionsführer, aktuell Ajatollah Ali Chamenei (Bild), und der Wächterrat die größte Macht im Staat. Der Wächterrat kontrolliert die Kandidaten für Wahlen. Der Regierungschef ist der gewählte Präsident - seit August 2013 Hassan Rohani.
Leute
Corbis
Iran hat rund 75 Millionen Einwohner. Auf dem Uno-Index menschlicher Entwicklung (HDI) für 179 Staaten belegt Iran Platz 76 (Deutschland ist auf Platz 5). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 73 Jahren (zum Vergleich: Die Lebenserwartung in Deutschland liegt bei 80 Jahren).
Wirtschaft
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Die Wirtschaftsleistung pro Kopf betrug 2008 laut einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 5200 Dollar. Begünstigt vom hohen Ölpreis wuchs die Wirtschaft zuletzt um etwa sechs Prozent. Neben der Arbeitslosenquote, die laut inoffiziellen Schätzungen bei etwa 30 Prozent liegt, ist die Inflation eines der größten wirtschaftlichen Probleme. 2008 soll sie bei fast 30 Prozent gelegen haben, für 2009 rechnet der IWF mit 25 Prozent. Im Jahr 2005 machten Teherans Ausgaben für das Militär laut Uno-Statistiken 5,8 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus (Deutschland: 1,4 Prozent).
Menschenrechte
REUTERS
Nach China ist Iran das Land, in dem die meisten Todesurteile vollstreckt werden. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 388 Menschen hingerichtet, das waren 42 Hinrichtungen mehr als im Vorjahr. Der Uno zufolge saßen 2007 pro 100.000 Einwohner 214 Menschen im Gefängnis (in Deutschland sind es 95). Korruption ist in Iran weit verbreitet. Auf dem weltweiten Index von Transparency International nimmt Iran 2009 bei 180 beobachteten Staaten den 168. Rang ein (Deutschland: 14).
Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Fotostrecke
Iran: Vom Königreich zur Islamischen Republik
Chronik
Aufstieg von Mohammed Resa
AFP
Im Zweiten Weltkrieg gilt der monarchische Staat Iran als Freund der Achsenmächte. Britische und sowjetische Truppen besetzen daher 1941 das Land. Resa Schah muss abdanken. Die Alliierten inthronisieren seinen Sohn Mohammed Resa . Wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik gerät der Schah erstmals 1963 in die Kritik von Ajatollah Ruhollah Chomeini, einem damals hochrangigen religiösen Führer, den die Regierung ein Jahr später in die Türkei abschiebt. Chomeini geht schließlich in den Irak. Dort bleibt er 13 Jahre und entwickelt er das Staatsmodell des islamischen Staates. Mit seiner repressiven Politik und seinem dekadenten Herrschaftsstil bringt der Schah eine wachsende Opposition aus sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Schichten gegen sich auf.
Ajatollah Chomeini und die islamische Revolution
Getty Images
1978 mobilisieren Liberale und Konservative, Säkulare und Religiöse, Linke und Rechte Massenproteste gegen den Schah. Zur Leitfigur des Protests wird Ajatollah Chomeini. Den landesweiten Streiks und Massendemonstrationen in Teheran schließen sich Hunderttausende an. Armee und Polizei gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Dennoch enden die Proteste mit dem Sturz des Schahs am 16. Januar 1979. Nach Chomeinis Rückkehr aus dem Exil in Frankreich, wohin er 1978 gedrängt worden war, spricht sich die Bevölkerung in einem Referendum für die Islamische Republik aus, deren oberster Führer der Großajatollah selbst wird.

Die Außenpolitik Chomeinis wendet sich vor allem gegen die USA und Israel. Am 4. November 1979 besetzen islamische Kräfte die amerikanische Botschaft und nehmen mehr als 50 Geiseln, die erst nach 444 Tagen wieder freikommen. Chomeini billigt die Aktion. Die Beziehungen zu den USA erreichen ihren Tiefpunkt. Unterstützt von den USA überfällt der Nachbarstaat Irak am 22. September 1980 Iran. In dem folgenden acht Jahre langen Krieg zwischen den beiden Ländern sterben etwa eine Million Menschen.
Phase der Islamisierung
REUTERS
Im Laufe des Kriegs treibt die Regierung die Islamisierung des Landes voran. Für Frauen gilt eine strenge Kleiderordnung, in öffentlichen Verkehrsmitteln die Geschlechtertrennung. Chomeini lässt linksgerichtete politische Häftlinge ermorden, vor allem Anhänger der Volksmudschahidin, die noch während der Revolution auf Seiten Chomeinis standen.

1989 stirbt der religiöse Führer. Der Expertenrat, ein Gremium aus höchsten religiösen Sachverständigen, ernennt Ajatollah Ali Chamenei zum Nachfolger. In den Folgejahren hat Iran stark unter zunehmender Korruption zu leiden. Die Liberalisierung der Wirtschaft bleibt weitgehend wirkungslos. Bereits 1995 verhängen die USA erste wirtschaftliche Sanktionen, weil Iran nach US-Auffassung den internationalen Terrorismus unterstützt.
Vom Reformer Chatami zum Hardliner Ahmadinedschad
AFP
Der als liberaler Geistlicher geltende Mohammed Chatami gewinnt 1997 die Präsidentschaftswahl. Seine innenpolitischen Reformbemühungen geraten allerdings ins Stocken, da er versucht, zu viele politische Lager zusammenzubringen, und die nach wie vor einflussreichen konservativen Hardliner erheblichen Widerstand leisten. Im Juni 2005 erobert der frühere Bürgermeister Teherans und konservative Hardliner Mahmud Ahmadinedschad das Amt des Präsidenten. Außenpolitisch sorgt er vor allem durch Vorantreiben eines Atomprogramms und harsche verbale Angriffe gegen Israel für Ärger.