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Nuklearstreit: Israel testet Atomrakete mit Reichweite bis Iran

Israel treibt offenbar die Pläne für einen Schlag gegen Iran voran. Das Land soll mit Erfolg eine atomwaffenfähige Rakete mit großer Reichweite getestet haben. Das Regime in Teheran kündigt bereits Vergeltung für den Fall eines Angriffs an.

Israelische Nuklearanlage in Dimona: Vorbereitungen für einen Schlag gegen Iran? Zur Großansicht
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Israelische Nuklearanlage in Dimona: Vorbereitungen für einen Schlag gegen Iran?

Jerusalem/Teheran/Washington - Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wirbt laut der Zeitung "Haaretz" bei seinen Kabinettskollegen für einen Angriff auf Iran. Auch Verteidigungsminister Ehud Barak drängt demnach zu einer Attacke auf iranische Atomanlagen. Am vergangenen Montag hatte Barak im Armee-Rundfunk derartige Pläne noch dementiert und gesagt, solche Entscheidungen könnten nicht im Alleingang getroffen werden. Allerdings seien Teherans "Fortschritte bei der Entwicklung von Atomwaffen die Hauptbedrohung für die Sicherheit der Region".

Am Mittwoch bekamen die Spekulationen über Pläne für einen möglichen Militärschlag gegen das Regime in Teheran neuen Auftrieb. Denn Israel testete auf dem Stützpunkt Palmachim südlich von Tel Aviv erfolgreich atomwaffenfähige Raketensysteme. Das teilte das Verteidigungsministerium mit. Der als Militärübung ausgeführte Test eines "Raketenantriebssystems" sei lange geplant gewesen. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Bei der getesteten Rakete dürfte es sich um eine "Jericho 3" gehandelt haben. Sie kann Atomwaffen tragen und hat mit rund 7000 Kilometern eine Reichweite, um auch Iran zu treffen.

Militärschlag nicht ausgeschlossen

Experten schätzen, dass Israel rund 100 bis 200 nukleare Sprengköpfen besitzt, von denen jeder die Zerstörungskraft von etwa zehn Hiroshima-Bomben hätte. Israel unterstützt zwar diplomatische Sanktionen gegen Iran. Die Option eines Militärschlags gegen dessen Atomeinrichtungen wurde von der Regierung jedoch nie ausgeschlossen.

Das Regime in Teheran reagierte umgehend auf die Nachrichten aus Israel. Er werde die "Drohungen ernst nehmen", egal wie abwegig oder unwahrscheinlich sie erschienen, schrieb der iranische Verteidigungsminister Hassan Firusabadi auf der Web-Seite der Revolutionsgarde. Teheran werde Israel bestrafen, sollte das Land versuchen, Iran anzugreifen. Zugleich drohte Firusabadi auch den USA mit Vergeltung für einen möglichen israelischen Angriff.

Israel und die westlichen Länder verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomkraft ein Arsenal an Atomwaffen aufzubauen. Teheran weist die Beschuldigung stets zurück.

Der außenpolitische Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat am Mittwoch schärferen Sanktionen gegen Iran zugestimmt. Die Strafen richten sich gegen Firmen, die mit Iran oder dessen Zentralbank Geschäfte machen. Der Ausschuss nahm zwei Vorlagen an, mit denen das vermutete Atomwaffenprogramm Irans bekämpft werden soll.

Die Vorsitzende des Komitees, Ileana Ros-Lehtinen, sagte, die Öleinnahmen Irans und dessen Wirtschaft kämen indirekt einem Regime zugute, das den Terrorismus unterstütze.

als/dapd/AFP

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Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
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Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
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Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
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Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
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Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
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Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
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Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.

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