Machtkampf in Bagdad Iraks Regierungschef Maliki tritt ab

Er hielt an der Macht fest, wollte unter allen Umständen Regierungschef des Irak bleiben: Nun lenkt Nuri al-Maliki ein und unterstützt die Kandidatur von Haidar al-Abadi als neuer Premier, meldet das Staatsfernsehen.


Bagdad - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki gibt seinen Anspruch auf eine weitere Amtszeit auf. Der Politiker trete zugunsten des designierten Nachfolgers Haidar al-Abadi zurück, wie das Staatsfernsehen am Donnerstag meldete. Der Machtkampf in Bagdad gilt als ein Grund für das Erstarken der Terrormiliz "Islamischer Staat".

Abadi war am Montag mit der Regierungsbildung beauftragt worden, Maliki hatte sich zuletzt noch dagegen gewehrt. Für Amtsinhaber Nuri al-Maliki war das ein Affront.

Der seit 2006 regierende Premier wollte bislang unter keinen Umständen von der Macht lassen. Er wirft Staatschef Masum Verfassungsbruch vor: Als Chef der größten Parlamentsfraktion müsse Maliki die Regierungsbildung übertragen werden.

Der Aufstieg der Terrorgruppe "Islamischer Staat" steht beispielhaft für Malikis Versagen. Jahrelang hat der Premier die sunnitische Minderheit massiv benachteiligt. Viele Politiker wurden wegen ihrer Vergangenheit in Saddams Baath-Partei in die Illegalität gedrängt, sunnitischen Männern sind Aufstiegschancen in der Armee und anderen staatlichen Einrichtungen verweigert worden. Die Folge - viele von ihnen unterstützen IS bei ihrem Vormarsch auf Bagdad.

Maliki hat es nicht geschafft, die Terroristen aufzuhalten. Dabei ist er seit 2010 nicht nur Premier, sondern auch in Personalunion Verteidigungs-, Innen- und Geheimdienstminister. In diesen Ämtern hat er zwar ein einflussreiches Patronagegeflecht aufgebaut und Eliteeinheiten aufgestellt, die ihm direkt unterstellt sind. Gegen IS kämpfen jedoch nicht diese Truppen an vorderster Front, sondern die kurdischen Peschmerga-Kämpfer.

mia/AFP/Reuters/AP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rwj 14.08.2014
1. Endlich!
aber glauben tu ich's noch nicht, obwohl dem Irak eine Regierung der Einheit so dringend zu wünschen ist
JDR 15.08.2014
2. ...
Zitat von sysopREUTERSEr hielt an der Macht fest, wollte unter allen Umständen Iraks Regierungschef bleiben: Nun lenkt Nuri al-Maliki ein und unterstützt die Kandidatur von Haidar al-Abadi als neuem Premier, meldet das Staatsfernsehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nuri-al-maliki-will-al-abadi-als-premier-unterstuetzen-a-986205.html
Nun, auch das ist sicherlich keine Silberkugel, aber eine echte neue Chance. Wer immer das organisiert hat, scheint gute Arbeit geleistet zu haben.
chagall1985 15.08.2014
3. Eine Hoffnungsschimmer
Ich hoffe dieser Egoist und Opportunist verschwindet aus der Politik. Schlimmer als unter ihm kann es im Irak nicht mehr werden.
nekkochat 15.08.2014
4. Na endlich
... sind wir diesen Versager los. Lang ist s her, seitdem GW Bush den Irak an den Iran abgetreten hat. Wohl hatten die Frauen unter S Hussein zu viele Rechte, deswegen musste der weg . Naja, wir werden sehen. Der Irak ist ein kuenstliches Gebilde, aber vielleicht klappt s ja besser mit dem Neuen
Big_Jim 15.08.2014
5. Eine Marionette geht,
eine andere Marionette kommt. Für die normalen Menschen ändert sich dadurch nichts!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.