Überraschender Auftritt von Barack Obama "Auch ich hätte Trayvon Martin sein können"

US-Präsident Barack Obama bricht sein Schweigen: Sechs Tage nach dem Freispruch für George Zimmerman hat er sich jetzt im Weißen Haus überraschend zum Fall Trayvon Martin geäußert - und thematisierte in klaren Worten die Lebensumstände schwarzer Amerikaner.


Washington - Das Urteil bewegte die gesamte Nation - nun hat sich US-Präsident Barack Obama erstmals nach dem Freispruch von George Zimmerman mit ausgesprochen deutlichen Worten zum Fall Trayvon Martin geäußert. "Auch ich hätte Trayvon Martin sein können", sagte Obama bei einem überraschenden Auftritt im Weißen Haus.

Nach dem Urteil hatte Obama nur ein paar sorgsam abgewogene Sätze gefunden: Der Tod Martins sei eine "Tragödie" für ganz Amerika; die USA seien aber ein Rechtsstaat und die Jury habe gesprochen. Kein Wort zu Martins Hautfarbe findet sich in diesem Statement.

Bürgerrechtler und die schwarze Community haben seither immer deutlicher eine klare Positionierung des Präsidenten gefordert. Doch der Präsident blieb stumm. Nun ging Obama auch konkret auf die Frage nach der Hautfarbe Martins ein, die Bürgerrechtler seit dem Urteil auf die Straße treibt.

Der Tod Trayvon Martins habe die Frage aufgeworfen, warum sich junge Afroamerikaner Gedanken über sogenanntes Racial Profiling machen müssten. "Wissen Sie, als Trayvon Martin erschossen wurde, habe ich gesagt, er könne mein Sohn sein. Ein anderer Weg das zu sagen ist: Auch ich hätte Trayvon Martin sein können, vor 35 Jahren." Die Familie Martins habe das Urteil mit großer Würde aufgenommen, sagte der US-Präsident.

Kritik an "Stand your Ground"-Gesetz

Schwarze Amerikaner hätten nach dem Urteil Schmerz empfunden, aufgrund einer "Reihe von Erfahrungen und einer Geschichte, die nicht einfach verschwindet", sagte Obama im Weißen Haus. Insbesondere schwarze Männer seien gewohnt, als Gefahr betrachtet zu werden. Viele Schwarze hätten das Gefühl vor dem Gesetz nicht gleich behandelt zu werden. Bevor er in ein öffentliches Amt gewählt worden sei, hätte er selbst erlebt, wie Autofahrer ihre Türen verschlossen und Frauen ihre Taschen enger an sich gepresst hätten, wenn er an ihnen vorbeiging.

"Was können wir daraus lernen, was können wir mitnehmen?", fragte Obama in die Runde. Es sei ein Moment, um in sich zu gehen - aber er wolle diesen Prozess nicht orchestrieren. Grundsätzlich sei in der amerikanischen Gesellschaft eine positive Entwicklung zu erkennen, sagte Obama. Wenn er seine Töchter ansehe und wie sie mit Freunden umgehen würden, stelle er fest: "Sie sind besser als wir sind. Sie sind besser als wir waren."

Auf konkrete Details zum Urteil gegen Zimmerman ging Obama nicht ein. Er stellte jedoch generell fest, dass geprüft werden müsse, ob die Gesetzgebung einzelner Staaten Konfrontationen schüre. Eine Jury hatte Zimmerman am vergangenen Samstag freigesprochen. Die Geschworenen beriefen sich dabei zwar nicht auf das umstrittene Notwehr-Gesetz "Stand your Ground", nach Einschätzung von Rechtsexperten spielte sie jedoch beim Freispruch eine Rolle. Die Regelung kritisierte Obama indirekt: Sie lege nahe, dass ein Bewaffneter in Konfliktsituation auch seine Waffen nutzen solle. Ob das letztlich zu Frieden und Ordnung führen könne, sei fraglich.

usp/Reuters/AP

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ich_bin_der_martin 19.07.2013
1. Fakten, fakten, fakten...
Es ist und bleibt Tatsache das Barak Obama ein Farbiger ist. Diese Tatsache alleine macht aus ihm noch keinen Brother(Bro). Er wurde mmn. als Kontraindektion zu G.W.Bush noch oben gespült und ist wie dieser doch nur eine Marionette des Systems USA. Wenn er sich nun verbal in eine Reihe mit Travor Martin, Martin Luther King oder gar Nelson Mandela wähnt, so finde ich das nicht nur übertrieben, sondern als eine Verhöhnung der Leitungen bzw. Schicksale dieser...
hairforce 19.07.2013
2. Ja, so ist das
Zitat von sysopAP/dpaUS-Präsident Barack Obama bricht sein Schweigen: Sechs Tage nach dem Freispruch für George Zimmermann hat er sich jetzt im Weißen Haus überraschend zum Fall Trayvon Martin geäußert - und thematisiert in klaren Worten das Leben schwarzer Amerikaner. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-aeussert-sich-ueberraschend-zum-fall-trayvon-martin-a-912150.html
Wenn das keine "one Man show" zu Trayvon Martin ist lieber Barack könnte man meinen das dir scheinbar das Hemd näher ist als die Hose. Wenn Du jetzt noch in der Lage bist dein Schweigen in klaren Worten zu zur NSA-Affäre zu brechen wäre vielen geholfen.
zabbaru 19.07.2013
3. Too little too late
Mr President ! Rassismus ist noch immer ein Problem in den USA und wird leider auch nicht besser. In ein paar Jahren wird die Mehrheit in Ihrem Staat von Menschen nicht weisser Hautfarbe gestellt werden. Darauf sollten Sie die Menschen vorbereiten und ihnen klar sagen, dass sie sich darauf einzustellen haben und die Verfassung für alle menschlichen Wesen gilt !
little sister 19.07.2013
4. Mr. Obama
Wir hätten uns gefreut, Sie hätten sich früher geäußert. Und wir würden uns freuen, wenn Sie sich mit klaren Worten zu den Angriffen der NSA auf unsere Freiheit äußern würden. Leider sind Sie eine Enttäuschung.
global player 19.07.2013
5. Zusatz
Obama hat aber auch dargelegt, dass es nicht verwunderlich ist, dass viele Weiße Afro-Amerikaner als Bedrohung sehen, da sehr viel mehr Schwarze als Weiße Gewaltverbrechen verüben. Er rechtfertigte das jedoch mit der langen Diskriminierung, die ihnen keine Chancengleichheit gegeben habe. Es erklärte auch, dass es viel wahrscheinlicher war, dass Trayvon von einem "peer", also einem anderen schwarzen Jugendlichen erschossen worden wäre als von einem Weißen. All das fehlt im Artikel.
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