Obama beim Papst Ex-Hoffnungsträger trifft Nachfolger

"Es ist wunderbar, Sie zu treffen, ich bewundere Sie", sagte Barack Obama zum Papst. Es war ein offenbar sehr ernstes Gespräch des US-Präsidenten mit Franziskus. Beide hatten ganz unterschiedliche Erwartungen an den Termin im Vatikan.

AP

Überpünktlich, ein paar Minuten vor 10.30 Uhr, erreichte Barack Obama, geführt vom Präfekten des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein und einem Tross von Schleifen- und Ordensträgern die päpstlichen Gemächer im Apostolischen Palast. Der Hausherr kam dem US-Präsidenten einige Schritte entgegen, reichte ihm die Hand, kurzes Lächeln, knappe Begrüßung. Im Arbeitszimmer ließ sich Franziskus hinter seinen massigen Schreibtisch nieder, Obama nahm ihm gegenüber auf dem Besucherstuhl Platz. Beim Blitzlichtgewitter der dichtgedrängt postierten Fotografen war dadurch die Rangordnung klargestellt.

Dann schlossen sich die Türen, und Papst und Präsident begannen allein - von den Übersetzern abgesehen -ihr mit großer Spannung erwartetes Gespräch.

Der mächtigste Mann der Welt trifft den Regenten des kleinsten aller Staaten - ein spektakulärer Termin. Denn der Papst, Oberhaupt von etwa einer Milliarde Katholiken, ist der Superstar im Hier und Jetzt. Das hat sein Gegenüber schon hinter sich. Friedensnobelpreisträger Obama hatte große Hoffnungen geweckt, als er als erster Afroamerikaner zum US-Präsidenten gewählt wurde. Die meisten davon blieben unerfüllt, viele Anhänger sind enttäuscht.

Beide hatten wohl ganz unterschiedliche Ziele und Erwartungen in die Begegnung gesetzt.

Obama, kein Katholik, sondern Mitglied einer eher protestantischen Gemeinde, dachte sicherlich an seine Heimat, wo ein Viertel aller Wähler katholisch ist und die Hälfte von diesen ihm bei der letzten Wahl ihre Stimme gab. Jetzt hat er Ärger mit den konservativen Bischöfen wegen seiner positiven Haltung zur Abtreibung und Streit mit den liberalen Katholiken wegen seiner harten Linie gegen Migranten.

Shakehands mit dem Papst und ein paar freundliche Worte des Heiligen Vaters könnten ihn, so kalkulieren zumindest Obamas Berater, auf der Sympathieskala etwas nach oben bringen.

Franziskus: Barmherzigkeit statt Gewalt

Der Papst dagegen sah wohl eher die Chance, den mächtigen Mann aus Washington etwas mehr auf seine Ziele - Frieden und Barmherzigkeit - hinzuweisen. Über Israel und Palästina wollte er reden, hieß es vorab von sogenannten "Vatikan-Insidern", und dass Amerika sich dort endlich mehr für einen wirklichen Frieden einsetzen müsse. Und über Syrien natürlich. Schon vorigen Herbst hatte Franziskus sich öffentlich gegen Obamas geplante Militärattacken in Syrien ausgesprochen: Gewalt produziere nur neue Gewalt, und Krieg sei "immer eine Niederlage für die Menschheit".

Über Armut und Reichtum wollte dieser Papst ganz bestimmt reden, der ja zuvor als Jorge Mario Bergoglio Priester im armen Drittweltland Argentinien war, und über die "Kultur des Wohlstands" im Kapitalismus, die viele "unfähig zum Mitgefühl mit den Armen" mache. Also anstrengende Themen für Obama.

Beide wirkten denn auch sehr angespannt, als sich nach 50 Minuten, weit später als geplant, die Türen wieder öffneten und Obamas kleine Delegation zu Gruppenbild und Papst-Begrüßung eingelassen wurde. Natürlich strahlte der US-Präsident in die Kameras, aber der sonst eher fröhliche, zu Scherzen aufgelegte Franziskus blieb ernst. Und als beide sich dann endgültig mit einem langen Händedruck verabschiedeten, begann noch einmal ein kurzer, aber offensichtlich sehr intensiver Dialog.

Was genau die beiden besprochen haben, ob es herzlich oder eher kühl zuging, das wird man wohl erst nach und nach erfahren. Denn nach einer Audienz mit dem Papst, so will es die Etikette, sagt der Besucher meist nur ein paar nette Worte. Und der Gastgeber schweigt. Erst wenn die Gesprächspartner ihre engeren Mitarbeiter informiert haben, dringt davon manches nach außen.

"Lampedusa der Vereinigten Staaten"

Er möge doch bald die USA besuchen, werde Obama den Papst bitten, hieß es vor dem Treffen. So könne er seine Thesen und Ideen dem amerikanischen Volk persönlich näherbringen. Eine ähnliche Einladung hatte schon zuvor der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, der republikanische Politiker und Katholik John Boehner, überbracht. Franziskus hielt sich dazu bislang bedeckt.

Zwar findet im Herbst 2015 in Philadelphia, im US-Bundesstaat Pennsylvania, der achte Weltfamilientag statt. Und fünfmal hatten Franziskus Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. daran teilgenommen. Aber so richtig zieht es Franziskus wohl nicht in das Mutterland des kaum gebremsten Kapitalismus.

Und wenn, fährt er womöglich statt nach Washington lieber in die Wüste von Arizona, an die Grenze zu Mexiko. Dort sind, berichten Hilfsorganisationen, seit 1998 etwa 6000 Migranten ums Leben gekommen. Das Gebiet sei "das Lampedusa der Vereinigten Staaten", sagte Weihbischof Eusebio Elizondo. Sein Chef, der Papst, war im Juli vorigen Jahres auch auf die italienische Insel gereist. Er hatte dort für tote wie überlebende Migranten gebetet und die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" angeprangert.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
StörMeinung 27.03.2014
1.
Zitat von sysopAP"Es ist wunderbar, Sie zu treffen, ich bewundere Sie", sagte Barack Obama zum Papst. Es war ein offenbar sehr ernstes Gespräch des US-Präsidenten mit Franziskus. Beide hatten ganz unterschiedliche Erwartungen an den Termin im Vatikan. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-bei-papst-franziskus-im-vatikan-a-961083.html
Na klar, der eine ist 1 Jahr im Amt, und hat die Erwartungen noch übertroffen. Er selbst ist mehr als 5 Jahre im Amt, und ist noch unfähiger und korrupter, als sein Vorgänger.
Dramaturg 27.03.2014
2. Europa Rede Obama's
Wenn der Papst diese Rede gestern verfolgt hat, dann wäre mir auch das Lachen vergangen. Obama enttäuscht - und das zunehmend. "Unglück gebiert Menschen, Reichtum Ungeheuer" (F. Dostojewski)
ephlang 27.03.2014
3. was soll denn das....
kaum das Obama irgendwo im Spon erscheint scheinen alle Foristen sich auf ihn einzuschiessen.Erwartungen die seinerzeit an ihn gestellt worden brauch Obama gar nicht zu erfuellen,solange diese Erwartungen aus dem Ausland sprich Europa kommen,denn die Europaeer haben ihn nicht gewaehlt und ob er die erwartungen der USA erfuellt sollte nicht das problem der Nicht-Amerikaner sein,vor allem beachtez man dass er nicht die Misswirtschaft des Bush inerhalb von 6 jahren beseitigen kann,er kann lediglich die weichenstellen und dann seine eigenen Plaene versuchen auf die Beine zu bringen.Denn er muss sich auch gegen die Gegner seiner Politik durchsetzen. Ausserdem gilt das gleiche fuer den Papst(der übrigens kein Staatsoberhaupt im politischen Sinne ist),die Kanzlerin und jede andere politische Figur auf der welt.Denn jeder president ist von seinem Volk gewaehlt und dient auch nur seinem Volk.Das gilt auch fuer Putin,moegen die Russen mit ihm gluecklich werden.
commando involved again 27.03.2014
4.
Zitat von ephlangkaum das Obama irgendwo im Spon erscheint scheinen alle Foristen sich auf ihn einzuschiessen.Erwartungen die seinerzeit an ihn gestellt worden brauch Obama gar nicht zu erfuellen,solange diese Erwartungen aus dem Ausland sprich Europa kommen,denn die Europaeer haben ihn nicht gewaehlt und ob er die erwartungen der USA erfuellt sollte nicht das problem der Nicht-Amerikaner sein,vor allem beachtez man dass er nicht die Misswirtschaft des Bush inerhalb von 6 jahren beseitigen kann,er kann lediglich die weichenstellen und dann seine eigenen Plaene versuchen auf die Beine zu bringen.Denn er muss sich auch gegen die Gegner seiner Politik durchsetzen. Ausserdem gilt das gleiche fuer den Papst(der übrigens kein Staatsoberhaupt im politischen Sinne ist),die Kanzlerin und jede andere politische Figur auf der welt.Denn jeder president ist von seinem Volk gewaehlt und dient auch nur seinem Volk.Das gilt auch fuer Putin,moegen die Russen mit ihm gluecklich werden.
Solange die Bundesregierung im Gegensatz zu einem Großteil der Bevölkerung die USA als "Verbündete" betrachtet und wir damit rechnen müssen, dass sie sich in ihrer Vasallentreue an deren Kriegstreiberei beteiligt, ist es sehr wohl auch unser Problem, wie dieser Hanswurst der Rüstungsindustrie agiert.
PointerX 27.03.2014
5. Oh-ha...
...jetzt will er sich die Lizenz zum Töten von ganz oben holen. Lieber Franziskus, wasch ihm bitte sein kleines Köpfchen. Oder jag ihn zum Teufel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.