Streit mit Karzai Obama droht mit Komplettabzug aus Afghanistan

Afghanistans Präsident Hamid Karzai will das Sicherheitsabkommen mit den USA noch immer nicht unterschreiben. Präsident Obama verstärkt daher den Druck auf Kabul: Er beauftragt das Pentagon, den Abzug aller US-Truppen vom Hindukusch zu planen.

US-Einheiten in Afghanistan: Streit zwischen Obama und Karzai
AFP

US-Einheiten in Afghanistan: Streit zwischen Obama und Karzai


Washington - Seit Monaten streiten US-Präsident Barack Obama und sein afghanischer Amtskollege Hamid Karzai über ein Sicherheitsabkommen, das den Verbleib amerikanischer Soldaten am Hindukusch regeln soll. Karzai ziert sich beharrlich, das Papier zu unterschreiben. Nun erhöht Washington den Druck auf Kabul und droht mit dem Abzug aller Truppen bis Jahresende.

Obama hat jedenfalls das Pentagon mit den Planungen für einen vollständigen Abzug beauftragt. Dies habe der Präsident dem afghanischen Staatschef am Dienstag bei einem Telefonat deutlich gemacht, teilte das Weiße Haus mit. Es war das erste Gespräch der beiden Männer seit vergangenem Juni. Bislang sehen die Planungen vor, 10.000 US-Soldaten in Afghanistan über dieses Jahr hinaus zu stationieren.

Allerdings ließ Obama die Möglichkeit offen, dass der Nachfolger Karzais das Abkommen mit seiner Unterschrift in Kraft setzen könne. Am 5. April wählen die Afghanen einen neuen Präsidenten - der Amtsinhaber tritt nicht wieder an.

Kampftruppen sollen bis Jahresende abziehen

Das Sicherheitsabkommen könne auch "später in diesem Jahr" unter Dach und Fach gebracht werden, sagte Obama laut Weißem Haus. Dann könnte das US-Militär mit einer "begrenzten" Mission am Hindukusch bleiben, um die afghanischen Streitkräfte auszubilden und gegen "Überbleibsel" des Terrornetzwerks al-Qaida vorzugehen. Je länger die Unterzeichnung des Abkommens auf sich warten lasse, desto schwieriger werde aber die Planung und Umsetzung eines derartigen Einsatzes. Die Folge: Die US-Mission in Afghanistan werde "kleiner in Umfang und Anspruch", warnte Obama.

Die Nato und die afghanische Regierung haben vereinbart, dass alle ausländischen Kampftruppen bis Ende 2014 abziehen. Eine internationale Ausbildungs- und Unterstützungsmission soll Afghanistan dann in den folgenden Jahren weiter stabilisieren. Das zwischen Washington und Kabul mühsam ausgehandelte Sicherheitsabkommen regelt den Verbleib von US-Soldaten in dem Land. Zugleich gilt es als Vorlage für Deutschland und die anderen an dem Nachfolgeeinsatz beteiligten Staaten - und ist somit von grundlegender Bedeutung für die künftige Truppenpräsenz in dem Krisenstaat.

Die Vereinbarung ist in Afghanistan umstritten, da sie vorsieht, dass sich US-Soldaten bei Vergehen nur in der Heimat vor Gericht verantworten müssen. Bereits im Irak war ein ähnliches Sicherheitsabkommen an einer derartigen Immunitätsregelung gescheitert, woraufhin die USA ihre Truppen komplett abzogen.

syd/dpa/Reuters/AFP/AP

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
prawoweg 25.02.2014
1. Wem droht er?
Afganern? Würde endlich Zeit. Ich hätte auch ungern wenn fremde bei mir zuhause aufhalten und zudem mir noch die Regeln diktieren wie ich zu leben habe und machen noch alles kaputt.
93160 25.02.2014
2.
Raus dort. Wo sich die Amerikaner einmal einnisten, gehen die nicht wieder weg.
chefdesuniversums 25.02.2014
3. was
besseres kann den afgahnen doch gar nicht passieren. sollen sie doch gehen..gute reise würd ich denen noch wünschen und nicht die geheimdienstler vergessen die gerne mal für destabilisierung sorgen!
ole#frosch 25.02.2014
4. Was war noch mal der Grund für den Waffengang der westlichen Welt in Afghanistan?
Ziele erreicht? Wer waren die Feinde und wo sind Sie jetzt? Ich schäme mich, für jeden Deutschen, der eine der vier Regierungspartein der letzten zehn Jahre unterstützt hat und diesen Blödsinn damit gutheißt. Mal sehen, ob wir es im Kosovo und Mali besser hinbekommen.
risc 25.02.2014
5.
"Dann könnte das US-Militär mit einer "begrenzten" Mission am Hindukusch bleiben, um die afghanischen Streitkräfte auszubilden und gegen "Überbleibsel" des Terrornetzwerks al-Qaida vorzugehen." Na Herr Obama, jetzt gehts nicht mehr um Taliban und Terroristen, sondern um "Überbleibsel". Ich lach mich tot!
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