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Besuch in den USA: Obama lehnt Treffen mit Netanjahu ab

Ende September kommt Benjamin Netanjahu in die USA - Barack Obama lehnte allerdings ein Treffen mit ihm ab. Israels Ministerpräsident hatte den USA zuvor das moralische Recht abgesprochen, dem Land im Atomstreit mit Iran Vorschriften zu machen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: "Warten worauf?" Zur Großansicht
dapd

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: "Warten worauf?"

Hamburg - US-Präsident Barack Obama wird Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei dessen Besuch Ende September nicht treffen. Netanjahu habe vorgeschlagen, während seiner Reise Ende des Monats zur UN-Generalversammlung in New York auch nach Washington zu kommen, wie die Zeitungen "Haaretz" und "Jerusalem Post" am Dienstagabend unter Berufung auf einen ungenannten Regierungsvertreter in Jerusalem berichteten. Doch ein Treffen würde nicht zustande kommen, hieß es unter Berufung auf das Weiße Haus.

Ein Sprecher Obamas erklärte dazu, das sei allein auf Termingründe zurückzuführen. "Sie sind einfach nicht zur gleichen Zeit in der Stadt", sagte er. Netanjahu werde sich während seines Besuches mit anderen hohen Regierungsbeamten treffen, darunter Außenministerin Hillary Clinton. Bis auf einen Besuch im November 2010 hatte Netanjahu Obama auf all seinen USA-Reisen seit 2009 getroffen. Bei diesem einen Besuch des israelischen Premierministers hatte sich der US-Präsident allerdings selbst im Ausland befunden.

Netanjahu richtete unterdessen deutliche Drohungen in Richtung Teheran. Iran wird vorgeworfen, sich auch in jüngster Zeit offenbar weiter den technischen Voraussetzungen zum Bau von Atomwaffen angenähert zu haben. Israel sieht durch das Programm seine Existenz bedroht. Der Atombehörde IAEA liegen Geheimdienstinformationen vor, die belegen sollen, dass iranische Wissenschaftler in den vergangenen drei Jahren die zerstörerische Kraft von Atomsprengköpfen berechnet haben.

"Beispiellose Attacke auf die US-Regierung"

Netanjahu richtete klare Worte an die Weltmächte: Sollten Iran keine eindeutigen Grenzen gesetzt werden, werde sich sein Land nicht mehr zurückhalten. "Die Welt sagt Israel: 'Wartet, es ist noch Zeit'. Und ich sage, 'warten worauf, warten wie lange'?" Wenn Iran keine Fristen gesetzt würden, dann arbeite dieser ungehindert weiter daran, die Atomwaffenfähigkeit zu erlangen und dann die Atombombe. Netanjahu reagierte damit auf Äußerungen von US-Außenministerin Hillary Clinton, die es abgelehnt hatte, Iran Fristen zu setzen. Verhandlungen seien "der bei weitem beste Ansatz", Iran von der Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten, sagte sie der Nachrichtenagentur Bloomberg.

"Bisher können wir sicher sagen, dass Diplomatie und Sanktionen keinen Erfolg hatten", sagte Netanjahu am Dienstag. Und er fuhr fort: "Diejenigen in der Weltgemeinschaft, die sich weigern, dem Iran rote Linien zu setzen, haben nicht das moralische Recht, Israel rotes Licht zu zeigen". Die Online-Ausgabe der Zeitung "Haaretz" nannte dies eine "beispiellose verbale Attacke gegen die US-Regierung".

Nach Netanjahus Angaben sprechen Israel und die USA derzeit über "rote Linien", die der Iran nicht überschreiten dürfe. Beide Verbündeten sind sich jedoch offenbar uneins darüber, ob die Voraussetzungen für einen Militärschlag offen benannt werden sollten. In Umfragen spricht sich die Mehrheit der Israelis gegen einen Waffengang ohne US-Unterstützung aus.

Erst Ende vergangener Woche hatte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) angekündigt, die Europäische Union bereite härtere Sanktionen gegen Iran vor. Als möglichen Termin für neue Beschlüsse nannte Westerwelle den 15. Oktober.

kha/Reuters/dapd/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Atommacht Israel
BoMoUAE 11.09.2012
Ist Israel denn bereit, seine Atomwaffen einzumotten? Schliesslich hat das die Ruestungsspirale im Nahen Osten erst eine Stufe weitergedreht.
2. Panne
JohannWolfgangVonGoethe 11.09.2012
Unvergessen die Panne beim G-20-Gipfel vor knapp einem Jahr - als die Mikrophone dummerweise noch an waren: "Ich kann ihn nicht mehr sehen, er ist ein Lügner", soll Sarkozy nach übereinstimmenden Angaben von Mithörern des Gesprächs über Netanjahu gesagt haben. Obama habe ihm geantwortet: "Du bist ihn leid, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun!" Von dem her kann man gut verstehen, dass Obama keine Lust auf ihn hat.
3. Das kann ja heiter werden
siliconsidewinder 11.09.2012
Wer große Angst hat handelt oft extrem und mit dem Trauma des Völkermords im Rücken werden die Isrealis die von ihnen befürchtete Wiederholung der Geschichte sicherlich nicht so einfach hinnehmen. Iran hingegen glaubt nicht an den Holocaust und geht davon aus das Isreal blufft. Ein tödlicher Irrtum wie ich meine, denn wie kann Isreal eine so andauernde Herausforderung seiner Dominanz beantworten?
4. Propaganda
antirechthaber 12.09.2012
Zitat von sysopdapdEnde September kommt Benjamin Netanjahu in die USA - Barack Obama lehnte allerdings ein Treffen mit ihm ab. Israels Ministerpräsident hatte den USA zuvor das moralische Recht abgesprochen, dem Land im Atomstreit mit Iran Vorschriften zu machen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855279,00.html
Obama hat sicher nicht den größten Spielraum in allen wichtigen Belangen. Aber hier nutzt er ihn und das ist toll! Die rechtsradikale Likud-Partei will doch die USA auf einen Angriffs-Krieg verpflichten und Obama sagt "Nein Danke" - das ist doch okay!
5. Atomwaffen-freie Zone in Mittel-Ost
inti peredo 12.09.2012
Anstatt sich auf Konfrontation zu versteifen, koennte man auf eine Atomwaffenfreie Zone im mitleren Osten hinsteuern. Eine solche weitreichende Vision von Frieden wuere dann sogar den Verhandlungen zwische Israelis und Palestinensern dienen. Das allerigs nur unter der Vorausseztung, dass die Verhandlungen ein Ergebnis erzielen sollen und nicht nur immer neuen Zeitgewinn fuer den status quo.
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