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Kampf gegen "Islamischen Staat": Die drei Lücken in Obamas Strategie

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Barack Obama will den Kampf gegen den "Islamischen Staat" auf Syrien ausweiten. Er kündigt Bombardements an. Doch auf drei zentrale Fragen hat der US-Präsident keine Antworten.

US-Präsident Barack Obama hat seine Strategie im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorgestellt. Er will den Krieg nun auch auf Syrien ausweiten und dort Ziele bombardieren lassen.

IS kämpft überregional im Irak wie in Syrien. Waffen und Kämpfer werden über die Grenzen verlegt, als ob es diese nicht gäbe. Die USA hatten den Kampf gegen IS bisher nur im Irak aufgenommen. Dies soll sich nun ändern.

In Syrien steht US-Präsident Barack Obama allerdings vor noch größeren Herausforderungen als im Irak. Auf drei zentrale Fragen hat er in seiner Rede keine Antwort gegeben.

  • Welche Rebellen will er unterstützen? Obama hat den US-Kongress gebeten, ein Programm zur Ausbildung von moderaten syrischen Rebellen in Saudi-Arabien zu finanzieren. Bisher hatten die USA sehr halbherzig moderate Kämpfer unterstützt und eine Handvoll von ihnen ausbilden lassen. Obama hält wenig von ihren Kampffähigkeiten: In einem Interview sagte er kürzlich, es sei doch klar, dass die moderaten syrischen Rebellengruppen, die aus ehemaligen Bäckern, Metzgern und anderen Zivilisten bestünden, keine Chance hätten gegen gut gerüstete Profis. Nun will er sich ihnen offenbar doch wieder anbiedern mangels Alternativen. Das Problem ist nur: Nach drei Jahren erbitterten Kämpfen sind nun fast keine mehr übrig. Viele wurden getötet oder sind geflohen und haben ihre Waffen niedergelegt. Manche haben sich auch extremeren Gruppen angeschlossen. Die Brutalität des Krieges hat viele radikalisiert.

  • Welches Verhältnis zu Assad strebt er an? Obama hält in seiner Rede daran fest, dass er nicht auf das syrische Regime von Baschar al-Assad setzen will. Doch das stimmt nicht: De facto setzt Obama nun auf Assad. Wenn die USA Ziele in Syrien bombardieren, brauchen sie die stillschweigende oder explizite Zustimmung Assads. Dieser ist formal immer noch Präsident des Landes und er hat eine funktionsfähige Luftwaffe und Flugabwehr, mit der er gegen die Angriffe der Amerikaner zumindest schwachen Protest einlegen könnte. Doch daran hätte Assad kein Interesse, denn die US-Angriffe auf IS-Ziele in Syrien nützen ihm: Sie schwächen seinen derzeit wichtigsten Gegner. Obama hilft Assad also, wenn auch unfreiwillig. Dies steht in krassem Widerspruch mit der Einschätzung des US-Präsidenten, dass das syrische Regime einer der Gründe für den Aufstieg von IS ist.
  • Für welche Werte steht er? Obama setzt sich dem Vorwurf der Heuchelei aus und das ist nicht unbedeutend. Denn auch dies trägt dazu bei, dass die Radikalen Unterstützer finden. Obama bombardiert nun in Syrien die IS-Miliz. Das syrische Regime verschont er, obwohl es seit drei Jahren ebenso barbarisch wütet wie der IS. Selbst der dutzendfache Einsatz von Giftgas - darunter der besonders grausame Gasangriff von Damaskus - blieb ungeahndet. Welchen Schluss sollen die Syrer daraus ziehen? Dass das Leben von sunnitischen Frauen und Kindern dem Westen weniger wert ist als das von jesidischen oder christlichen? Die Radikalen werfen Europa und den USA vor, dass Menschenrechte für sie nur leere Worte sind. Obama spielt ihnen mit seiner prinzipienlosen Außenpolitik in die Hände.

In Obamas Syrien-Strategie klaffen große Lücken. Doch statt dies zuzugeben, hat der US-Präsident die Herausforderungen in seiner Rede verharmlost. Darin verglich er die bald beginnenden Luftangriffe auf Syrien mit den amerikanischen Einsätzen im Jemen oder in Somalia - ob das Erfolgsbeispiele sind, ist eine andere Frage.

Zudem hinkt der Vergleich, denn es gibt einen wesentlichen Unterschied: Im Jemen und in Somalia haben die USA wie im Irak schlagkräftige Bündnispartner am Boden. In Syrien dagegen hat Obama es bisher versäumt, Freunde zu gewinnen.

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1.
fussball11 11.09.2014
Völkerrecht, Moment was war das? Ach ja, das was die Anderen brechen und einen selbst nicht interessiert.
2. Obama
Drunken Masta 11.09.2014
Die US-Regierung agiert zunehmend planlos. Ein Riese ohne klare Strategie und Marschrichtung. Da wird mal hier Sanktioniert, dort ein bisschen Bombadiert. Für was steht diese US-Regierung noch? Ist sie hauptsächlich mit sich selbst und ihrem Niedergang beschäftigt. Es wird höchste Zeit, dass der amtsmüde Obama abgelöst wird, bevor der Riese USA noch bedenktlicher anfängt zu taumeln.
3. Das Orakel von Delphi
vivare 11.09.2014
Welchen Schluß soll man aus solch einem Artikel ziehen? Das Völkerrecht ist der Schreiberin kein Wort wert. Keine Lücke in Obamas Strategie? Das Völkerrecht scheint nur für Russland und den anderen "Pöbel" der Welt zu gelten. Die Autorin fordert indirekt gar , neben der volkerrechtswidrigen Bewaffnung der Rebellen , die Bombardierung der syrischen Armee. Ein solcher Artikel, der zum Völkerrechtsbruch aufruft und juristisch betrachtet sogar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA gegen Syrien gutieren würde ist entsetzlich. Wer entscheidet eigentlich wer völkerrechtswidrig entfernt werden muß? Forsa? Die Autorin? Obama? Das Orakel von Delphi? Offensichtlich aber in keinem Fall mehr der UN Sicherheitsrat. Folgt dieser nicht der Meinung des Westens oder der Autorin ist er offensichtlich überflüssig. Ich würde mich freuen, wenn Spon auch Mal einen kritischen beitrag zuließe. Danke.
4. Zunehmend
atzigen 11.09.2014
Zunehmend wird eines immer klarer. Die USA der Westen verliert zunehmend die Möchtegern- Kontrolle über die Region. Vom Hindukusch bis zum Atlantik. Seit satten 20 Jahren reiht sich Einzeleingriff an Einzeleingriff schlicht ein Magagebastel. Umfassende Realistische Gesamtstrategie? Totale Fehlanzeige. Das kann nur noch desaströs Enden.
5. Hobbymaler
high5 11.09.2014
ich bin deprimiert. Meine einzigste Weisheit zu den Mächtigen dieser Welt: wären sie doch (alle drei) Hobbymaler geblieben/geworden. Gut (das ist, was ich mir selber wünsche) geht nicht mit Macht (je absoluter, desto mehr sieht ein einzelner Mensch aus, wie eine Ameise, die man zertritt oder vergiftet)
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