Verhandlungen über Atomprogramm Obama macht Irans Ajatollah ein Angebot

Vorsichtige Annäherung im Atomkonflikt: US-Präsident Obama hat Irans geistlichem Oberhaupt laut "Washington Post" eine Botschaft geschickt. Darin bietet er Chamenei an, das zivile Atomprogramm des Landes zu akzeptieren. Allerdings müsse Irans Regierung glaubhaft belegen, keine Bombe bauen zu wollen.

US-Präsident Obama: Versuch der Deeskalation?
AFP

US-Präsident Obama: Versuch der Deeskalation?


Washington - Im Atomstreit mit Iran hat US-Präsident Barack Obama eine Botschaft an Ajatollah Ali Chamenei gerichtet. Wie die "Washington Post" berichtet, signalisierte Obama dem geistlichen Oberhaupt, dass die USA ein ziviles iranisches Atomprogramm akzeptieren könnten. Chamenei müsse dafür allerdings seine Aussage belegen, dass Iran auf keinen Fall Atomwaffen anstrebe.

Dies hatte der Ajatollah im Februar im Staatsfernsehen behauptet. Iran wolle keine Atomwaffen bauen, sagte Chamenei damals, "weil wir denken, dass der Besitz eine schwere Sünde und die Ausbreitung dieser Waffen nutzlos, zerstörerisch und gefährlich ist".

Ähnlich soll sich nach Angaben der Nachrichtenagentur AP auch der iranische Abgeordnete Gholamresa Mesbahi Moghadam geäußert haben. Er sagte dem Nachrichtenportal des Parlaments demnach, Iran habe bereits die notwendigen Kenntnisse zum Bau einer Atombombe. Das Land könne also mit Leichtigkeit hochangereichertes Uran produzieren. Aber es sei nicht die Politik Teherans, diesen Pfad einzuschlagen.

Der Westen verdächtigt Iran dagegen, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Der Uno-Sicherheitsrat verhängte mehrfach Sanktionen gegen das Land. Ende kommender Woche sollen die internationalen Gespräche zum iranischen Atomprogramm, die seit einem Jahr auf Eis liegen, wieder aufgenommen werden. Israel, das sich durch einen atomar bewaffneten Iran in seiner Existenz bedroht sieht, zieht einen Militärangriff gegen die iranischen Atomanlagen in Erwägung.

Iran lehnt Treffen in der Türkei ab

Obamas Botschaft an Chamenei dürfte nun ein Versuch der Deeskalation im Atomstreit sein. Der US-Präsident will den Ajatollah zu einem glaubhaften Versprechen bewegen, keine weiteren Schritte zum Bau der Bombe zu betreiben. Doch wie soll das funktionieren? In erster Linie dürfte das Angebot daher als Auftakt zu den kommenden Verhandlungen zu verstehen sein. Unklar blieb etwa auch, ob Obama eine Urananreicherung in Iran für zivile Zwecke akzeptieren würde.

Laut "Washingon Post" soll der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan die Botschaft an Chamenei weitergeleitet haben. Erdogan hatte Obama Ende März bei einem Gipfel zur atomaren Sicherheit im südkoreanischen Seoul getroffen. Am vergangenen Donnerstag traf er sich dann mit Chamenei und Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Streit gibt es laut "Washington Post" noch über den Ort, an dem die Verhandlungen in der kommenden Woche laufen sollen. Eigentlich war die türkische Metropole Istanbul geplant gewesen. Doch die Iraner lehnten dies nun offenbar ab - und forderten, das Treffen müsse im Irak oder in China stattfinden. US-Offizielle sehen das als Zeichen dafür, dass die Iraner ihre Haltung für die Verhandlungen noch nicht festgelegt haben.

cte/dapd

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 138 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sappelkopp 07.04.2012
1. Wie bitte soll jemand glaubhaft belegen...
...dass er etwas nicht will. Das geht nicht! Das ginge wieder nur durch Kontrolleure und selbst die sehen längst nicht alles, sondern nur das, was der Iran will. Und sei es auch nur, um die westliche Gesellschaft zu ärgern.
pförtner 07.04.2012
2. Iran macht, was es für richtig hält!
Da hat Obama wohl etwas nicht begriffen. Der Iran wird weiterhin ein zivieles Atomprogramm fahren und zusätzlich nicht auf die Bombe verzichten. Aucch dann nicht, wenn meine Nächte und die von Obama mit Alpträumen belegt sind.
blitzunddonner 07.04.2012
3. nun, da hat sich mal einer NICHT mit grass ...
... beschäftigt, sondern mit politik. aber man merkt auch, wie ernst die situation ist.
Grafsteiner 07.04.2012
4. Niedliches Angebot
Ein faires Angebot, verbunden mit der Zusicherung, dass dann die USA dann ihre Kernwaffen nach Massgabe des Atomwaffensperrvertrages abbauen werden. Es enthält keinerlei Verzicht für den Iran, da der längst vielfach dokumentiert hat, keine Kernwaffen bauen oder bauen wollen. Obama versucht offene Türen einzurennen, weil er selbst nicht mehr weiss, wo er eigentlich ist. Es belegt, dass mit eingebildeten Gefahren ein erheblicher allgemeiner Realitätsverlust einhergeht.
echobravo 07.04.2012
5. War doch klar...
...dass das irgendwann so kommt. Wir wollen das iranische Öl und die wollen ihr Atomprogramm. Der eine fordert 50€, der andere will 40 bezahlen. Wo trifft man sich meist? Genau. In der Mitte. Unsere 5 Euro: Zulassen eines zivilen Atomprogrammes. Deren 5 Euro: Keine militärische Nutzung und zulassen der IAEA. Ohne diese Kontrollen wird das nix, das müsste den Iranern auch klar sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.