Mars-Landung von "Curiosity": Obamas außerirdischer Wahlkampf
Völlig losgelöst von der Erde: US-Präsident Barack Obama feiert die Landung von Mars-Rover "Curiosity" auf dem Roten Planeten - und zieht damit in den Wahlkampf. Sein republikanischer Konkurrent Mitt Romney bleibt eigentümlich desinteressiert.
Ganz Amerika spricht vom Mars und dem Gefährt "Curiosity". Das "New York Magazine" feiert die "Computerfreaks" von der US-Weltraumbehörde Nasa, die den Rover sicher landeten, erklärt sie kurzerhand zu neuen "Stars der Popkultur". Und US-Präsident Barack Obama sagt, sein Land habe "Geschichte geschrieben".
Nur von einem hört man nichts: Mitt Romney schweigt in Sachen Weltall. Kein Statement seines Wahlkampfteams. Kein Eintrag auf der Facebook-Pinnwand des Obama-Rivalen. Keine Äußerung über Twitter.
Was ist da los? Hat der Republikaner keine Meinung zur Raumfahrt? Dabei zieht die doch die Nation nach wie vor in ihren Bann: Knapp 60 Prozent der Befragten gaben in einer Umfrage des Pew Research Center an, die USA sollten ihre führende Rolle in der Erkundung des Weltalls aufrechterhalten; unter republikanischen Parteigängern liegen die Zustimmungsraten sogar noch höher. Und das war noch vor dem "Curiosity"-Erfolg.
Das wissen sie natürlich im Team Romney. Und möglicherweise ist das auch der Grund, warum der Kandidat schweigt: Feierte er "Curiosity", würde er dann nicht automatisch auch die Weltraumpolitik des Präsidenten loben?
Wahlkampf mit dem Mars-Rover
Schon mühen sich Obamas Leute, den Mars-Erfolg zum wahlkampfgerechten Thema aufzupumpen. "Sollte irgendjemand Zweifel an der US-Führung im Weltall gehabt haben, nun, da gibt es dieses Stück amerikanischen Erfindergeists in Automobilgröße, das zur Zeit auf der Mars-Oberfläche steht", zitiert die "New York Times" Obamas Wissenschaftsberater John Holdren. Der Präsident selbst wählte noch pathetischere Worte, sprach von einer "beispiellosen Technologieleistung", die für einen Nationalstolz stehe, der weit in die Zukunft hineinrage.
Es ist nicht die erste Mars-Mission eines ferngesteuerten Roboters - aber es könnte die entscheidende werden: Gab es Wasser auf dem Planeten? Gab es Leben? Auf "Curiosity" ruhen die Hoffnungen, diese zentralen Fragen zu beantworten. Soweit die technische Dimension der Mission.
Doch die Erkundung des Mars ist auch ein politisches Projekt. Ohne Politik geht nichts im All. Als der damalige Präsident John F. Kennedy im Mai 1961 vor den US-Kongress trat und von seinem Land forderte, "noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond und sicher zur Erde zurück zu bringen", da ging es ihm ganz und gar nicht um Wissenschaft und Forschung. Da ging es um den Kampf der Systeme, um die Selbstvergewisserung des angeschlagenen Amerika gegen die vermeintlich immer stärker werdende Sowjetunion. "Es gibt nichts Wichtigeres", sagte Präsident Kennedy
Klar, der Kalte Krieg ist vorbei, und es gibt auch keinen Wettlauf zum Mars wie damals zum Mond. Dennoch bedient sich Obama des Weltalls für politische Symbolik - wie einst Kennedy: Bis Mitte der 2030er Jahre sollen Menschen in die Umlaufbahn des Mars vordringen, später auf dem Planeten landen. "Ich beabsichtige, das zu erleben", hatte Obama bereits vor zwei Jahren erklärt. Ob der Wissenschaft ein Mensch auf dem Mars überhaupt mehr dienen könnte als ein Roboter wie "Curiosity", das halten Experten für fragwürdig. Aber politisch ist es eben ein gewaltiger Unterschied, ob eine Maschine made in USA oder ein echter Amerikaner auf dem Mars landet.
Obama umwirbt Floridas Space Coast
In den kommenden Wochen könnte Wahlkämpfer Obama den Mars-Rover noch öfter nutzen. Vor allem im so wichtigen Swing State Florida, den Obama gewinnen sollte, um sich eine zweite Amtszeit zu sichern. Hier, an der sogenannten Space Coast, haben sie jahrzehntelang gut gelebt von Amerikas Entdeckergeist. Von hier starteten die Apollo-Missionen zum Mond, später die Space Shuttles.
Seit letztem Sommer aber ist Schluss, Tausende verlieren ihren Job, Obama hat den Nasa-Etat zusammengestrichen. Das 100-Milliarden-Dollar-Programm namens "Constellation", das die Space Shuttles ersetzen sollte, hat er gestoppt. Von neuerlichen Flügen zum Mond - angekündigt von Vorgänger George W. Bush - will Obama nichts wissen. Möchte ein Amerikaner in den Weltraum, zur internationalen Raumstation ISS, dann muss er bei den Russen mitfliegen.
Oder aber mit Raumkapseln reisen, die von Privatunternehmen gestellt werden. Darauf setzt Obama. So sollen die Amerikaner in den Weltraum und neue Arbeitsplätze nach Florida kommen.
Kein Zufall, dass der Präsident bei seiner Würdigung von "Curiosity" die "bedeutenden Schritte hin zu einer neuen Partnerschaft mit amerikanischen Unternehmen" nicht zu erwähnen vergaß: "Damit wir amerikanische Astronauten auf amerikanischen Raumschiffen ins All bringen können." Das werde überdies Steuergeld sparen.
Erst den Etat zusammenstreichen und dann auch noch damit punkten wollen - kann diese Taktik aufgehen? Das Team Obama jedenfalls geht in Florida in die Offensive: Als die Nasa in der vergangenen Woche bekanntgab, sie habe sich mit drei weiteren Unternehmen - darunter Boeing - auf eine Zusammenarbeit verständigt, erklärte ein Sprecher der Obama-Kampagne im Sunshine State: "Mitt Romney verweigert die Antwort auf eine der grundlegendsten Fragen der Weltraumpolitik. Er sagt nicht, ob er die Anstrengungen von Präsident Obama unterstützt, Amerikas kommerzielle Weltraumindustrie zu stärken." Romney habe keine "klare Vision für die Nasa".
Romney hat bisher keine Haltung zur Nasa
Tatsächlich hat Romney in dieser Sache bisher nur durch einen eher unentschlossenen Vortrag in Cape Canaveral auf sich aufmerksam gemacht. Im Januar war das, Romney stand noch mitten im Vorwahlkampf der Republikaner. Er sei nicht gekommen, um präzise zu sagen, welche Mission er sich für die Nasa in Zukunft vorstelle, sagte er damals. Schließlich machte Romney deutlich, dass er zuerst diverse Experten hinzuziehen wolle. Nun ja.
Und als Republikaner-Rivale Newt Gingrich für den Fall seines Sieges im Kennedy-Duktus versprach, den Mond bis zum Jahr 2020 zu besiedeln, konterte Romney trocken: "Ich will keine Kolonie auf dem Mond, ich will hier in den USA Häuser wiederaufbauen."
Vielleicht liegt die mangelnde Begeisterungsfähigkeit auch in der Familie. Direkt nach der Mondlandung im Juli 1969 erklärte der Vater des Präsidentschaftskandidaten, der damalige Bauminister George Romney: "Jetzt, wo wir ja auf dem Mond gelandet sind und unsere technischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt haben, kommt die Zeit, unsere Prioritäten zu ändern." Man solle nun gegen den Wohnungsmangel angehen.
Ob er damit nicht Vizepräsident Spiro Agnew widerspreche, der gefordert hatte, bis zum Jahr 2000 einen Amerikaner auf den Mars zu schicken? Ach nein, sagte Romney senior damals, "um das zu erreichen, müssen wir den Weltraum nicht zu unserer obersten Priorität machen".
So leicht sollte es dann allerdings doch nicht werden.
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- Dienstag, 07.08.2012 – 10:53 Uhr
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Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.
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