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Gewalt gegen Schwarze: Obama prangert Rassismus in den USA an

Präsident Obama: "Nicht mit den Vorfällen von vor 50 Jahren gleichsetzen" Zur Großansicht
AP/dpa

Präsident Obama: "Nicht mit den Vorfällen von vor 50 Jahren gleichsetzen"

Er ist der erste schwarze Präsident der USA - doch ausgerechnet Barack Obama hielt sich beim Thema Rassismus bisher stark zurück. Jetzt warf er der amerikanischen Gesellschaft die Diskriminierung von Afroamerikanern vor.

Washington - Rassismus gegenüber Afroamerikanern ist nach Einschätzung von US-Präsident Barack Obama tief in der amerikanischen Gesellschaft und Geschichte verwurzelt. Das sagte er dem TV-Sender BET, der sich vor allem an ein schwarzes Publikum wendet. Das Interview soll an diesem Montag in voller Länge ausgestrahlt werden. Angesichts wiederholter Fälle von übermäßiger Gewalt weißer Polizisten gegenüber Schwarzen wird darüber diskutiert, ob Rassismus in den USA Teil des Problems ist.

Zuletzt hatte es eine ganze Serie von tödlichen Schüssen oder Tätlichkeiten weißer Polizisten gegen Schwarze gegeben. Sowohl nach dem Tod des unbewaffneten 18-Jährigen Michael Brown in Ferguson im August als auch im Fall des im Juli in New York mit einem Würgegriff getöteten Eric Garner entschieden Grand Jurys, dass sich die Polizisten nicht vor Gericht verantworten müssen. Nach den Entscheidungen kam es jeweils zu teils gewaltsamen Protesten - zuletzt in der Nacht zum Sonntag in Kalifornien. Dabei setzte die Polizei Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein.

"Nicht gut, aber besser"

"So schmerzhaft diese Vorfälle sind, ist es wichtig, dass wir das jetzige Geschehen nicht mit den Vorfällen von vor 50 Jahren gleichsetzen", sagte Obama im BET-Interview. Die massive Ungerechtigkeit gegenüber Afroamerikanern hatte Mitte der Fünfzigerjahre zur Bürgerrechtsbewegung in den USA geführt. "Wenn Sie mit Ihren Eltern, Großeltern, Onkeln sprechen, werden sie Ihnen sagen, dass die Dinge besser sind - nicht gut, aber besser."

Obama hatte in der vergangenen Woche angekündigt, gemeinsam mit dem scheidenden, schwarzen Justizminister Eric Holder Schritte zu unternehmen, um Rassismus-Probleme zwischen Polizei und Anwohnern im ganzen Land anzupacken. In der Debatte hatte er sich lange eher zurückgehalten - auch, um Wähler von jeder Hautfarbe und Herkunft gleichermaßen anzusprechen.

Auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sieht in der Kluft zwischen Polizei und Bevölkerung ein "fundamentales Problem" der USA. "Wir müssen offen über die historische Rassendynamik sprechen, die dem Problem zugrunde liegt", sagte er gegenüber ABC. De Blasio äußerte sich optimistisch darüber, dass eine Verständigung zwischen weißen Polizisten und schwarzen Mitbürgern hergestellt werden könne.

ler/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Die Präsidentschaftwahl wurde von Afroamerikanern
axelmueller1976 08.12.2014
entschieden das zeigen alle Wahl-Analysen der USA. Es verwundert deshalb nicht wenn Obama seinen Wähler zur Seite steht.
2. Obama hat recht
fortinbrass 08.12.2014
Die USA haben eine zutiefst rassistische Mehrheitsgesellschaft. Sechs Schüsse zur Abwehr einer Notwehrsituation, abgegeben von einem Polizisten mit Waffenausbildung und ständigem Schiesstraining. Mindestens fünf Schüsse davon sind als Totschlag zu betrachten. Man erinnere sich an die Vereidigungszeremonie bei Obamas erneuter Amtseinführunmg nach seiner Wiederwahl. Die Würdelosigkeit des obersten Bundessrichters bei der Eidabnahme war auch ein Stück Rassismus.
3. Revolutionär
interdit 08.12.2014
Ich habe ein revolutionäres 1-Schritt-Programm entwickelt, wie man in den USA NICHT von Polizisten erschossen wird. Vielleicht sollte man das an allen amerikanischen Schulen in einem 5-minütigen Workshop vorstellen, vielleicht würden dann weniger Menschen von Polizisten dort erschossen. Es lautet - vorsicht, jetzt wirds revolutionär: 1. Einen Polizisten sollte man weder bedrohen, geschweige denn angreifen. Ich muss ein verdammtes Genie sein, dass ich auf sowas gekommen bin, denn für eine nennenswerte Zahl von Amerikanern scheint das ein völlig innovatives, bisher noch nie gedachtes Konzept zu sein. Nur so kann ich mir die Demonstrationen erklären ...
4.
Worldwatch 08.12.2014
Versuch einer Definition 'Rassismus' (Duden): "... (meist ideologischen Charakter tragende, zur Rechtfertigung von Rassendiskriminierung, Kolonialismus o. Ä. entwickelte) Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über-, bzw. unterlegen sein sollen." Natuerlich gibt es sie in den den US of A, wie -wohl auch- in jedem anderen Land der Erde. Diese ideologischen "Lehren", "Theorien" entbehren, ich denke das ist heute wissenschaftlich erwiesen, jeder Grundlage, und halten sich nur weil sie in Erziehung, Ausbildung und sozialem Umfeld -unreflektiert- angelernt und verinnerlicht wurden wie werden. Und, so ist es halt mit Ideologien; sie sind jeder Argumentation, wie auch Logik und Vernunft, entzogen und werden, wie Weltanschauungen, und egal ob in ihrer positiven oder negativen Variante, bei den Ideologen als "unhinterfragbar" abgetan. US-Praesident Obama mag recht haben, wenn er sagt, es sei besser geworden, im multiethnischen US of A, aber nicht gut. Insbesondere ist das Land fernab von einer gelungen Multikulti-Vorzeigegesellschaft ohne Rassismus.
5.
derigel3000 08.12.2014
Rassismus gibt es in den USA in der Tat an jeder Ecke, allerdings nicht so, wie sich das die Redaktion von SPON vorstellt. Seit den Vorfällen von Ferguson starben mehrere (weiße) Teenager durch Schüsse schwarzer Polizisten, starben schwarze Väter durch die Hand von Latino-Gangmitgliedern, starben Chicanos durch Angriffe schwarzer Drogenhändler, starben Weiße durch weiße Amokläufer. Große Schlagzeilen machten hingegen nur schwarze Tote durch weiße Hand. Das ist auch eine Form von Rassismus, oder wenn Ihnen das zu hart klingt, dann von untragbarer unterschiedlicher Opferbewertung. Es ist nicht nur Rassismus, wenn es von Weißen begangen wird, auch Menschen anderer Hautfarbe können (und sind) durchaus gerne mal Rassisten. Das Problem der USA ist aber nicht der Rassismus, sondern der ganz normale tägliche Wahnsinn, verursacht von 350 Millionen Menschen, die im größten Schmelztiegel der Welt zusammenleben. Jeder mit anderer Herkunft, Hautfarbe, anderen Wertvorstellungen und anderem kulturellen Hintergrund. Dass es dabei zu Problemen von Reibereien bis hin zu Toten kommt, ist die Negativseite des hier so gerne propagierten "bunten Miteinanders", lässt sich aber kaum vermeiden, es sei denn, man unterdrück diese 350 Millionen Menschen durch eine so große Übermacht der Polizei, dass sie auch Schritt und Tritt überwacht werden. Aber: Welche Hautfarbe, welcher kultureller Hintergrund darf dann die Polizei stellen? Akzeptiert es, Menschen sind Herdentiere, denen zunächst mal die eigene Herde (Hautfarbe, Herkunft, you name it) näher ist, als eine andere.
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