Minutenprotokoll der Rede: "Wir können es schaffen"

Er will neue Jobs schaffen, die Mittelschicht stärken, Militärausgaben reduzieren: In einer kämpferischen Rede umreißt US-Präsident Obama beim Parteitag der Demokraten sein Programm für die nächsten vier Jahre. Er appelliert an Amerika, ihm mehr Zeit für den Wandel zu geben.

REUTERS

Charlotte - In einer mit Spannung erwarteten Rede hat Barack Obama beim Parteitag der US-Demokraten in Charlotte für Vertrauen in seine Arbeit geworben. Die Krise sei noch nicht überwunden, aber seine Regierung sei auf dem richtigen Weg. Er wolle neue Jobs schaffen, Amerikas Mittelschicht nach dem Absturz in der Krise stabilisieren, die Ausgaben für das Militär reduzieren, den Umweltschutz ausbauen, die Gesellschaft für Migranten öffnen, die Rechte von Frauen schützen, Minderheiten integrieren.

Der Präsident appellierte an seine Wähler, ihm mehr Zeit für die Lösung der Probleme des Landes zu geben. Was sich in Jahrzehnten angehäuft habe, sei nicht in wenigen Jahren zu lösen. Immer wieder betonte Obama, dass die USA vor einer Schicksalswahl stünden: einer Richtungsentscheidung für das Land, einer "Wahl zwischen zwei fundamental verschiedenen Visionen für die Zukunft".

Beide Kandidaten stünden für zwei völlig verschiedene Wege, in die die Nation gehen könne, sagte Obama mit Blick auf seinen republikanischen Kontrahenten Mitt Romney. "Der Weg, den wir anbieten, ist vielleicht schwieriger, aber er führt zum Erfolg."

Fotostrecke

22  Bilder
US-Wahlkampf 2012: Die Stunde Barack Obamas
In seiner Rede knüpfte der Präsident auch an seinen Wahlkampf vor vier Jahren an - Obama versuchte Zuversicht zu verbreiten. Er sprach immer wieder von der Hoffnung, die es gebe. "Wir können unsere Probleme lösen, wir können unsere Herausforderungen meistern", rief der Präsident unter dem Jubel seiner Anhänger.

Lesen Sie die Geschehnisse in Charlotte im Minutenprotokoll nach:

+++ Romney reagiert+++

[5.15 Uhr] Wenige Minuten nach Schluss der Obama-Rede reagiert sein Herausforderer Mitt Romney. Sein Sprecher gibt folgendes Statement des republikanischen Präsidentschaftskandidaten heraus: "Präsident Obama hat ein Programm vorgestellt, das dieselben Maßnahmen umfasst wie das der vergangenen vier Jahre. Er hat weitere Versprechen gemacht, dabei hat er die von vor vier Jahren nicht gehalten. Amerikaner werden ihn für diese Bilanz verantwortlich machen - sie wissen, dass es ihnen heute nicht besser geht und dass es Zeit für einen Wechsel ist."

+++ "Wir lassen niemanden allein"+++

[5.05 Uhr] Obama bittet seine Anhänger um ihre Stimme: "Eure Stimme muss in dieser Wahl gehört werden. Ihr müsst aufstehen in dieser Wahl - wenn Ihr wollt, dass sich etwas in diesem Land ändert." Er sei nicht gewählt worden, um das zu sagen, was die Menschen hören wollten. "Sie haben mich gewählt, damit ich die Wahrheit sage." Der Präsident ruft: "Amerika, ich habe nie gesagt, dass es einfach wird." Er werde nicht so tun, als ob der Weg, den er anbiete, einfach oder schnell sein wird. Obama verspricht: "Wir lassen niemanden allein." Jubel und Applaus brandet auf. Es ertönt Bruce Springsteen mit "We Take Care Of Our Own" - Obama winkt in die Menge, seine Frau und Kinder und die Bidens kommen auf die Bühne.

+++ Hoffnung ist in Amerika immer noch lebendig+++

[5.03 Uhr] Ja, Obama nimmt das zwischenzeitlich verpönte H-Wort immer wieder in den Mund. Die Schlusspassage seiner Rede ist der Hoffnung gewidmet. Die Hoffnung in Amerika sei noch lebendig - der Weg zum Erfolg sei nicht leicht, aber gemeinsam sei er zu schaffen. Die Menge ist begeistert.

+++ Nur der Weg nach vorne +++

[5.02 Uhr] Nächster Verweis auf einen berühmten US-Präsidenten - Abraham Lincoln: Wie Lincoln habe auch er oft in seinem Amt die Erfahrung gemacht, dass die Aufgaben so groß sind, dass sie einen in die Knie zwingen - doch es gebe nur den Weg nach vorne.

+++ Obama lobt seine Anhänger +++

[5.00 Uhr] Der Demokrat preist seine Anhänger - die letzte Wahl sei nicht seine gewesen, sondern vielmehr die Wahl seiner Anhänger: "Das habt Ihr getan, Ihr habt den Wechsel möglich gemacht. Nur Ihr habt die Macht, dass es vorwärts geht." Die Bürger der USA gäben ihm Hoffnung. "Wenn Sie diese Hoffnung mit mir teilen, dann bitte ich Sie heute Abend um Ihre Stimme."

+++ "Was können wir in diesem Land tun" +++

[4.57 Uhr] Obama macht Anleihen bei John F. Kennedy und wandelt einen von dessen berühmtesten Leitsätzen leicht um: "Amerika - das bedeutet nicht, was kann das Land für uns tun, sondern: Was können wir in diesem Land tun!"

+++ Schulen und Straßen statt Waffen +++

[4.48 Uhr] Der Präsident kündigt deutlich reduzierte Ausgaben für Rüstung an - zu viele Milliarden Dollar seien in Kriege geflossen, jetzt wolle er Schulen und Straßen bauen.

+++ "Ihr habt die Wahl" +++

[4.43 Uhr] Immer wieder ruft Obama: "Ihr habt die Wahl." In der Schulpolitik zum Beispiel: Jeder müsse das Recht auf eine gut Schulbildung haben. Keine Firma solle ihre Arbeiter im Ausland suchen müssen. Er verspricht, 100.000 neue Mathematik- und Wissenschaftslehrer im kommenden Jahrzehnt einzustellen. Außerdem will er eine Million Industriearbeitsplätze schaffen, die US-Exporte bis 2014 verdoppeln, Ölimporte bis 2020 halbieren und das US-Defizit im gleichen Zeitrahmen um vier Billionen Dollar kürzen.

+++ Zwei verschiedene Wege für Amerika +++

[4.32 Uhr] Der Präsident schlägt ernste Töne an: Die Wahl werde nicht nur eine Abstimmung zwischen zwei Kandidaten und zwei Parteien sein, sondern zwischen zwei "verschiedenen Wegen für Amerika". "Wir bewegen uns vorwärts", ruft Obama. "Ihr habt mich gewählt, Euch die Wahrheit zu sagen." Er verspricht: "Die Probleme können gelöst werden. Wir können es schaffen." Deshalb bewerbe er sich für die zweite Amtszeit.

+++ Der Präsident gibt sich gut gelaunt +++

[4.26 Uhr] Obama witzelt über die Dauerberieselung mit Wahlwerbevideos im Fernsehen. "Sie haben es wahrscheinlich satt, mich ständig in Werbevideo sagen zu hören, "I approve this message" - glauben Sie mir, ich habe es auch satt."

+++ Obama betritt die Bühne +++

[4.23 Uhr] Michelle Obama kündigt ihren Mann an: die "Liebe ihres Lebens, den Vater ihrer beiden Töchter, den Präsidenten der Vereinigten Staaten". Barack Obama kommt, sie umarmen und küssen sich. Die Delegierten stimmen Sprechchöre an: "Four more years" ("Vier weitere Jahre"). Der Präsident lächelt in die Kameras und ruft immer wieder "danke". Er akzeptiere seine Nominierung - die Halle jubelt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
RealityCheck 07.09.2012
Sowohl für die Obama-Heldenverehrung wie für das Romney-Bashing in Deutschland gibt es so wenig Basis in den Gegebenheiten, dass es schon geradezu grotesk ist. Damit wird den deutschen Medien ein Armutszeugnis ausgestellt.
2. Lausig
el_zarco 07.09.2012
Der vermutlich lausigste Präsident der Nachkriegszeit, der nur im Vergleich mit seinem nach lausigeren Gegenkandidaten ein wenig an Glanz gewinnen kann. Der Friedensnobelpreisträger hat den Dronenkrieg ausgeweitet und lässt Gegner des Imperiums ohne jedes Gerichtsurteil ermorden. Es wird Zeit, dieses Land von dem Sockel zu holen, auf dem es die Deutschen noch immer haben.
3. eine kraftvolle, visionäre, mitnehmende Rede
koelnrio 07.09.2012
Präsident Obama hat sehr deutlich gemacht, wo er die USA angesiedelt sieht. Eine Gesellschaft aus Menschen, die sich gegenseitig helfen, die diejenigen, die besonders hilfsbedürftig sind, nicht zurücklassen. Eine Gesellschaft, die sich auf den Weg macht, unseren Planeten nicht weiter auszubeuten. "Der Klimawandel ist kein Scherz", wie er sagte. Seine Rede war gegen das mächtige Bankensystem, gegen das schnelle Geld, das an der Wallstreet gemacht wird. Er hat sehr deutlich gemacht, dass die Menschen in den USA eine Wahl haben. Und die Wähler sind es, die entscheiden, in welche Richtung die Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren gehen werden. Und das ihre Wahl nicht für die kommenden 4 Jahre sind, sondern eine Richtungsentscheidung, die das Land auf Jahrzehnte hinaus bestimmen wird. Er hat sein "Yes, we can" von vor vier Jahren noch deutlicher gemacht: Jeder in den USA muss seinen Teil dazu tun. Er hat um die Hilfe der Amerikaner gebeten, seine Vision eines gemeinschaftlichen Amerikas zu verwirklichen. Man kann nur hoffen, dass ist bei der Mehrheit der Amerikaner angekommen.
4. Amerika braucht einen Macher, keinen Schwätzer
teredonavalis 07.09.2012
Zitat von sysopAPTränen, Jubel, Begeisterung: Hollywood-Stars und prominente US-Politiker stimmen die Delegierten der Demokraten in North Carolina auf den Höhepunkt des Parteitags ein. Mit großer Spannung wird die Rede des US-Präsidenten erwartet. Kann Barack Obama die Amerikaner überzeugen? Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854282,00.html
Ich weiß schon lange, dass Obama gut reden kann. Die bisherhige Erfahrung mit ihm hat jedoch gezeigt, dass diese Eigenschaft nicht ausreicht, um Amerika zum Erfolg zu führen.
5. mäßig, mäßig!:-(
b.oreilly 07.09.2012
Ich meine, dass er schon bessere Reden in seinem Leben gehalten hat. Aus meiner Sicht konnte er allerdings nicht überzeugend darlegen, warum man ihn ein zweites mal oder überhaupt wählen sollte. Genau genommen hat er wider mehr versprochen, als er halten wird, sofern er Präsident bleibt. Von Hope und Change haben wir vor 4 Jahren schon einmal gehört. Ich glaube nicht, dass das amerikanische Wahlvolk noch einmal auf ihn rein fallen wird!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2012
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Twitter zur Präsidentschaftswahl

Vote
Die beste Rede

Worte können viel bewegen - können sie auch Wähler überzeugen, ihre Stimme für einen bestimmten Kandidaten abzugeben? Wer hielt bei den Parteitagen der US-Demokraten und -Republikaner die beste Rede? Stimmen Sie ab!


Fotostrecke
Michelle Obama: Der Kuschelmarathon

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.