Minutenprotokoll der Rede: "Wir können es schaffen"
Er will neue Jobs schaffen, die Mittelschicht stärken, Militärausgaben reduzieren: In einer kämpferischen Rede umreißt US-Präsident Obama beim Parteitag der Demokraten sein Programm für die nächsten vier Jahre. Er appelliert an Amerika, ihm mehr Zeit für den Wandel zu geben.
Charlotte - In einer mit Spannung erwarteten Rede hat Barack Obama beim Parteitag der US-Demokraten in Charlotte für Vertrauen in seine Arbeit geworben. Die Krise sei noch nicht überwunden, aber seine Regierung sei auf dem richtigen Weg. Er wolle neue Jobs schaffen, Amerikas Mittelschicht nach dem Absturz in der Krise stabilisieren, die Ausgaben für das Militär reduzieren, den Umweltschutz ausbauen, die Gesellschaft für Migranten öffnen, die Rechte von Frauen schützen, Minderheiten integrieren.
Der Präsident appellierte an seine Wähler, ihm mehr Zeit für die Lösung der Probleme des Landes zu geben. Was sich in Jahrzehnten angehäuft habe, sei nicht in wenigen Jahren zu lösen. Immer wieder betonte Obama, dass die USA vor einer Schicksalswahl stünden: einer Richtungsentscheidung für das Land, einer "Wahl zwischen zwei fundamental verschiedenen Visionen für die Zukunft".
Beide Kandidaten stünden für zwei völlig verschiedene Wege, in die die Nation gehen könne, sagte Obama mit Blick auf seinen republikanischen Kontrahenten Mitt Romney. "Der Weg, den wir anbieten, ist vielleicht schwieriger, aber er führt zum Erfolg."
In seiner Rede knüpfte der Präsident auch an seinen Wahlkampf vor vier Jahren an - Obama versuchte Zuversicht zu verbreiten. Er sprach immer wieder von der Hoffnung, die es gebe. "Wir können unsere Probleme lösen, wir können unsere Herausforderungen meistern", rief der Präsident unter dem Jubel seiner Anhänger.
Lesen Sie die Geschehnisse in Charlotte im Minutenprotokoll nach:
+++ Romney reagiert+++
[5.15 Uhr] Wenige Minuten nach Schluss der Obama-Rede reagiert sein Herausforderer Mitt Romney. Sein Sprecher gibt folgendes Statement des republikanischen Präsidentschaftskandidaten heraus: "Präsident Obama hat ein Programm vorgestellt, das dieselben Maßnahmen umfasst wie das der vergangenen vier Jahre. Er hat weitere Versprechen gemacht, dabei hat er die von vor vier Jahren nicht gehalten. Amerikaner werden ihn für diese Bilanz verantwortlich machen - sie wissen, dass es ihnen heute nicht besser geht und dass es Zeit für einen Wechsel ist."
+++ "Wir lassen niemanden allein"+++
[5.05 Uhr] Obama bittet seine Anhänger um ihre Stimme: "Eure Stimme muss in dieser Wahl gehört werden. Ihr müsst aufstehen in dieser Wahl - wenn Ihr wollt, dass sich etwas in diesem Land ändert." Er sei nicht gewählt worden, um das zu sagen, was die Menschen hören wollten. "Sie haben mich gewählt, damit ich die Wahrheit sage." Der Präsident ruft: "Amerika, ich habe nie gesagt, dass es einfach wird." Er werde nicht so tun, als ob der Weg, den er anbiete, einfach oder schnell sein wird. Obama verspricht: "Wir lassen niemanden allein." Jubel und Applaus brandet auf. Es ertönt Bruce Springsteen mit "We Take Care Of Our Own" - Obama winkt in die Menge, seine Frau und Kinder und die Bidens kommen auf die Bühne.
+++ Hoffnung ist in Amerika immer noch lebendig+++
[5.03 Uhr] Ja, Obama nimmt das zwischenzeitlich verpönte H-Wort immer wieder in den Mund. Die Schlusspassage seiner Rede ist der Hoffnung gewidmet. Die Hoffnung in Amerika sei noch lebendig - der Weg zum Erfolg sei nicht leicht, aber gemeinsam sei er zu schaffen. Die Menge ist begeistert.
+++ Nur der Weg nach vorne +++
[5.02 Uhr] Nächster Verweis auf einen berühmten US-Präsidenten - Abraham Lincoln: Wie Lincoln habe auch er oft in seinem Amt die Erfahrung gemacht, dass die Aufgaben so groß sind, dass sie einen in die Knie zwingen - doch es gebe nur den Weg nach vorne.
+++ Obama lobt seine Anhänger +++
[5.00 Uhr] Der Demokrat preist seine Anhänger - die letzte Wahl sei nicht seine gewesen, sondern vielmehr die Wahl seiner Anhänger: "Das habt Ihr getan, Ihr habt den Wechsel möglich gemacht. Nur Ihr habt die Macht, dass es vorwärts geht." Die Bürger der USA gäben ihm Hoffnung. "Wenn Sie diese Hoffnung mit mir teilen, dann bitte ich Sie heute Abend um Ihre Stimme."
+++ "Was können wir in diesem Land tun" +++
[4.57 Uhr] Obama macht Anleihen bei John F. Kennedy und wandelt einen von dessen berühmtesten Leitsätzen leicht um: "Amerika - das bedeutet nicht, was kann das Land für uns tun, sondern: Was können wir in diesem Land tun!"
+++ Schulen und Straßen statt Waffen +++
[4.48 Uhr] Der Präsident kündigt deutlich reduzierte Ausgaben für Rüstung an - zu viele Milliarden Dollar seien in Kriege geflossen, jetzt wolle er Schulen und Straßen bauen.
+++ "Ihr habt die Wahl" +++
[4.43 Uhr] Immer wieder ruft Obama: "Ihr habt die Wahl." In der Schulpolitik zum Beispiel: Jeder müsse das Recht auf eine gut Schulbildung haben. Keine Firma solle ihre Arbeiter im Ausland suchen müssen. Er verspricht, 100.000 neue Mathematik- und Wissenschaftslehrer im kommenden Jahrzehnt einzustellen. Außerdem will er eine Million Industriearbeitsplätze schaffen, die US-Exporte bis 2014 verdoppeln, Ölimporte bis 2020 halbieren und das US-Defizit im gleichen Zeitrahmen um vier Billionen Dollar kürzen.
+++ Zwei verschiedene Wege für Amerika +++
[4.32 Uhr] Der Präsident schlägt ernste Töne an: Die Wahl werde nicht nur eine Abstimmung zwischen zwei Kandidaten und zwei Parteien sein, sondern zwischen zwei "verschiedenen Wegen für Amerika". "Wir bewegen uns vorwärts", ruft Obama. "Ihr habt mich gewählt, Euch die Wahrheit zu sagen." Er verspricht: "Die Probleme können gelöst werden. Wir können es schaffen." Deshalb bewerbe er sich für die zweite Amtszeit.
+++ Der Präsident gibt sich gut gelaunt +++
[4.26 Uhr] Obama witzelt über die Dauerberieselung mit Wahlwerbevideos im Fernsehen. "Sie haben es wahrscheinlich satt, mich ständig in Werbevideo sagen zu hören, "I approve this message" - glauben Sie mir, ich habe es auch satt."
+++ Obama betritt die Bühne +++
[4.23 Uhr] Michelle Obama kündigt ihren Mann an: die "Liebe ihres Lebens, den Vater ihrer beiden Töchter, den Präsidenten der Vereinigten Staaten". Barack Obama kommt, sie umarmen und küssen sich. Die Delegierten stimmen Sprechchöre an: "Four more years" ("Vier weitere Jahre"). Der Präsident lächelt in die Kameras und ruft immer wieder "danke". Er akzeptiere seine Nominierung - die Halle jubelt.
- 1. Teil: "Wir können es schaffen"
- 2. Teil: Vizepräsident Biden greift Romney an
- 3. Teil: Johansson und Longoria bringen Glamour auf Parteitag
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- Freitag, 07.09.2012 – 03:15 Uhr
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Fläche: 9.632.000 km²
Bevölkerung: 310,384 Mio.
Hauptstadt: Washington, D.C.
Staats- und Regierungschef: Barack Obama
Vizepräsident: Joseph R. Biden
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Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.
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