US-Wahlkampf Obamas patriotischer Konter

Nun ist der Präsident an der Reihe. Nach der Nominierung von Mitt Romney richtet sich der Fokus auf Barack Obama. Der demokratische Amtsinhaber setzt im Wahlkampf auf Helden des amerikanischen Alltags - Polizisten, Feuerwehrmänner und Veteranen. In Umfragen liegt er knapp vorne.

US-Präsident Obama: Appell an den Patriotismus der Amerikaner
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US-Präsident Obama: Appell an den Patriotismus der Amerikaner


Washington - Vor vier Jahren begeisterte Barack Obama die US-Wähler mit der Vision eines Wandels. Nun steht er als amtierender Präsident vor dem Problem, verteidigen zu müssen, dass sich nur wenig geändert hat. Um seine Erfolge und Ziele in den Mittelpunkt zu rücken, setzt Obama auf Helden des amerikanischen Alltags: Feuerwehrmänner, Polizisten, Lehrer und Veteranen begleiten ihn bei seinen Wahlkampfauftritten und sollen seiner Politik ein Gesicht geben. Ihre Lebensgeschichte soll Obamas Agenda widerspiegeln.

Obama steht ziemlich unter Druck. Ab Dienstag versammeln sich seine Demokraten in Charlotte im US-Staat North Carolina. Beim Parteitag dürfte der Präsident versuchen, möglichst wenig über den ernüchternden Ist-Zustand zu sprechen. Stattdessen dürfte es ihm darum gehen, ein möglichst positives Bild der Zukunft zu zeichnen.

Dazu appelliert er an den Patriotismus der Amerikaner. Am Ende eines Jahrzehnts der Kriege sei es an der Zeit, die Nation wieder aufzubauen. Dabei benutzte er den Begriff "nation-building" - ein Stichwort, das sich eigentlich auf Länder bezieht, die von Krieg und Systemwechseln erschüttert wurden.

Obama sagte, es gehe darum, ein Land zu entwickeln, für dessen Ideale Soldaten im Ausland gekämpft hätten. Es könne nicht sein, dass Veteranen in der Heimat weder Arbeit noch Obdach fänden. Der Präsident deutete an, dass die Kriegsheimkehrer beim Aufbau der maroden Infrastruktur des Landes helfen könnten.

Romney: "Obama hat Amerika enttäuscht"

Gegenkandidat Mitt Romney hatte Obama in seiner Rede am Donnerstag scharf kritisiert. Die Wähler sollten einen Präsidenten abwählen, der "Amerika enttäuscht hat", sagte der 65-Jährige bei seiner Nominierung. Was Amerika nun brauche seien Jobs, viele Jobs. Genau das habe Obama nicht geschafft, und bei einer Arbeitslosenrate von 8,3 Prozent und einer nur langsam voranschreitenden wirtschaftlichen Erholung sei die Zeit für einen anderen Präsidenten gekommen.

Die Präsidentschaftswahlen finden am 6. November statt. Experten sehen den Vorteil für Obama nun darin, dass er als Zweiter auftritt - und die Angriffe des Republikaners kontern kann. "Er kennt die Strategie der Republikaner und kann seine eigene Argumentation entsprechend erweitern", sagte Politikprofessor Larry Sabato von der University of Virginia.

Romney wolle die Wahl zu einem Referendum über Obama machen, sagte der Politikwissenschaftler weiter. Der Präsident dagegen müsse klarmachen, dass die Wahl als Entscheidung zwischen zwei politischen Philosophien wahrgenommen werde.

In landesweiten Umfragen behauptet Obama seit Monaten einen hauchdünnen Vorsprung auf Romney. "Wenn er sich nur auf die Wirtschaft konzentriert, riskiert er eine Wahlniederlage", sagte Sabato. Der Präsident müsse den thematischen Fokus im Wahlkampf erweitern.

Doch die Wirtschaft könnte Obama schneller wieder einholen, als ihm lieb ist: Wenige Stunden nach seiner Nominierungsrede in Charlotte am Donnerstagabend werden in Washington neue Arbeitsmarktzahlen veröffentlicht.

cte/dapd//AFP



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insgesamt 61 Beiträge
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wahrsager11 02.09.2012
1. Nation Building??
ausgerechnet das von Obama - lachhaft . Die Nation ist mehr gespalten als vor 4 Jahren. "Hope and change" wurde zu " divide and conquer".
pförtner 02.09.2012
2. Möge Obama siegen
Das einiges von seinen Versprechungen nichtin erfüllung gegangen ist,liegt daran das Obama letztendlich ein Amerikanischer Präsident ist und sich vorrangig für die Interessen von Amerika einsetzen muss. Darum möchte ich weiterhin Obama als Präsident haben. Auch wegen der schweren Zeiten die uns noch bevorstehen ( Iran,Israel, Afghanistan, eben auch noch immer als Führungsmacht).
hingeschaut!? 02.09.2012
3. Mr. President
Lieber einen Obama , als zwei Republikaner von Gestern.
spon-facebook-10000130125 02.09.2012
4. Amerika
brauch ein neues System. Diese zwei-Parteienauswahl ist doch nicht mehr zeitgemäß...
alexschneider75 02.09.2012
5. @wahrsager11
… und das war natürlich allein Obamas Schuld. Die Republikaner, deren Credo klar war, aus Obama einen One-Termer zu machen (mehrfach durch Aussagen belegt, auch direkt nach der Wahl) und die daraus resultierende massive destruktive Protestpolitik, die alles abblockte, auch auf Kosten des Landes, spielen da natürlich gar keine Rolle.
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