Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sicherheitsbedenken: Obama stoppt Verkauf von Windparks an China

Ein chinesisches Unternehmen wollte vier Windparks in Oregon kaufen. Nun hat Barack Obama sein Veto eingelegt - eine Basis der US-Armee ist in der Nähe. Der Präsident fürchtet Spionageangriffe.

US-Präsident Obama: "Glaubwürdige Beweise" für Gefährdung der Sicherheit der USA Zur Großansicht
AFP

US-Präsident Obama: "Glaubwürdige Beweise" für Gefährdung der Sicherheit der USA

Washington - Diese Entscheidung könnte die angespannten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und China weiter belasten: Präsident Barack Obama hat sein Veto gegen den Verkauf von vier Windfarmen im Bundesstaat Oregon an ein chinesisches Unternehmen eingelegt. Als Grund nannte das Weiße Haus die Nähe der Windparks zu einer Basis der US-Navy in Boardman. Dort werden unter anderem Drohnen und Flugzeuge für die elektronische Kampfführung getestet.

Es ist das erste Mal seit 22 Jahren, dass ein US-Präsident den Verkauf eines einheimischen Unternehmens ins Ausland blockiert. 1990 verhinderte der damalige Staatschef George Bush ebenfalls den Verkauf einer US-Firma nach China.

Mit seiner Entscheidung folgt Obama der Empfehlung des Komitees für ausländische Investitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS). Dieses hatte sich nach einer Risikobewertung der Geheimdienste ans Weiße Haus gewandt. In seiner Anordnung erklärt Obama, er habe "glaubwürdige Beweise" dafür, dass die Chinesen "Maßnahmen ergreifen, die drohen, die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten einzuschränken." Das Finanzministerium in Washington betonte ausdrücklich, dass die Entscheidung kein Präzedenzfall für andere Investitionen aus China oder anderen Staaten sei.

Entscheidung fällt in heiße Wahlkampfphase

Das CFIUS hatte das chinesische Unternehmen Ralls bereits vor Wochen angewiesen, seine Arbeiten an dem Windparkprojekt zu unterbrechen. Die private Firma hatte zunächst Klage dagegen eingereicht, diese jedoch später zurückgezogen. Ralls hatte das Gelände Anfang dieses Jahres gekauft.

Gegenwärtig bemühen sich zwei weitere chinesische Unternehmen bei der CFIUS um einen Einstieg in US-Firmen aus dem Bereich der Computertechnik. Die Entscheidung über diese Investitionen fällt mitten in die heiße Wahlkampfphase in den USA. Herausforderer Mitt Romney wirft Obama vor, dem wirtschaftlichen Aufschwung Pekings tatenlos zuzusehen, der die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten gefährde. Die Demokraten kritisieren ihrerseits, dass Romney Teile seines Vermögens in China investiert und während seiner Zeit bei der Investmentfirma Bain Capital Arbeitsplätze nach Fernost verlagert habe.

syd/Reuters/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
UnitedEurope 28.09.2012
Die Entscheidung kann ich verstehen. Was Spionage angeht würde ich keinem über den Weg trauen, aber China gleich drei mal nicht. Solch eine wichtige Basis direkt in der Nachbarschaft wäre aber auch zu einfach und verlockend für chinesische Spione.
2.
jdmano 29.09.2012
Finde ich gut. Die Chinesen sind ja für Spionage mehr als nur bekannt. Mal mehr, mal weniger offentsichtlich. Obama hat richtig gehandelt!!!
3.
B.C. 29.09.2012
Leider steht im Artikel nicht wie groß der Abstand zur Militärbasis ist, aber ich finde es nur verständlich, dass man einem der größten Konkurrenten (zumindest was militärische Forschung angeht) nicht gerne 100 Meter hohe "Aussichtstürme" in der Nähe einer Basis verkauft, in der Prototypen getestet werden. Selbst wenn kein Sichtkontakt besteht, ließen sich so sicher einige wertvolle Daten sammeln.
4. Vorsicht ?
klyton68 29.09.2012
Zitat von sysopAFPEin chinesisches Unternehmen wollte vier Windparks in Oregon kaufen. Nun hat Barack Obama sein Veto eingelegt - eine Basis der US-Armee ist in der Nähe. Der Präsident fürchtet Spionageangriffe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-stoppt-verkauf-von-windparks-in-oregon-an-firma-ralls-aus-china-a-858669.html
emotional in Hinsicht auf die Wahl, vorsichtig. Das würde Romney sonst gegeißelt haben. Wie dem auch sei. Was Wahres dran, wird wohl sein, kann ich mir vorstellen. Es wird immer trauriger. Aber ich finde ein Zweiparteiensystem besser als ein Einparteiensystem. Gibt zumindest die Möglichkeit, zu meinen etwas entscheiden zu dürfen. Vielleicht sollten die Chinesen daran mal feilen. 2 od 3 od 4 Parteien. Und alles wird das Gleiche sein. Ist doch bei uns auch nicht anders. Warum wählen wir nicht die Chinesen ? Die haben Geld.
5. Neid?
teredonavalis 29.09.2012
Aus dem Artikel: ---Zitat--- Herausforderer Mitt Romney wirft Obama vor, dem wirtschaftlichen Aufschwung Pekings tatenlos zuzusehen, der die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten gefährde. ---Zitatende--- Vielleicht ist Neid am chinesischen Erfolg der echte Ablehnungsgrund?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Grafikvergleich: Die US-Wirtschaft unter Bush und Obama

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | USA-Reiseseite

Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: