Appell an Merkel: Obama und Cameron fordern Euro-Blitzrettung

Es ist eine deutliche Mahnung an Angela Merkel: US-Präsident Obama und der britische Premier Cameron drängen auf einen Sofortplan für die Euro-Rettung. Am Donnerstag will Cameron eigene Vorschläge in Berlin präsentieren - und die Kanzlerin von Euro-Bonds überzeugen.

Cameron (l.), Obama: Dringender Appell an Angela Merkel Zur Großansicht
REUTERS

Cameron (l.), Obama: Dringender Appell an Angela Merkel

Washington/London - Die USA und Großbritannien haben von Europa ein schnelles Vorgehen gegen die Ausbreitung der Schuldenkrise verlangt. Es müsse "ein sofortiger Plan zur Lösung der Krise und zur Wiederherstellung des Vertrauens an den Märkten" her, sagte ein Regierungssprecher in London.

Darauf hätten sich US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron bei einem Telefonat verständigt. Daneben hielten beide "eine langfristige Strategie" für geboten, um "die Existenz einer starken Gemeinschaftswährung sicherzustellen".

Obama und Cameron sprachen am Telefon laut dem britischen Regierungssprecher am Dienstagabend über die Euro-Krise und den bevorstehenden Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G20). Cameron hatte die Euro-Länder schon mehrfach aufgerufen, entschieden und schnell zu agieren, und davor gewarnt, dass die Krise auch Großbritanniens Wirtschaft und Bankensystem erfassen könne.

An wen sich der Appell der Briten und Amerikaner richtet, ist klar: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie gilt in Südeuropa - aber auch in der angelsächsischen Welt - als Bremserin, die mit ihrem Sparkurs eine rasche Lösung der Euro-Krise verhindert.

"Kaum zu kontrollierende Gefahren"

Cameron reist am Donnerstag zu einem Treffen mit Merkel nach Berlin. Dort, so der britische "Guardian", will der Premier seine Forderung in deutlichen Worten wiederholen. Spätestens beim EU-Gipfel in Brüssel Ende Juni, am besten aber noch beim G-20-Treffen in Mexiko am 18. und 19. Juni, müsse eine Lösung gefunden werden. Sonst seien die Gefahren für die Gemeinschaftswährung kaum noch zu kontrollieren.

Besonders das heikle Thema Euro-Bonds dürfte beim Treffen von Cameron und Merkel am Donnerstagnachmittag eine wichtige Rolle spielen. Die Briten drängen auf die Einführung der gemeinsamen Anleihen - Deutschland lehnt sie vehement ab. "Solche Schritte sind nötig, um die Spekulationen über die Zukunft des Euro endlich zu beenden", so der britische Regierungssprecher.

In der Euro-Krise war zuletzt Spanien verstärkt unter Druck geraten, dessen Bankensektor wegen der geplatzten Immobilien- und Kreditblase mit Milliardensummen gestützt werden muss. Diese Hilfen kann Spanien aber wohl nicht ohne Hilfe der europäischen Partner aufbringen. In der Euro-Zone wird daher diskutiert, ob das Land Finanzhilfe aus dem Euro-Rettungsfonds benötigt.

jok/AFP

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1.
Justitia 06.06.2012
Zitat von sysopEs ist eine deutliche Mahnung an Angela Merkel: US-Präsident Obama und der britische Premier Cameron drängen auf einen Sofortplan für die Euro-Rettung. Am Donnerstag will Cameron eigene Vorschläge in Berlin präsentieren - und die Kanzlerin von Euro-Bonds überzeugen. Obama und Cameron fordern Sofortplan zur Euro-Rettung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837401,00.html)
Zu Sarkozy kann man zwar stehen wie man will, er hatte aber Cameron bei seiner ständigen Einmischung zu Angelegenheiten der EURO-Länder die richtige Antwort gegeben und ihn wie einen dummen Schuljungen aussehen lassen. Wenn Cameron Euro-Bonds will, dann soll er doch zuerst einmal die Übernahme von Haftungsrisiken solcher Bonds durch sein Land an diesen Bonds anbieten, bevor er von anderen Ländern derartiges fordert.
2. Käse ?
jugendmauer 06.06.2012
Cameron ist schon ein lustiger Typ, selbst im Euro nicht drinn, aber Deutschland auffordern quasi für alle anderen Ländern Europas Schulden aufzunehmen. Mit dem super Vorteil für uns Deutsche, dass unser System mehr Zinsen zahlen muss. WIe wäre es mal darüber nachzudenken, eine Europäische Währung für Wirtschaftliche Europäische ENtwicklungsländer einzuführen, statt darauf zu drängen das wir für alle zahlen sollen. Man sehe doch mal nach Spanien, dort gibt es die Katalanen die keine lust mehr haben für den Rest von Spanien zu zahlen. In Norditalien ist es nicht anderes, dort hat der Norden keine lust mehr für den Süden zu zahlen und da sollen wir die nicht mal an Spanien und Griechenland grenzen für sie zahlen?!
3.
clearmind 06.06.2012
Es ist ja schon schamlos, wie die anderen Länder an unser Geld heranwollen. Sollen doch die Amerikaner und Briten sich an einem "Eurobond" beteiligen, wenn sie meinen, der Euro bräuchte das. Das bleibt ihnen unbenommen.
4. Käse ?
jugendmauer 06.06.2012
Cameron ist schon ein lustiger Typ, selbst im Euro nicht drinn, aber Deutschland auffordern quasi für alle anderen Ländern Europas Schulden aufzunehmen. Mit dem super Vorteil für uns Deutsche, dass unser System mehr Zinsen zahlen muss. WIe wäre es mal darüber nachzudenken, eine Europäische Währung für Wirtschaftliche Europäische ENtwicklungsländer einzuführen, statt darauf zu drängen das wir für alle zahlen sollen. Man sehe doch mal nach Spanien, dort gibt es die Katalanen die keine lust mehr haben für den Rest von Spanien zu zahlen. In Norditalien ist es nicht anderes, dort hat der Norden keine lust mehr für den Süden zu zahlen und da sollen wir die nicht mal an Spanien und Griechenland grenzen für sie zahlen?!
5. Ausgerechnet die Verweigerer drängeln
scratchpatch 06.06.2012
Gerade Großbritannien und die USA haben sich immer zurückgehalten, selbst Geld für die "Rettung" des Euros auszugeben. Außerdem sollte sich selbst auf der isolierten Insel herumgesprochen haben, dass das deutsche Grundgesetz Eurobonds nicht zulässt. Wenn die Lage so kritisch ist, wie wäre es dann mal mit einem eigenen Beitrag statt Forderungen an andere?
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.