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Obama und das Öl-Desaster: Machtloser Messias

Von , New York

Die Ölpest im Golf von Mexiko wird zur ernsten Bedrohung für Barack Obama: In Notzeiten wie diesen erwarten die Amerikaner, dass ihr Präsident sie rettet - doch der kann nur hilflos zusehen, wie das Desaster immer größer wird. Die Zustimmung zum Krisenmanagement des Weißen Hauses sinkt rapide.

Obama im Weißen Haus: Die Bilder vom Meeresgrund machen jedes Wort hinfällig Zur Großansicht
AP

Obama im Weißen Haus: Die Bilder vom Meeresgrund machen jedes Wort hinfällig

Die Symbolik von Bildern ist unschlagbar. Das muss auch Barack Obama wieder einmal erfahren. Da bemüht sich der US-Präsident am Donnerstag (Ortszeit) vor die Reporter, um der eskalierenden Politkrise um die Ölkatastrophe Herr zu werden. Zum ersten Mal seit fast einem Jahr präsentiert er sich ihnen im größten Raum des Weißen Hauses, dem East Room. "Wir tun alles, was nötig ist", beteuert er. Wieder und wieder.

Doch dann sind da die Bilder. Bilder, die jedes Wort hinfällig machen. Alle US-Newssender blenden sie in die Übertragung des Obama-Auftritts ein, gnadenlos. Links: Der Präsident vor einem goldenen Vorhang. Rechts: Der Livestream der Unterwasserkamera, der zeigt, wie das Öl unaufhörlich aus dem Leck sprudelt.

Die Aufnahmen aus rund 1600 Metern Tiefe haben eine beklemmende Faszination. Eine schleimig-grünbraune Ölwolke quillt aus dem geborstenen Bohrrohr am Meeresgrund. Wie eine submarine Vulkanexplosion. Gegen solche Szenen hat Obamas steife East-Room-Choreografie keine Chance.

Besser lässt sich das Dilemma wohl kaum illustrieren. Der Präsident redet und redet - und das Öl fließt und fließt. Der Zuschauer mag Obamas Worte hören, starrt aber gebannt auf das Desaster, das in Echtzeit weitergeht.

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Golf von Mexiko: Die schwarze Flut erreicht die Küste

Obamas Pressekonferenz ist der Höhepunkt eines Tages, an dem sich die Ereignisse überschlagen, am Golf von Mexiko wie in Washington. Meist sind es Hiobsbotschaften aus der Krisenzone, kaum gemildert vom leisen Optimismus der Öl-Bekämpfer und eines Präsidenten, der sich quält, die Katastrophe nicht zu "seinem" Desaster werden zu lassen.

Der Präsident soll die Amerikaner retten

Es ist eine undankbare Aufgabe. Obama hat die Ölpest nach der Explosion der BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon" vor 48 Tagen nicht zu verantworten, und es gibt wenig, was er und sein Team nun wirklich dagegen tun können, allen unsinnigen Erwartungen zum Trotz. Doch das kümmert längst keinen mehr angesichts des täglich wachsendes Fiaskos.

Denn in Krisenzeiten erwarten die Amerikaner, dass ihr Präsident sie rettet - ein alter Irrglaube, den auch das Weiße Haus fleißig nährt: Die Regierungszentrale pflege "den Mythos, dass Präsidenten väterliche, geradezu allmächtige Figuren sind, die uns vor Bösem bewahren", schreibt Glenn Greenwald, Kolumnist des Online-Magazins "Salon". "Amerikaner lechzen nach dem Schutz eines messianischen Oberbefehshabers."

"Ich übernehme die Verantwortung", sagt Obama also artig, während das Live-Video des Unterwasser-Ölmonsters seine Machtlosigkeit beweist. "Es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dies abgestellt wird."

Mehr als eine Stunde verbringt er dann damit, sich zu verteidigen und erneut von BP zu distanzieren - dem verhassten Multi, der leider als Einziger das Know-how hat, das Öl zu bekämpfen. BP sei "nicht ganz aufrichtig" bei den Angaben über die Menge des auslaufenden Öls gewesen. Die Regierung und nicht BP sei jetzt "federführend" bei der Bekämpfung. Er werde sicherstellen, "dass BP zur Rechenschaft gezogen wird".

Erstmals Selbstkritik

Auch verlängert Obama schnell das Moratorium für Offshore-Bohrungen und übt sich - erstmals - in Selbstkritik. So hätte die Regierung viel früher Druck auf BP ausüben, viel früher eine unabhängige Schätzung des Ölstroms erstellen sollen. "Wenn die Frage ist, ob wir alles perfekt gemacht haben, dann ist die Antwort: Absolut nicht, wir können es immer besser machen."

Ja, das sind alles wichtige, nötige Aussagen. Doch es ergeht Obama jetzt ähnlich wie den Fischern im Golf, die sich vergeblich mit Plastikplanen gegen den Ölteppich stemmen. Seine Worte - typisch akademisch, streckenweise sogar ungewollt gefühllos - prallen an den Realitäten ab.

Und an den scharfen Fragen der Reporter - trotz eines eiligen Hintergrund-Gesprächs, mit dem das Weiße Haus die Top-Kolumnisten bedachte. "Wie können Sie sagen, dass alles getan wird, was getan werden kann", schimpft Jake Tapper von ABC News, "wenn all diese Experten und all diese Beamten sagen, dass das nicht wahr ist?"

Tag der schlechten Nachrichten

In der Tat jagt am Donnerstag - nicht mal 24 Stunden vor Obamas dreistündiger Stippvisite in Louisiana - eine schlechte Nachricht die andere. Erst behauptet Admiral Thad Allen, Obamas Mann an der Ölfront, der Versuch, das lecke Rohr per Schlammschleuder zu stopfen, sei gelungen. Dann wird er aber sofort wieder zurückgepfiffen: "Es wird wahrscheinlich noch 24 bis 48 Stunden dauern, bis wir sicher sein können", sagt BP-Geschäftsführer Bob Dudley.

Der Livestream bestätigt das - und am Abend stoppt BP die Operation "Top Kill" für ein paar Stunden sogar wieder ganz. "Jeder Tag bringt neue, entmutigende Meldungen", seufzt Henry Waxman, der Vorsitzende des Energie-Unterausschusses im Repräsentantenhaus.

So stellt sich auch heraus, dass das Ausmaß des Ölteppichs unendlich viel größer ist als bisher befürchtet. Nun ist dies offiziell die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte der USA, schlimmer als die Havarie des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska.

Vier Ausschüsse - drei im Kongress, einer vor Ort - sind allein am Donnerstag damit beschäftigt, die Hintergründe aufzuklären. Der Ruf nach strafrechtlicher Haftbarkeit der Verantwortlichen wird immer lauter. Die US-Medien enthüllen täglich neue Versäumnisse im Umfeld der Explosion. Die "New York Times" und CBS berichten, es habe schon lange vorher Warnzeichen gegeben. Die ersten BP-Manager beginnen plötzlich, die Aussage zu verweigern.

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Forum - Obama - gutes Ölkrisen-Management?
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1. Andere Optionen?
nurmeinsenf 26.05.2010
Geschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
2. .
Haio Forler 26.05.2010
Zitat von sysopBarack Obama gerät in der US-Ölkatastrophe in Louisiana zunehmend unter Druck: Der US-Präsident wird heftig kritisiert, weil er sich in der Krise weiter auf BP verlässt. Hat Barack Obama das Krisenmanagement im Griff?
Was soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
3.
Simpso, 26.05.2010
Zitat von Haio ForlerWas soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Ja, ne... wäre Bush das gewesen, wänrem it absoluter Sicherheit die Kommentare sehr viel bösartiger ausgefallen. Es ist aber aschon richtig, weder Bush noch Obama können zaubern.
4. ...
Epic Fail 26.05.2010
Zitat von nurmeinsenfGeschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Nicht? Der Iran hat angeboten das Leck zu schließen, die meinten das es eine Kleinigkeit wäre. Aber da gibts ja momentan Stress mit Atomverhandlungen und da kann man ja nicht so einfach die Hilfe annehmen. Und noch dazu schuldet man dann dem Iran noch etwas, das geht ja mal garnicht. Da wird lieber der Golf von Mexiko geopfert. ;)
5. Technik, Know-how, Manpower
Hilfskraft 26.05.2010
"Den staatlichen Krisenteams fehlt Technik, Know-how, Manpower" Wo ist der legendäre Patriotismus der Amis? Daß es an Technik und Know-how fehlt, leuchtet ein. Frage: Wie sieht es damit bei uns aus? Sind zwar "nur" 70 Meter, aber die müssen auch bewältigt werden, im Falle des Falles. Manpower fehlt? Ein 300Millionen-Volk und keine Manpower? Wenigstens die Küstenbewohner könnten Hand anlegen und Säuberungsaktionen organisieren. Auch wenn es nichts nützt, käme es besser in den Medien rüber. Mir scheint, daß das den meisten Amerikanern am Popöchen vorbei geht. Dann fahren sie eben woanders hin, zum Baden. H.
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Operation "Top Kill": Livestream vom Ölleck

Der Konzern BP überträgt im Internet den Abdichtversuch am Bohrloch im Golf von Mexiko.

Hier geht es zum Live-Stream


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