Obama und Romney als Komiker: Humorist Hussein gegen Witzbold Willard
Heute mal lustig: Barack Obama und Rivale Mitt Romney treten nacheinander bei einer Spendengala auf - und reißen Witze auf eigene Kosten. Der US-Präsident stattet sogar auch noch der satirischen "Daily Show" einen Besuch ab. Doch die Realität holt ihn rasch ein.
Nur noch 19 Tage sind es bis zur Präsidentschaftswahl in den USA. Trotzdem gönnten sich Willard Mitt Romney und Barack Hussein Obama am Donnerstagabend eine Auszeit. Und die haben sie auch noch gemeinsam verbracht.
Die Szene: Das Al-Smith-Dinner in New York, eine Wohltätigkeitsveranstaltung der Erzdiözese, bei der die Katholiken mehr als fünf Millionen Dollar für arme und kranke Kinder sammeln wollen. Seit Jahrzehnten ist es Tradition, dass die Kandidaten für die Präsidentschaft hier vorbeischauen, eine Rede halten - und Witze reißen. Vornehmlich über sich selbst.
Zum Beispiel den hier: "Mitt ist sein zweiter Vorname", sagt Obama dieses Mal über Romney, "ich wünschte, ich könnte meinen zweiten Vornamen nutzen". Hussein - das klingt eben noch immer nach Iraks Ex-Diktator Saddam.
Gerade mal 48 Stunden sind vergangen, seitdem sich Obama und Romney in ihrem zweiten TV-Duell beharkt haben. Sie haben sich nichts geschenkt, haben sich gegenseitig der Lüge bezichtigt, die Zeigefinger aufeinander gerichtet, einander ausgelacht. Es ist bekannt, dass Obama seinen Rivalen nicht leiden kann. Dies gilt durchaus auch umgekehrt. Soweit die Lage.
Und nun sitzen diese beiden im großen Ballsaal des Waldorf-Astoria Hotels, in schwarzer Abendgarderobe mit weißer Fliege, 220 Tische um sie herum mit allen möglichen Prominenten. Obama und Romney haben nicht direkt nebeneinander Platz genommen. Nein, man hat den recht fülligen New Yorker Erzbischof Timothy Dolan zwischen die beiden gesetzt. Sicher ist sicher.
Endlich mal in der Abendgarderobe relaxen
Romney ist zuerst dran. Ach, der Wahlkampf sei anstrengend, sagt der Multimillionär. Man müsse in alle möglichen Klamotten schlüpfen, Jeans etwa. Es sei also schön, hier beim Dinner endlich mal zu relaxen und das anziehen zu können, "was Ann und ich zu Hause tragen". Großes Gelächter. Okay, der Mann kann mit dem richtigen Redenschreiber sogar witzig sein.
Weiter geht's mit einer Anspielung auf seinen mormonischen Glauben, der ihm sowohl Kaffee als auch Bier, Wein und Co. verbietet: Wie man sich auf ein TV-Duell vorbereite? "Trinke 65 Jahre vor der Debatte keinen Alkohol", empfiehlt Romney. Schließlich liefert der Republikaner noch ein Späßchen über die Medien: "Mein Job ist es, eine positive Vision für das Land zu zeichnen. Ihr Job ist es, dass das keiner mitbekommt." Gelächter.
Obama gibt sich noch ein Stück selbstironischer, noch ein bisschen lockerer. Er habe im zweiten TV-Duell gegen Romney mehr Energie gehabt, sagt der Präsident. Warum? "Ich war viel ausgeruhter nach dem schönen, langen Nickerchen, das ich während der ersten Debatte hielt", spielt er auf seine schwache Leistung vor zwei Wochen in Denver an. Es folgt ein Seitenhieb auf den schwerreichen Romney: Ja, er, Obama, habe heute in ein paar Geschäften hier in New York eingekauft. Der Rivale hingegen habe "ein paar Geschäfte eingekauft".
"Will Guantanamo immer noch schließen"
Und auch die verpatzte Europa-Tour des Konkurrenten im Sommer vergisst Obama nicht zu erwähnen. Schließlich wurde er als Kandidat auf dem alten Kontinent gefeiert, mehr als 200.000 Menschen verfolgten im Jahr 2008 seine Rede an der Berliner Siegessäule. Er sei eine Berühmtheit gewesen in Übersee, sagt also jetzt Obama und fügt an: "Ich bin beeindruckt, wie Romney dieses Problem vermieden hat."
Das aber war's noch lange nicht. Jedenfalls nicht für Obama. Der nämlich hat an diesem Tag auch noch einen Auftritt in der "Daily Show" des TV-Satirikers Jon Stewart. Die wurde schon am Nachmittag aufgezeichnet, aber erst nach dem Klamauk-Dinner ausgestrahlt. Stewart ist längst mehr als ein Komiker. Im überheizten und polarisierten Klima der US-Nachrichtensender wirkt er wie eine Stimme der Vernunft, ein Gegengewicht.
Stewart war, das muss gesagt werden, von Anfang an ein Jünger Obamas. Schon sechs Mal hat er ihn seit 2005 interviewt, und man merkt ihm noch immer an, wie sehr er den Mann bewundert. "Richtig, richtig", sagt er, wenn der Präsident redet. Vor allem will er von Obama hören, dass doch noch alles gut wird. Sicherheit oder Bürgerrechte, fragt also Stewart. Und Obama liefert sogleich: "Ich möchte Guantanamo noch immer schließen." Man habe das bisher nur noch nicht durchs Parlament bekommen. Stewart ist erleichtert, das Publikum applaudiert.
"Nicht optimal, wenn Amerikaner getötet werden"
Und dann wird es wirklich ernst, dann geht es um den Tod des US-Botschafters und dreier Mitarbeiter in Libyen. Um die Frage, warum nicht Obamas gesamte Regierung von Anfang an erklärt hat, dass es sich um einen Terroranschlag handelte. Obama sagt, dass der Sturm auf die US-Vertretung im libyschen Bengasi ein "tragisches Ereignis" gewesen sei; dass er versuche, alle Fakten zu bekommen und die Fehler zu finden, um einen solchen Angriff in Zukunft zu verhindern.
Darauf Stewart: Das kommunikative Durcheinander der US-Regierung sei ja wohl nicht die "optimale Antwort" gewesen. Der Präsident nimmt das auf, sagt: "Wenn vier Amerikaner getötet werden, dann ist das nicht optimal."
Und mit genau diesen Worten endet die Auszeit vom Wahlkampf. Denn noch bevor Stewart um kurz vor Mitternacht auf Sendung geht, schlägt schon der rechtskonservative TV-Sender Fox News Alarm. "Nicht optimal" sei der Tod von vier Amerikanern, werde der Präsident gleich in einer "Comedy-Sendung" erklären, kündet das Nachrichtenlaufband am unteren Bildschirmrand. Dann geht John McCain auf Sendung, Obamas Widersacher aus dem Wahlkampf 2008: "Das ist so unangemessen." Die Terrororganisation al-Qaida komme zurück, sagt der US-Senator, Obamas Führung habe versagt: "Die Amerikaner sollten das wissen."
Das Rennen geht weiter.
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- Freitag, 19.10.2012 – 08:08 Uhr
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- Es wird spannend, noch wenige Wochen bis zur Präsidentschaftswahl in den USA: Wer macht das Rennen - Barack Obama oder Mitt Romney? Unsere Korrespondenten Sebastian Fischer (rechts), 34, und Marc Pitzke, 49, berichten in diesem Wahl-Blog im wöchentlichen Wechsel aus Washington D.C., New York und von unterwegs über das Großereignis.
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Hauptstadt: Washington, D.C.
Staats- und Regierungschef: Barack Obama
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