Das US-Wahlblog von Sebastian Fischer
Das war's. Jedenfalls für die Mehrheit der Amerikaner. Das TV-Duell ist durch, und damit sind die Vereinigten Staaten für Barack Obama und Mitt Romney ab sofort passé. Statt der Gesamtnation zählen allein die neun Staaten von Amerika. Das sind jene Swing States, auf die es am 6. November ankommt.
Jene Staaten, die zwischen Demokraten und Republikanern schwanken und wegen des amerikanischen Winner-takes-all-Wahlsystems am Ende darüber entscheiden werden, ob der 44. Präsident weitermachen darf oder ob Romney die Nummer 45 sein wird. Wer es genau wissen will: Ohio, Virginia, North Carolina, Florida, Iowa, Wisconsin, New Hampshire, Colorado und Nevada.
Hält der Romney-Trend an?
Diese neun bringen es zusammen auf gut 65 Millionen Einwohner, sind vier mal so groß wie Deutschland. Klar, das ist auf den ersten Blick nicht beeindruckend für US-Verhältnisse. Doch die neun Staaten bringen insgesamt 110 Wahlmännerstimmen ein, 270 benötigt es für einen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen. Das ist dann doch beeindruckend.
Legt man aktuelle Umfrageergebnisse aus den Nicht-Swing-States zugrunde - sorry, jetzt wird's ein bisschen zahlenlastig - dann kann sich Obama auf derzeit 237, Romney auf 191 Stimmen verlassen. Reicht also nicht für eine Mehrheit, beide sind auf die Wechselwählerstaaten angewiesen.
Hier kommt der zentrale Punkt: Den von der Demoskopieplattform RealClearPolitics errechneten Durchschnittswerten zufolge kann der Präsident in den neun Staaten aktuell 40 und Romney 70 Stimmen holen. Heißt: Es stünde insgesamt 277 zu 261, Obama wäre der Sieger.
Während also die nationale Stimmung kippt, liegt Obama in vier der neun Swing States weiter vorn: In Nevada, Iowa, Wisconsin, Ohio. Und in Virginia ist er mit Romney gleichauf. Von der "Firewall" des Präsidenten ist derzeit in US-Medien die Rede, wenn es um jene Swing States geht, die noch bei Obama sind. Eine Brandmauer gegen jeden nationalen Trend. Bisher jedenfalls.
Noch ein Detail: Ohne Ohio ist noch kein Republikaner Präsident geworden. Um den alten Industriestaat im Norden und seine 18 Wahlmännerstimmen werden die Kontrahenten in den kommenden zwei Wochen einen erbitterten Kampf führen. Obamas Vorsprung ist hier geschmolzen: Ende September lag er zehn Prozentpunkte vor Romney, die jüngste Erhebung sieht ihn noch mit 50 zu 45 Prozent vorn.
Rasante Tour durch die Swing States
Unablässig werden Romney und Obama jetzt durch die Swing States ziehen. Schon am Morgen nach dem Duell ging es für Romney nach Nevada, am Abend wird er in Colorado auftreten. Obama hat seinerseits eine rasante Tour gestartet, drei Tage, sechs Swing States: Florida, Iowa, Colorado, Nevada, Virginia und - natürlich - Ohio.
Noch vor wenigen Wochen schien das Spiel so gut wie gelaufen, Obama war der klare Favorit. Romney blieb nur die Hoffnung auf ein kleines Polit-Wunder. Und so kam es. Zweierlei geschah:
Letzteres hat Romney insbesondere für weibliche Wähler interessanter gemacht. Und die sind entscheidend. Frauen seien die Wechselwähler in den Wechselwählerstaaten, hat John Heilemann im "New York Magazine" treffend festgestellt.
Fakt ist: Wenn Romney den Präsidenten schlagen will, dann muss er bei dieser Wählergruppe punkten. Und wenn Obama im Amt bleiben will, dann muss er seinen Vorsprung bei den Frauen halten. Die "New York Times" hat gerade eine historisch große "Geschlechterlücke" zwischen den Kandidaten festgestellt: Jüngsten Umfragen zufolge liegt Obama bei Frauen durchschnittlich neun Prozentpunkte vorn, Romney dagegen ebenfalls neun Punkte bei Männern. Zuletzt war Vergleichbares der Zeitung zufolge im Jahr 2000 der Fall, beim Duell zwischen Al Gore und George W. Bush: Der Demokrat führte mit elf Prozentpunkten bei Frauen, der Republikaner mit neun Punkten bei den Männern.
Am Ende gewann Bush, dank seines knappen und umstrittenen Erfolgs im Swing State Florida. Landesweit lag er gut 500.000 Stimmen hinter Gore. Aber das spielte keine Rolle.
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