Obama über Ukraine- und Irak-Konflikt "Das kriegen wir schon hin"

Die geopolitischen Krisen auf der Welt spitzen sich zu. Doch US-Präsident Obama gibt sich zu Hause lässig lakonisch. Es wirkt, als unterschätze er die Situationen - doch seine Lockerheit folgt einem Kalkül.

Obama in der Air Force One am Samstag: "Die Welt war schon immer chaotisch"
AFP

Obama in der Air Force One am Samstag: "Die Welt war schon immer chaotisch"


Washington/Purchase - Der Kontrast ist bemerkenswert. Die öffentlichen Stellungnahmen zu den Krisen auf der Welt unterscheiden sich erheblich: Während Nato-Mitglieder nach SPIEGEL-Informationen auf einen härteren Kurs gegen Russland drängen und die EU in Brüssel erneut über schärfere Sanktionen berät, gibt sich US-Präsident Barack Obama eher gelassen.

Die geopolitischen Bedrohungen seien "nicht vergleichbar mit den Herausforderungen, vor denen wir während des Kalten Krieges standen", sagte Obama laut Berichten der "New York Times" ("NYT") und der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Das kriegen wir schon hin", fügte der US-Präsident hinzu und befand: "Die Welt war schon immer chaotisch." Das sei heute nur aufgrund der sozialen Medien sehr viel offenbarer, sagte Obama am Samstag Ortszeit vor Anhängern während eines Sponsoren-Barbecues in Purchase im US-Staat New York. "Wir werden durch diese herausfordernden Zeiten hindurchkommen, so wie wir es in der Vergangenheit getan haben."

Mit dieser Haltung schicke sich Obama an, im Anlauf auf die nächsten Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr die Unterstützer der Demokraten aufzubauen und Ängste abzubauen, schreibt die "NYT": "Präsident Obama will nicht, dass sich die Amerikaner zu sehr sorgen." Schließlich strapazierten die internationalen Krisen die öffentliche Stimmung und auch die Umfragewerte des US-Präsidenten.

Während Obama innerhalb der USA Ruhe demonstriert, begrüßte eine Sprecherin des US-Sicherheitsrats zeitgleich die Entscheidung der EU, härtere Sanktionen gegen Russland vorzubereiten. Die Vereinigten Staaten arbeiteten eng mit der EU und anderen Partnern zusammen, um die Regierung in Moskau für ihr Vorgehen in der Ukraine zur Verantwortung zu ziehen, sagte die Sprecherin laut Nachrichtenagentur AP.

Mit seinen Äußerungen bezog sich Obama sowohl auf die Situation in der Ukraine als auch auf die Lage im Irak und in Syrien. Mit Blick auf Syrien hatte Obama erst am Vortag eingestanden, dass die USA angesichts des islamistischen Terrors noch keine Strategie hätten. Im Irak hingegen hat das US-Militär seinen Einsatz auf die von Extremisten belagerte Stadt Amirli ausgeweitet. US-Kampfflugzeuge flogen am Wochenende gezielte Luftangriffe auf Stellungen der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Militäreinsätze im Irak kosten die Vereinigten Staaten täglich 7,5 Millionen Dollar.

bos/AP

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Rot2010 31.08.2014
1. Inkompetenz als Kalkül verkauft
Offensichtlicher kann sich Versagen nicht präsentieren als mit Obama.
atech 31.08.2014
2. no, we don't
die Konflikte in der Ukraine und im Irak sind noch lange nicht beendet. Und Präsident Obama hat es leicht, lockere Sprüche zu klopfen. Die Krisenherde befinden sich für die USA jenseits des Meeres. Kein Russe steht an der Grenze. Und die Amerikaner sind nicht so zartfühlend wie die Europäer, die setzen US-Dschihadis auf die no-fly-liste - denen ist im Gegensatz zu unseren Staatsbürgern der Rückflug in die Heimat verwehrt.
karlsiegfried 31.08.2014
3. Sicher ist das hinzukriegen
Fragt sich nur wie.
2401brigi 31.08.2014
4. Krise in der Ukraine ist Schuld des Westens
das stellt nun der weltweit führende US-Think-Tank Council on Foreign Relations, fest. Die Einkreisung Russlands durch die NATO, die Expansion der EU und der - durch den Westen finanzierte Umsturz in Kiew hätten die Krise ausgelöst. Die ständigen Schuldzuweisungen an Putin seien deshalb falsch. Vielleicht ist diese Erkenntnis nun auch bis zu Obama durchgedrungen und er fragt sich nun, wie er Schadensbegrenzung machen kann .... :)
an-i 31.08.2014
5. geopolitische Kriese
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/08/31/us-think-tank-krise-in-der-ukraine-ist-die-schuld-des-westens/ ich hoffe auf Widerstand http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/20650-Sanktionen-Stoppt-die-Slowakei-die-Irren-Brssel.html
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