Provokation aus Nordkorea: Obama verdammt Kims Atomtest

AP

Die US-Regierung reagiert empört auf den erneuten Atomtest in Nordkorea. Präsident Obama spricht von einer "schweren Provokation" und kündigt eine rasche Reaktion an. Am Nachmittag berät der Uno-Sicherheitsrat über die nächsten Schritte.

Pjöngjang - Weltweit herrschen Entsetzen und Empörung über den unterirdischen Atomtest des nordkoreanischen Regimes. Nun hat sich auch die US-Regierung zu der Aktion des Regimes in Pjöngjang geäußert. Präsident Barack Obama nannte den Test einen "höchst provokativen Akt", der die "Stabilität in der Region gefährdet".

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA hatte zuvor einen erfolgreichen unterirdischen Atomtest gemeldet - zum "Schutz unserer nationalen Sicherheit und Souveränität", so die Mitteilung.

Obama wertete den Schritt der Nordkoreaner als Bedrohung für die USA und die gesamte Welt. Daher seien nun "rasche und glaubhafte Schritte" der internationalen Gemeinschaft nötig. Sein Land werde auch weiter die nötigen Schritte einleiten, um sich selbst und seine Verbündeten zu schützen. Es seien aber strenge Reaktionen nötig, so der Präsident.

Fotostrecke

14  Bilder
Nordkoreas Atomtest: Zündung in der Tiefe
Die Uno berief eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates ein. Das Gremium wird um 15 Uhr deutscher Zeit zusammenkommen und über eine Reaktion auf die Provokation aus Pjöngjang beraten.

Nordkoreas Regime feiert die umstrittene Aktion unterdessen als vollen Erfolg. Die Explosion sei "sicher gewesen und perfekt verlaufen", hieß es. Wie KCNA weiter meldet, habe es sich um "einen miniaturisierten Sprengsatz mit großer Stärke" gehandelt. Dieser sei zudem deutlich leichter gewesen als bei den beiden Tests der Vergangenheit.

Die Erdbebenwarten mehrerer Länder hatten gegen etwa 12 Uhr Ortszeit (4 Uhr MEZ) ein "künstliches Erdbeben" in der Region registriert, in der das nordkoreanische Testgelände Punggye Ri liegt. Laut US-Geologen erreichten die Erschütterungen eine Stärke von 4,9. Das Epizentrum habe nur einen Kilometer unter der Erdoberfläche gelegen.

Südkoreanische Beobachter gehen davon aus, dass der Test eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen TNT gehabt haben könnte, sagte der Ministeriumssprecher in Seoul. Erste Schätzungen hatten bei zehn Kilotonnen gelegen. Zum Vergleich: Die Bombe, die 1945 über Hiroshima niedergegangen war, hatte ein Sprengkraft vorn 13 bis 16 Kilotonnen.

Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, die Regierung in Pjöngjang habe China und die USA bereits am Montag über ihre Pläne für eine Zündung unterrichtet. In den vergangenen Tagen waren Personal und Ausrüstung aus der Umgebung des Testgebietes abgezogen worden - ein frühes Indiz für die bevorstehende Detonation. Es war der dritte Atomtest in der Geschichte des Landes nach 2006 (eine Kilotonne) und 2009 (zwei Kilotonnen), aber der erste unter dem neuen Diktator Kim Jong Un.

Test von Radioaktivität in der Luft

Japans Verteidigungsministerium gab bekannt, mit Hilfe von Flugzeugen Luftproben nehmen zu wollen, um die durch den Atomwaffentest freigesetzte Radioaktivität zu messen. Premier Shinzo Abe kündigte rasche Beratungen über mögliche Sanktionen an.

Dem isolierten Staat ist es per Uno-Resolutionen verboten, Atom- und Raketentechnik zu entwickeln. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Test "einen schweren Verstoß gegen die geltenden Beschlüsse des Rates".

Russland verurteilte die Aktion am Dienstag ebenfalls scharf. Diese sei eine Verletzung der internationalen Verpflichtungen des Landes, zitierte die Agentur Interfax aus Kreisen des Außenministeriums. Ähnlich äußerte sich die britische Regierung.

Der Westen fürchtet seit langem eine atomare Bewaffnung durch das Regime in Pjöngjang. Unter Führer Kim Jong Un hatte das Land zuletzt auch sein Programm für Langstreckenraketen vorangetrieben. Laut "Washington Post" könnten diese Raketen zusammen mit den nun getesteten, leichteren Sprengsätzen eine neue Stufe der Bedrohung darstellen.

jok/Reuters/AP/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 77 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ein solcher Atomtest
adsum 12.02.2013
Zitat von sysopAFPDie US-Regierung reagiert empört auf den Atomtest in Nordkorea: Präsident Obama spricht von einer "schweren Provokation" und kündigt eine rasche Reaktion an. Am Nachmittag berät der Uno-Sicherheitsrat über die nächsten Schritte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-verurteilt-nordkoreas-atomtest-als-angriff-auf-weltfrieden-a-882762.html
war doch zu erwarten und es werden weitere folgen. Vielleicht erfolgt demnächst auch ein weiterer unterirdischer Atomversuch eines anderen Landes und die Welt wird aufhorchen. Proteste klar! Verwünschungen auch klar! Verurteilungen ind Sanktionen auch eine klare Sache! Aber wer in aller Welt soll solche Versuche ohne Krieg stoppen. Wer soll denn einen Krieg führen? Das wissen doch die Gegner auch und lachen sich im Verborgenen wahrscheinlich halbtot. Man ist auch leicht versucht zu glauben, dass die weltweiten Proteste eine abschreckende Wirkung zeigen und eine Nation sich schämt Atomwaffen überhaupt noch anzustreben. Es ist halt ein naiver Glaube unserer Friedensfreunde, zu denen ich mich ratlos und ohnmächtig auch dazuzähle. Naja, solange man verhandelt, verhandelt, verhandelt bis zum Nimmerleinstag wird schon nichts passieren, hoffen wir jedenfalls.
2. Sprichwort:
friedenspfeife 12.02.2013
Zitat von sysopAFPDie US-Regierung reagiert empört auf den Atomtest in Nordkorea: Präsident Obama spricht von einer "schweren Provokation" und kündigt eine rasche Reaktion an. Am Nachmittag berät der Uno-Sicherheitsrat über die nächsten Schritte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-verurteilt-nordkoreas-atomtest-als-angriff-auf-weltfrieden-a-882762.html
Was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Also was soll die Heulerei?
3. optional
minando 12.02.2013
Das haben wir denen doch verboten ! Dürfen die das ? ... Überrascht ? Wohl kaum. Dass sich das Land vom Stalinisten direkt zum Friedensengel entwickeln würde war auch nach Kims sonderbarer Neujahrsansprache nicht zu erwarten. Lasst sie zündeln, sollen sie versuchen ihre Atomwaffen zu essen.
4. Zweierlei Maß...
jochenbrirske 12.02.2013
...denn nicht weniger Entsetzen sollte darüber herrschen, dass Obama ständig Menschen gezielt, ohne Not und ohne Prozess töten lässt. Wir im Westen gaukeln uns doch nur noch vor, wir wären moralisch astrein.
5. "Obama verdammt Kims Provokation"
Worldwatch 12.02.2013
Viel interessanter sind demgegenueber die nunmehr geplatzten Hutschnueren der Nachbarn, insb. des "(Ex-?)Bruderstaates" China. Wenn China will, gehen in N.K. die Lichter aus. Das kann der Dicke trotzig tun wie er will. Angenehmerweise hat China bereits im Sicherheitsrat, und mit den Stimmen auch der USA, N.K. die "gelbe Karte" deutlich gezeigt. Hoffentlich gibt's nun bald die -sportlich-interessenwahrende, nicht politsch-diplomatische- "rote Karte"! Denn, 'Diplomatie' versteht N.K., wie auch Dickerchen und seine Vasallen, nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nordkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 77 Kommentare
Fotostrecke
Video aus Nordkorea: New York in Flammen

Fotostrecke
Kim Jong Un: Gerüchte über Schönheits-OPs

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon


Fotostrecke
Smartphone: Welches Handy benutzt Kim Jong Un?