Obama vs. Romney in New York: Der Platzhirsch

Von , New York

Uno-Debatte, Spendertagung, TV-Interviews: US-Präsident Obama und sein Rivale Romney hasten einen Tag lang kreuz und quer durch Manhattan. Sie nutzen die globale Kulisse während der Uno-Generalversammlung als Endlos-Wahlkampfspot. Am Ende gibt es einen klaren Sieger.

Obama bei der Rückkehr aus New York: "Anderweitig beschäftigt" Zur Großansicht
AFP

Obama bei der Rückkehr aus New York: "Anderweitig beschäftigt"

Der Lunch der Delegationen ist stets ein Höhepunkt der Uno-Generaldebatte. Nicht nur, weil die Uno-Küche für ihre Vielfalt gepriesen wird. Sondern vor allem, weil Staatschefs und gekrönte Häupter dort am ersten Tag ihres Mammuttreffens ganz zwanglos plauschen können, ohne Stab und Sicherheitsbeamte.

Auch am Dienstag bittet Generalsekretär Ban Ki Moon mehr als 120 Staatenlenker an mit weißen Blumen geschmückte Tische im Uno-Foyer - eines der größten Bankette in der Geschichte der Vereinten Nationen. In seinem Trinkspruch beklagt er aber spitz die "auffällige Abwesenheit" eines Ehrengasts: "Ich nehme an, er ist gerade anderweitig beschäftigt."

Gemeint ist US-Präsident Barack Obama. Der hat zwar seine Rede vor der Vollversammlung gehalten, schwänzt aber den Gastro-Gipfel. Das wagte zuletzt Bill Clinton 1996. Der Grund war der selbe, damals wie heute: Wahlkampf.

Die Plenarrede ist Pflicht. Die multilaterale Massenspeisung jedoch passt nicht in Obamas Terminkalender, sieben Wochen vor der Wahl. An seiner Stelle sitzt US-Außenministerin Hillary Clinton, rechts neben Ban in illustrer Tischgesellschaft - darunter Jordaniens König, Ägyptens Präsident und der Emir von Katar.

Es ist ein vielsagender Moment an diesem Tag, da Obama wie auch sein Rivale Mitt Romney kreuz und quer durch New York jagen. Die beiden übertrumpfen sich hier geradezu mit Reden und Auftritten, vom intimen TV-Interview in einer Hotelsuite bis hin zur Mega-Kulisse des Uno-Plenums mit seinen mehr als 1800 Sitzen.

Die Staatschefs, Monarchen, Botschafter, Delegierten und Hollywood-Stars, die ebenfalls in Manhattan eingefallen sind, sehen sich zu Statisten eines endlosen Wahlspots reduziert. Das wichtigere Publikum sind die US-Wähler.

Bei denen dürfte Obama mehr gepunktet haben, zumindest an diesem Tag. Schon dank der Insignien seines Amtes, die ihm das Uno-Marmorpodium garantieren, vor den schillernden Nationaltrachten der ganzen Welt.

Romneys größtes Forum dagegen ist hier ein zwar ebenfalls prominent besetzter, aber spürbar engerer Ballsaal, wo zeitgleich die Clinton Global Initiative (CGI) tagt, die Wohltätigkeitsorganisation Bill Clintons. Leider spricht auch Obama dort später - und beweist: Er ist der Bessere, egal in welchem Ambiente.

Glanz und Gloria bei der Uno

Sein Morgen beginnt mit viel Glanz und Gloria. Das hallende Uno-Auditorium kommt Obamas Redestil entgegen. In Kadenzen verurteilt er Extremisten, doch verteidigt die Redefreiheit, fordert Toleranz und Respekt und erhebt den getöteten US-Botschafter Chris Stevens zur Personifizierung amerikanischen Goodwills.

Hehre Worte, gerichtet an die Wähler daheim, die sich eigentlich nicht um die Außenpolitik scheren, doch nach den Unruhen der vergangenen Wochen verunsichert sind. Ihnen will Obama zeigen, dass er das Heft fest in der Hand hält.

Um konkrete Lösungen der akuten Krisen drückt er sich aber. Israel, Palästina, Iran, Syrien: Neue Ansätze bleibt Obama schuldig. "Mehr Fragen als Antworten", nörgelt "Time". Es soll reichen, jedenfalls für die Zielgruppe: Staatsmännische Bilder, live auf allen Kanälen.

Obama, als ungesellig bekannt, verzichtet nicht nur auf den Delegationslunch. Auch lässt er die Gespräche mit Amtskollegen sausen, die man sonst in dieser Uno-Woche führt. Selbst Netanjahu lässt er abblitzen. Solche Politik per Fernbedienung funktioniere nicht, klagt ein arabischer Diplomat in der "New York Times".

Obamas Wahlkampfspender haben da bessere Chancen auf ein Tête-à-Tête: Unter denen verlost der Kandidat am Dienstag ein "Dinner mit Barack": "Wir übernehmen die Flugkosten." Die Uno-Talks dagegen muss Ministerin Clinton übernehmen, ein geopolitisches Speed-Dating.

Obama setzt auf andere. Schon am Vortag der Uno-Sitzung ist er hier, um sich mit First Lady Michelle in einem TV-Studio viel brennenderen Fragen zu stellen - in der Frauen-Show "The View" bei ABC. Da lässt er sich von Whoopi Goldberg anhimmeln und überreicht Talk-Queen Barbara Walters einen Präsentkorb zum Geburtstag.

Was trägt Romney im Bett? "So wenig wie möglich"

Romney mokiert sich über Obamas Ausflug zu diesen "hochriskanten" Quasselstrippen. Dabei sollte der lieber schweigen: Exakt eine Woche zuvor war er hier selbst in der Talkshow "Live with Kelly und Michael" und gestand, was er im Bett gerne anziehe: "So wenig wie möglich."

Beim Wähler schlägt Trash die hohe Politik. Es sei "unwahrscheinlich", dass Obamas Uno-Rede "so folgenschwer ist wie seine Diskussion mit Whoppi Goldberg", sagt der Wahlstratege Doug Schoen der Website "Daily Beast".

Doch alles hat seinen Zweck hier. Die Uno gibt Obama staatsmännisches Flair, die Damenrunde ein Jedermann-Image - und der abschließende Besuch bei Bill Clintons Wohltäterverein das Etikett Mann von Welt.

Dort leistet sich Obama unter den Fittichen seines besten Wahlkampf-Buddys den Luxus, 23 Minuten lang ausschließlich über das Thema Menschenhandel zu dozieren. Auch verkündet er eine präsidiale Exekutivanordnung zur Unterbindung dieser "modernen Sklaverei".

Das Publikum springt zu einer langen Ovation auf die Füße. Darunter: Chanteuse Barbra Streisand, Hollywood-Star Geena Davis, Ex-Außeninisterin Madeleine Albright, Rapper Will.i.am. Eine Viertelstunde später sitzt Obama schon wieder im Helikopter "Marine One", auf dem Weg zum Kennedy-Flughafen.

Attacke in der Publik Library

Im Vergleich zu diesem umjubelten Gastspiel verkümmert Romneys Rede bei der GCI zum reinen Obama-Vorprogramm. Mit seinem steifen Auftreten ist der auf verlorenem Posten in diesem VIP-Saal, der ihm höflichen, doch nur mäßigen Beifall spendet.

Auch Romneys Gedanken zünden kaum. Er predigt die freie Marktwirtschaft als Heiler der Welt, eine Art "Neocon Light". Doch das wirkt kleingeistig vor den großen Zügen dieser VIP-Konferenz - und Obamas humanitären Gesten.

"In einem Jahr hoffe ich, zu diesem Treffen als Präsident zurückzukehren", verabschiedet sich Romney. Doch auch eine Runde TV-Interviews, mit denen er Obamas Außenpolitik attackiert, verblassen vor dessen Globalbombast. Und anschließend, auf einer Bildungskonferenz in der Public Library an der Fifth Avenue, wird er mit aggressiv-kritischen Fragen konfrontiert.

An diesem Mittwoch sind die Kandidaten längst woanders - beide touren durch den "Swing State" Ohio. "Wir werden versuchen", hofft Uno-Generalsekretär Ban, "ihn beim nächsten Mal zu sehen." Er meint natürlich Obama.

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1. der Fall ist klar
el_aleph 26.09.2012
Wenn Obama Europäer wäre, könnte man sich die Wahl wohl sparen. Der Sportartikel versucht erst gar nicht, ausgewogen zu sein. Die Rollen sind klar verteilt: Hier der sympathische, intelligente Staatsmann und dort der Dorftrampel, der sich auf eine Bühne begibt, die zwei Nummern zu gross ist. Es ist Schade, dass die Wähler in der Vereinigten Staaten nicht den Spiegel lesen!
2. muss das sein
goldenboy1989 26.09.2012
Warum muss es heisen, "Der LUNCH der Delegationen ist stets ein Höhepunkt ..." oder "getöteten US-Botschafter Chris Stevens zur Personifizierung amerikanischen GODWILLS." Eines der renommiertesten und meißtgelesenen Internet-Nachrichtenblätter verliert sich äußerst oft in Anglizismen. Dann muss man es halt umschreiben. Ist doch wirklich nicht zu glauben.
3. Oooch naa jaa
Torfkopp 26.09.2012
Zitat von el_alephWenn Obama Europäer wäre, könnte man sich die Wahl wohl sparen. Der Sportartikel versucht erst gar nicht, ausgewogen zu sein. Die Rollen sind klar verteilt: Hier der sympathische, intelligente Staatsmann und dort der Dorftrampel, der sich auf eine Bühne begibt, die zwei Nummern zu gross ist. Es ist Schade, dass die Wähler in der Vereinigten Staaten nicht den Spiegel lesen!
es gibt auch noch andere Medien : Aber nicht wundern : "Welt" (http://www.welt.de/vermischtes/article109457028/Mitt-Romney-will-das-Flugzeugfenster-oeffnen.html)
4. Menschenskind...
hauptsache_dagegen 26.09.2012
Hört doch endlich auf, europäische Maßstäbe anzusetzen für einen US-Wahlkampf. Dieser wird nämlich nicht in der UN-Zentrale in NY entschieden - noch nicht einmal im Rest der Stadt oder auch nur irgendeiner Großstadt. Sondern in den Käffern der Swing States. Und Großbauer John Doe sind Präsidenten sympatisch, die von Außenpolitik genauso viel Ahnung haben, wie sie selbst. Versteht das doch bitte mal: George W. Bush ist nicht trotz seiner Unfähigkeit zwei Mal Präsident geworden - sondern wegen!
5. Und ?
MADmanOne 26.09.2012
Zitat von el_alephWenn Obama Europäer wäre, könnte man sich die Wahl wohl sparen. Der Sportartikel versucht erst gar nicht, ausgewogen zu sein. Die Rollen sind klar verteilt: Hier der sympathische, intelligente Staatsmann und dort der Dorftrampel, der sich auf eine Bühne begibt, die zwei Nummern zu gross ist. Es ist Schade, dass die Wähler in der Vereinigten Staaten nicht den Spiegel lesen!
Was wundern sie sich ? Der Spiegel ist aus meiner Sicht kein neutrales Medium, war er nie. Und die amerikanischen Demokraten sind bei den Europäern nun mal beliebter als deren Republikaner. Das hat mit den kulturellen Unterschieden zwischen Europa und Amerika zu tun (ja die gibt es). Selbst der Langweiler Al Gore war hier beliebter. Hier in Deutschland verbinden viele mit den amerikanischen Republikanern eine Art amerikanische FDP die gerne Krieg spielt, für Waffen und gegen Gesundheitssysteme ist (sofern die Leute überhaupt verstehen, daß die Republikaner dort nix mit unseren Republikanern hier zu tun haben). Das kommt hier nun mal nicht so gut an. Da trägt der Spiegel zwar nicht zur Aufklärung bei aber Schuld ist er daran auch nicht...schließlich ist es auch nicht ganz unwahr. Ich persönlich favorisiere auch eindeutig die Demokraten, weil Ihre Politik meiner Vorstellung noch am nächsten kommt. Aber eigentlich ist das auch egal, ich bin kein Amerikaner und muss mich daher eher mit unserer Parteienlandschaft auseinandersetzen.
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Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
Uno-Sicherheitsrat
Der Uno-Sicherheitsrat , oft auch Weltsicherheitsrat genannt, ist das mächtigste Organ der Vereinten Nationen . Ihm gehören die fünf ständigen Mitglieder USA , Russland , Großbritannien , Frankreich und China sowie zehn nichtständige Mitglieder an, die in zweijährigem Wechsel unter Berücksichtigung einer angemessenen geografischen Verteilung von der Uno-Generalversammlung gewählt werden. Jedes der fünf ständigen Ratsmitglieder kann mit seinem Vetorecht alle ihm nicht genehmen Beschlüsse des Rates blockieren. Auch müssen Entscheidungen mit mindestens neun Stimmen gefasst werden. Viele Beschlüsse wurden so verhindert oder blieben wirkungslos.
Der Vorsitz im Sicherheitsrat rotiert monatlich in der alphabetischen Reihenfolge der englischen Ländernamen.
Aufgaben
Dem Uno-Sicherheitsrat kommt nach Artikel 24 der Uno-Charta die "Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens" zu. Das Gremium ist das einzige Organ der Uno , das völkerrechtlich verbindliche Beschlüsse für alle 191 Mitgliedstaaten der Weltorganisation fassen und deren Durchsetzung erzwingen kann.
Der Uno-Sicherheitsrat bietet ein Forum zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten und hat eine Untersuchungs-, Vermittlungs- und Vergleichsfunktion. Während andere Uno-Organe nur Empfehlungen abgeben können, hat der Weltsicherheitsrat nach Artikel VII der Uno-Charta auch das Recht, bindende militärische Zwangsmaßnahmen einzuleiten, sofern Staaten Aggressionen gegen andere Länder begehen oder auf andere Art den Frieden in der Welt ernsthaft gefährden. Er kann auch die Anwendung beschlossener Zwangsmaßnahmen durch einzelne Staaten erlauben. Immer wieder hat er weltweit Friedenstruppen eingesetzt, die sogenannten Uno-Blauhelme . Auch Wirtschafts- und Handelssanktionen kann der Rat verhängen.
Geschichte
Bei der Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 erhielten die USA , die Sowjetunion , Großbritannien , Frankreich und China (damals vertreten durch Taiwan ) einen ständigen und mit Vetorecht ausgestatteten Sitz im Weltsicherheitsrat. Hinzu kamen zunächst sechs nichtständige Mitglieder, deren Zahl 1963 auf Beschluss der Uno-Generalversammlung auf zehn erhöht wurde. Seitdem hat der Rat insgesamt 15 Mitglieder. Erst 1971 wurde der ständige Sitz Taiwans (Nationalchina) an die Volksrepublik China übergeben.
Die Struktur des Rates ist von den Verhältnissen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geprägt. 1945 hatte die Uno 50 Mitglieder, heute 191, unter anderem, weil damals Dutzende Länder der Dritten Welt noch Kolonien waren. Deutschland und Japan, die seit Jahren nach den USA der zweit- und der drittgrößte Beitragszahler der Uno sind und nun ständige Ratssitze anstreben, waren bei der Uno-Gründung noch als "Feindstaaten" eingestuft.