Washington - US-Präsident Barack Obama hat Chinas Regierung vorgeworfen, Cyberattacken gegen die Vereinigten Staaten unterstützt zu haben. "Wir haben China und anderen staatlichen Akteuren klargemacht, dass wir von ihnen erwarten, dass sie die internationalen Regeln einhalten", sagte er in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender ABC. Hinter einigen der Hackerangriffe stehe der Staat, andere würden "nur von Kriminellen" verübt, so der Staatschef.
Obama erklärte, mit China und anderen "ziemlich harte" Gespräche über die Hackerattacken zu führen. Zugleich warnte er davor, im Zusammenhang mit Cyberangriffen "Kriegsrhetorik" zu gebrauchen, wie es zuvor einige Abgeordnete gemacht hatten. Zwischen Attacken im Netz und einem Krieg bestehe ein großer Unterschied, sagte der Präsident. Allerdings sei "absolut wahr, dass wir eine stetig zunehmende Bedrohung durch Cyberangriffe sehen".
Zuvor hatte der Nationale Geheimdienstdirektor der USA, James Clapper, in seinem jährlichen Bericht an den Kongress vor den zunehmenden Gefahren durch Cyberangriffe gewarnt. Durch Spionage über das Internet drohten Geheimnisse der US-Militärtechnologie verloren zu gehen. Zudem könnten Hacker "wichtige Infrastrukturen" wie Stromnetze oder die Wasserversorgung lahmlegen, sagte Clapper am Dienstag.
Am Montag hatte bereits der Nationale Sicherheitsberater der US-Regierung, Tom Donilon, die chinesische Regierung aufgefordert, dem Diebstahl von Daten Einhalt zu gebieten. Er sprach über die wachsende Beunruhigung über Sicherheitsrisiken in den USA, die durch Cyberspionage entstehe und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Kosten für Amerika. Donilon sagte, US-Firmen würden zunehmend über Datendiebstahl aus China klagen. Peking müsse ernsthafte Schritte unternehmen, diese Aktivitäten zu verfolgen und zu beenden.
Im Februar hatte eine Untersuchung der US-Sicherheitsfirma Mandiant die Aufmerksamkeit auf eine Sondereinheit der chinesischen Armee gelenkt. Diese soll mit Hunderten Hackern von einem Gebäude in Shanghai aus Unternehmen und Behörden in den USA ins Visier nehmen. Ein Bericht des US-Kongresses vom vergangenen Jahr bezeichnete China als den "bedrohlichsten Akteur im Cyberspace".
Die Volksrepublik weist die Vorwürfe zurück. Sie betont, selbst Opfer von Hackerangriffen zu sein. Am Mittwoch zeigte sich Peking aber bereit, mit den USA und anderen Staaten im Kampf gegen Cyberkriminalität zusammenzuarbeiten. "Was wir im Cyberspace brauchen ist nicht Krieg, sondern eher Regulierung und Kooperation", erklärte das chinesische Außenministerium.
heb/AFP/Reuters
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