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Erstes Treffen nach NSA-Affäre: Obama lädt Merkel ein

Merkel, Obama (2011 auf einem G-20-Gipfel): Einladung ins Weiße Haus Zur Großansicht
AP

Merkel, Obama (2011 auf einem G-20-Gipfel): Einladung ins Weiße Haus

Es wird das erste Treffen nach den Enthüllungen über die US-Überwachung von Merkels Handy. In einem Telefonat hat Präsident Obama der Kanzlerin baldige Genesung gewünscht - und sie nach Washington eingeladen. Merkel nahm an. Bei Journalisten im Weißen Haus sorgte der Anruf für Gelächter.

Washington - Nach dem Skandal um die NSA-Überwachung hat Barack Obama die Bundeskanzlerin zu einem Besuch in Washington eingeladen. Der US-Präsident habe Angela Merkel bei einem Telefonat am Mittwoch zur Bildung ihrer neuen Regierung gratuliert und der Kanzlerin eine "baldige" Genesung nach ihrem Skiunfall gewünscht, erklärte das Weiße Haus.

Nicht erwähnt wurde, ob die beiden Regierungschefs auch konkret über die NSA-Affäre sprachen. Der Spähskandal belastet die Beziehungen zwischen Washington und Berlin. So überwachten US-Geheimdienste nicht nur massenhaft E-Mails und Telefonate von Menschen rund um die Welt, sondern auch das private Handy Merkels.

Beim täglichen Pressebriefing im Weißen Haus sorgte der Anruf für Gelächter. Prompt fragte ein Journalist, ob Obama die Kanzlerin auf dem Handy oder auf einem Festnetz-Anschluss angerufen habe. Regierungssprecher Jay Carney schmunzelte, machte dann aber klar, dass Obama die Staats- und Regierungschefs anderer Länder in der Regel auf dem Festnetz anruft.

Merkels Besuch in Washington böte Obama die Möglichkeit, die Beziehungen zur Kanzlerin wieder zu verbessern. Das Treffen in der US-Hauptstadt könnte den Angaben zufolge in den kommenden Monaten stattfinden. Ein genauer Termin wurde nicht genannt. Merkel nahm die Einladung nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert an.

Im Telefonat ging es um das Handelsabkommen

Das Telefonat habe sich unter anderem um das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP und den Nato-Gipfel im September in Großbritannien gedreht, erklärte das Weiße Haus. Obama und Merkel würde sich darauf freuen, die "gemeinsamen Interessen" beider Länder voranzubringen.

Die Kanzlerin war zuletzt im Juni 2011 in Washington zu Gast. Damals wurde ihr im Weißen Haus die Freiheitsmedaille verliehen, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Obama war im vergangenen Juni zu Besuch in Berlin - damals war die NSA-Affäre durch erste Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden gerade ausgebrochen.

Obama traf im Nachgang des Skandals am Mittwoch ebenfalls im Weißen Haus zu Beratungen mit Vertretern der Geheimdienste sowie mit Datenschützern zusammen, um an der noch in diesem Monat erwarteten Geheimdienstreform zu feilen. Details zu den Gesprächen wurden nicht bekannt.

fab/AFP/dpa

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1. G u t
mehrgedanken 08.01.2014
Zitat von sysopAPEs wird das erste Treffen nach den Enthüllungen über die US-Überwachung von Merkels Handy. In einem Telefonat hat Präsident Obama der Kanzlerin baldige Genesung gewünscht - und sie nach Washington eingeladen. Merkel nahm an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-wuenscht-merkel-gute-besserung-laedt-nach-washington-ein-a-942530.html
Gut dass sie sich treffen, hoffentlich reden sie auch über die elementaren Bürgerrechte zur Privatssphäre. Ein wie auch immer Handelsabkommen ist kein weltweites Bürgerrecht und bei solch einem Besuch zweitrangig.
2. Schiedsgerichte
karl15 08.01.2014
Heutzutage erleben wir leider überall Angriffe auf unsere Freiheit und Demokratie. Die mit dem Freihandelsabkommenden geheimen Schiedsgerichte sind jedenfalls bestens dafür geeignet, demokratische Entscheidungen zu untergraben.
3. Schon die Bezeichnung...
anja-boettcher1 08.01.2014
"Freihhandelsabkommen" ist eine große Lüge, da es hierbei nur um die Aussetzung von Verbraucherrechten zum Nutzen der großen multinationalen (vor allem US-amerikanischen) Konzerne geht. Auf Basis der Kenntnis, dass die US-Behörden aktiv die Interessen der US-Konzerne vertreten und den Anspruch haben, alle unsere Wirtschaftsdaten auszuspionieren - gute Nacht! Verkaufen unsere Volksvertreter jetzt selbst die Interessen des Mittelstands, nachdem sie auch schon nichts von unseren Grundrechten halten? Dann können wir gleich unsere Agrarflächen Monsantos zur Verfügung stellen, unser Grundwasserkosten an Exxon Mobile zum Fracken verscherbeln und die biologische Landwirtschaft zu Gunsten amerikanischer Chlorhühnchenproduzenten dichtmachen. Und falls irgendwo lokale Bürgerproteste den Multis den erhofften Profit vermasseln, können Schiedsstellen - unter Umgehung von Gerichten - verfügen, dass die Multis sich aus dem Steuersäckel entschädigen lassen können, ohne auch nur einen Euro investiert zu haben. Wer will denn ernsthaft einen solchen Ausverkauf unseres Landes? Die Bürger wohl kaum! Und Scientology darf wohl demnächst Kirchensteuer eintreiben! Was Clinton und Bush nicht geschafft haben, nämlich einer kriminellen Organisation die Akzeptanz als Kirche zu verschaffen, das bekommt Obama mit unserer willfährigen Kanzlerin hin. Armes Deutschland! Armes Europa!
4. Gegenseitiges Wunden-lecken
MichaelKlein 08.01.2014
Eine Farce. Das Freihandelabkommen würde ich nach dieser NSA Geschichte für nichtig erklären. Unfassbar.
5. Rückgrat
rgw_ch 08.01.2014
Rückgrat hat sie offensichtlich eher nicht, die Dame. Und jetzt auch noch das Becken kaputt. Sie kriecht zu Obama, um sich für die bösen Worte aus Deutschland wegen NSA zu entschuldigen. Eigentlich wäre er es, der sich zu entschuldigen hätte. Er hätte kommen müssen. Aber vermutlich hat er eben mehr Rückgrat - Allerdings dafür keine Skrupel, Leute zu ermorden. Ich weiss auch nicht so recht, was für ein Staatschef mir lieber ist. Eigentlich keiner von Beiden.
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