Obamas Erklärung "Der Gerechtigkeit ist Genüge getan"

In einer Rede an die Nation gab Barack Obama in der Nacht zum Montag die Tötung des Terrorchefs Osama Bin Laden bekannt. "Der Gerechtigkeit ist Genüge getan", sagte der US-Präsident.

REUTERS

Washington - In einer TV-Ansprache unterrichtete Präsident Barack Obama die US-Bevölkerung über die tödliche Kommandoaktion gegen Osama Bin Laden. "Der Gerechtigkeit ist Genüge getan", sagte er. Der Wortlaut der Rede an die Nation nach einer dpa-Übersetzung:

"Heute kann ich dem amerikanischen Volk und der Welt mitteilen, dass die USA eine Operation durchgeführt haben, die Osama Bin Laden getötet hat, den Führer der al-Qaida und einen Terroristen, der für den Mord an Tausenden von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern verantwortlich ist.

Es ist fast zehn Jahre her, dass ein strahlender Septembertag durch den schlimmsten Angriff auf das amerikanische Volk in unserer Geschichte verdunkelt worden ist. Die Bilder vom 11. September haben sich in unser nationales Gedächtnis eingebrannt - entführte Flugzeuge, die durch einen wolkenlosen Septemberhimmel schneiden, die Zwillingstürme, die auf den Boden zusammenstürzen, schwarzer Rauch, der aus dem Pentagon aufsteigt, das Wrack von Flug 93 in Shanksville, Pennsylvania, wo die Handlungen heroischer Bürger noch mehr Herzerreißen und Zerstörungen verhindert haben.

Und doch wissen wir, dass die schlimmsten Bilder jene sind, die unsichtbar für die Welt geblieben sind. Der leere Platz am Esstisch. Kinder, die gezwungen waren, ohne ihre Mutter oder ihren Vater aufzuwachsen. Eltern, die niemals erleben würden, wie es sich anfühlt, von ihrem Kind umarmt zu werden. Fast 3000 Bürger wurden uns genommen, eine klaffende Lücke blieb in unseren Herzen zurück.

"Wir boten den Verwundeten unser Blut"

Am 11. September 2001, in unserer Zeit der Trauer, standen die Amerikaner Seite an Seite. Wir boten unseren Nachbarn die Hand, und wir boten den Verwundeten unser Blut. Wir erneuerten unsere Bande zueinander, bekräftigten unsere Liebe zur Gemeinde und zum Land. An diesem Tag, ganz gleich, woher wir kamen, zu welchem Gott wir beteten oder welcher Rasse wir angehörten, waren wir vereint wie eine amerikanische Familie.

Wir waren auch vereint in unserer Entschlossenheit, unsere Nation zu schützen und jene, die diese heimtückischen Attacken ausgeführt haben, zur Rechenschaft zu ziehen.

Wir haben schnell herausgefunden, dass die Angriffe vom 11. September von al-Qaida ausgeführt wurden - einer Organisation unter Führung von Osama Bin Laden, die öffentlich den USA den Krieg erklärt und sich verschworen hat, Unschuldige in unserem Land und rund um die Welt zu töten. Und so haben wir einen Krieg gegen al-Qaida begonnen, um unsere Bürger, unsere Freunde und Verbündeten zu schützen.

In den vergangenen zehn Jahren haben wir, dank der unermüdlichen und heroischen Arbeit unseres Militärs und unserer Terrorabwehr-Experten, große Fortschritte bei diesen Bemühungen erzielt. Wir haben Terrorattacken vereitelt und unseren Heimatschutz verstärkt. In Afghanistan haben wir die Taliban-Regierung beseitigt, die Bin Laden und al-Qaida sichere Zuflucht und Unterstützung gewährt hatte, und rund um die Welt haben wir mit unseren Freunden und Verbündeten daran gearbeitet, Dutzende von al-Qaida-Terroristen zu fassen oder zu töten, darunter mehrere, die am Komplott vom 11. September beteiligt waren.

"Kein Amerikaner kam zu Schaden"

Aber Osama Bin Laden entkam der Festnahme und flüchtete über die afghanische Grenze nach Pakistan. Mittlerweile operierte al-Qaida weiter von der Grenze aus und mit Hilfe von Verbündeten in verschiedenen Teilen der Welt.

Und so habe ich kurz nach meinem Amtsantritt Leon Panetta, den Direktor der CIA, angewiesen, die Tötung oder Gefangennahme Bin Ladens zur Top-Priorität in unserem Krieg gegen al-Qaida zu machen, während wir unsere breiteren Bemühungen fortsetzen, sein Netzwerk zu stören, auseinanderzunehmen und es zu besiegen.

Dann, im vergangenen August, nach Jahren akribischer Arbeit durch unsere Geheimdienste, wurde ich von einer möglichen Spur zu Bin Laden unterrichtet. Es war bei weitem nicht sicher, und es bedurfte vieler Monate, um die Sache wasserdicht zu machen. Ich habe mich wiederholt mit meinem nationalen Sicherheitsteam getroffen, während wir mehr Informationen über die mögliche Entdeckung Bin Ladens versteckt in einem Anwesen tief innerhalb von Pakistan gesammelt haben. Und schließlich, vergangene Woche, habe ich entschieden, dass wir über genügend geheimdienstliche Erkenntnisse verfügten, und ich habe grünes Licht für eine Operation gegeben, Osama Bin Laden zu fassen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Heute, auf meine Anweisung, starteten die USA eine gezielte Operation gegen das Anwesen in Abbottabad, Pakistan. Ein kleines Team von Amerikanern führte die Operation mit außergewöhnlichem Mut und außergewöhnlicher Fähigkeit aus. Kein Amerikaner kam zu Schaden. Sie achteten darauf, zivile Opfer zu vermeiden. Nach einem Feuergefecht töteten sie Osama Bin Laden und nahmen seine Leiche in Gewahrsam.



Forum - Der Tod Bin Ladens - ein nachhaltiger Schlag gegen den Terror?
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HansOch 02.05.2011
1. Bin Laden
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
woener 02.05.2011
2. Profile
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht beseitigt ist und die "Terrorschutz - Notstandsgesetze" erhalten bleiben. Ob man in der CDU dann gleich zur umfassenden Einführung aller Notstandsgesetze greift? Die Bespitzelungsgesetze werden nun aber zur Bewährungsprobe für die FDP werden können, eine neue Chance zur Profilierung?
Greg84 02.05.2011
3.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
4. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
5. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
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