Obamas Amtseinführung: Washington feiert die Party des Jahres

Von Jan Drebes, und , Washington

AP

Erst der Eid, dann ein Express-Festmahl im Kapitol, 2,5 Kilometer Parade und abends zwei offizielle Bälle: An diesem Montag wird US-Präsident Obama erneut vereidigt. Bis zu 800.000 Menschen werden in Washington feiern - die Fakten zur Party.

Der Präsident im Sonderangebot: Die Socken mit dem Logo "Obama 44" kosten im Laden 15 Dollar. Doch die Verkäuferin flüstert: "Gehen Sie auf unsere Website und geben Sie das Codewort '2013' ein, dann gibt's 15 Prozent Rabatt." Das Gleiche gilt für alle anderen Artikel hier. Zum Beispiel das Set Golfbälle mit Inaugurationssiegel (25 Dollar). Oder den Teddybär mit Obama-Schärpe (35 Dollar).

Kurz vor Barack Obamas Vereidigung ist wenig los in dem Geschäft an der F Street, unweit vom Weißen Haus. Hier werden die amtlichen Souvenirs der Festivitäten verhökert, auch um helfen, deren achtstellige Kosten wieder einzutreiben.

Dazu hat das Komitee, das die Sause plant, alles Erdenkliche mit Obamas Insignien versehen und ins Regal gestellt: Tassen, T-Shirts, Sektflöten, Münzen, Schlüsselanhänger, Kugelschreiber, Manschettenknöpfe, Schals, Badetücher. Und natürlich viele bunte Buttons: "Tänzer für Obama", "Surfer für Obama", "Trucker für Obama", "Skifahrer für Obama".

Trotzdem schleppt der Absatz. Schließlich ist dies ja schon Obamas zweiter Akt. Bis zu 800.000 Menschen haben sich dazu angesagt, weit weniger als die 1,8 Millionen, die vor vier Jahren der ersten, historischen Vereidigung eines schwarzen US-Präsidenten beiwohnten. Auch legte Obama Wert darauf, dass die Lustbarkeiten angesichts der Wirtschaftslage diesmal etwas bescheidener ausfallen. Will heißen: nur zwei offizielle Bälle statt zehn.

Was bleibt, ist traditioneller Pomp: Am Montag um Punkt zwölf Uhr mittags wird Obama auf den Kapitolsstufen vor Hunderten Ehrengästen den Amtseid sprechen, begleitet von Gesang und Gebet. Danach führen er und First Lady Michelle eine Parade über die Pennsylvania Avenue an, vom Kongress zum Weißen Haus. Der Tag klingt mit den Bällen aus - einer für 40.000 Zivilisten, einer für 4000 Soldaten.

Dennoch: Die große Obama-Show bleibt Washingtons Party des Jahres. Auch so bietet diese Vereidigung jede Menge Gesprächsstoff - von der "patriotischen" Speisenfolge für VIP-Gäste über die trotz allem exorbitant teuren Hotelsuiten - bis hin zum wenig bekannten Umstand, dass Obama seinen Amtseid am Montag nicht zum zweiten Mal ablegen wird, sondern zum vierten Mal (mehr dazu unten).

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Der vierfache Eid

Geht alles glatt, wird Obama erst der zweite Präsident der US-Geschichte sei, der seinen Amtseid viermal abgelegt hat. Doch während Franklin D. Roosevelt auch tatsächlich vier Amtszeiten antrat, war es bei Obama erst ein Missgeschick und dann der Kalender, der aus zwei Amtszeiten vier Amtseide machte. 2009 versprachen sich Obama und Chefrichter John Roberts und holten den Eid tags darauf nach. Diesmal hat Obama den Eid erst am Sonntag, dem verfassungsmäßigen Vereidigungsdatum, im Weißen Haus abgelegt - und wird ihn dann am Montag für das Volk wiederholen. Grund: Wenn gesetzliche US-Feiertage aufs Wochenende fallen, werden sie verschoben.

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Das Wetter

Die Open-Air-Festivitäten sind dem Wetter ausgeliefert. Präsident William Harrison ließ sich 1841 trotz eisiger Temperaturen ohne Mantel oder Hut vereidigen und hielt obendrein die längste Antrittsrede der Geschichte (8445 Worte). Drei Wochen später war er tot, vermutlich Lungenentzündung. Ronald Reagan hatte die Ehre, über die wärmste (1981, 13 Grad Celsius) wie die kälteste (1985, minus 14 Grad Celsius) Inauguration zu präsidieren. Letztere wurde kurzfristig in die Rotunda des Kapitols verlegt, da Reagan immerhin schon 74 war. Für Montag sind Temperaturen um den Gefrierpunkt angesagt, bei leichter Bewölkung.

Der ausgetauschte Segen

Eigentlich sollte Louie Giglio, der Pastor einer Megakirche in Atlanta, beim Festakt vor dem Kapitol den offiziellen Segen sprechen. Doch das Weiße Haus hatte übersehen, dass Giglio mal gegen Homosexuelle gepredigt hatte. Also ließ Obama Giglio gegen Luis León austauschen, den Pastor der episkopalischen Saint John's Church am Weißen Haus. Es ist die Lieblingskirche der Obamas, wo sie auch vor der Feier am Montag beten werden. León, der auch George W. Bushs zweite Vereidigung segnete, ist als schwulenfreundlich bekannt.

Express-Lunch

Nach der Vereidigung wird für Obama und rund zweihundert VIP-Gäste im Kapitol ein Lunch serviert. Das Festmahl in der Statuary Hall, im Schatten von 100 Statuen, ist eine Herausforderung für die Köche: Die Speisenfolge - drei Gänge plus Tischreden - darf nicht mehr als 45 Minuten in Anspruch nehmen und muss "amerikanisch", darf aber "nicht politisch" sein. Das politisch-korrekte Präsidentenmenü für 2013: Hummer, gegrilltes Bison und Hudson Valley Apple Pie.

Die Parade

Als der erste US-Präsident George Washington 1789 von seinem Landsitz Mount Vernon in die damalige Hauptstadt New York reiste, um den Amtseid zu leisten, bildete sich im Schlepptau spontan eine Parade. Das wurde Tradition. Jimmy Carter war 1977 der erste Präsident, der die 2,5-Kilometer-Strecke vom Kapitol zum Weißen Haus zu Fuß absolvierte. Die längste Parade gab es 1953 für Dwight D. Eisenhower: 22.000 Soldaten, 5000 Zivilisten, 73 Kapellen, 59 Festwagen, 350 Pferde, drei Elefanten und Schlittenhunde aus Alaska. Das Spektakel dauerte viereinhalb Stunden. Weshalb die Zahl der Teilnehmer jetzt auf 15.000 beschränkt ist.

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Die Dixie-Klo-App

Um den Besuchern der Vereidigung den Weg durch das Absperrungslabyrinth zu weisen, hat das Inaugurationskomitee zum ersten Mal in der Geschichte zwei Smartphone-Apps entwickelt. Sie zeigen unter anderem Zugangswege zur National Mall, Straßenkarten, Terminpläne, historische Fakten - und die genauen Standorte der 2400 Dixie-Klos. Für den Fall der Fälle hat das National Museum of Natural History der Smithsonian Institution außerdem 6900 Rollen Toilettenpaper gelagert.

Ballkarten? 4300 Dollar auf dem Schwarzmarkt

Vor vier Jahren ließ Washington den Tag noch mit zahllosen rauschenden Bällen ausklingen. Zehn waren vom Weißen Haus sanktioniert, die Obamas schauten bei allen vorbei. Ihr Tanz, bei dem Beyoncé den Blues-Oldie "At Last" sang, rührte die Nation zu Tränen. Diesmal gibt es nur zwei Megabälle. Restposten der 40.000 Eintrittskarten für den Hauptball - bei dem viele Stars singen sollen - gab es zuletzt auf dem Schwarzmarkt für 4300 Dollar. Wer sich das nicht leisten will, kann aus Hunderten privater Bällen und Partys auswählen, mit denen Washington bis in den Morgen feiert.

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Die Hotelpreise

Erschwingliche Hotels sind in Washington seit Monaten nicht mehr zu haben. Das Willard am Weißen Haus bietet noch eine Oval Suite, in Anlehnung ans Oval Office (5700 Dollar pro Nacht, Mindestaufenthalt vier Nächte, plus 27.000 Dollar Catering). Die wohl teuerste Zimmerflucht ist die Royal Suite im Four Seasons (20.000 Dollar pro Nacht, mindestens vier Nächte): 371 Quadratmeter, Esszimmer, Küche, mehrere Aufenthaltsräume im Art-déco-Stil, ein Schlafzimmer mit zwei Ankleidezimmern, Marmorbad, kugelsicheres Fensterglas rundum, separater Eingang, 93-Quadratmeter-Dachterrasse mit Feuerstelle. Dirk Burghartz, der neue, aus Düsseldorf stammende Manager des Hotels, muss freilich enttäuschen: Die Suite sei bereits vergeben.

Festung Washington

Washington wird zum Hochsicherheitstrakt. Abertausende Beamte des Secret Service, des FBI und der Polizei sind im Einsatz, assistiert von Scharfschützen, Bombenspürhunden und ferngesteuerten Überwachungskameras. Trotzdem sind mehrere Gegendemonstrationen geplant, unter anderem gegen Abtreibung und Obamas Drohnenkrieg. Größere Sorge bereiten den Planern aber die täglichen Morddrohungen gegen Obama, deren Zahl ein Secret-Service-Mann neulich als "überwältigend" bezeichnete. Hinzu kommt der logistische Alptraum der Menschenmassen. 2009 kam es zum Chaos, als Tausende auf dem Weg zur National Mall stundenlang in einer Unterführung festsaßen.

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1. Wurde auf der Titanic nicht auch bis zur letzten Sekunde getanzt ??
ratschbumm 21.01.2013
Zitat von sysopAPErst der Eid, dann ein Express-Festmahl im Kapitol, 2,5 Kilometer Parade und abends zwei offizielle Bälle: An diesem Montag wird US-Präsident Obama erneut vereidigt. Bis zu 800.000 Menschen werden in Washington feiern - die Fakten zur Party. http://www.spiegel.de/politik/ausland/obamas-inauguration-so-laeuft-washingtons-party-des-jahres-a-878700.html
Ok. so weit sind die USA noch nicht. Der Eisberg ist aber mit modernem Radar schon in der Ferne zu erkennen. Genau auf Kurs. "Volle Kraft voraus !" "Ay ay Käptn O."
2. Die Frau sieht aus
blaudistel 21.01.2013
als ob sie Zahnschmerzen hätte.
3. Obama's Massenverdummung!
beblein 21.01.2013
Dieser Rummel findet alle vie Jahre statt, mit viel Geld Aufwand und Geschrei. Zustande gebracht hat keiner etwas seit 1990. Krieg, Sex mit Monika, teil Impeachment Krieg, weiter Krieg, Wall Street zusammenbruch. Milliarden verplempert etc. Als Resulat sind wir endlich Pleite. Immer ein guter Anlass zu einer weiteren Stimmungsorgie fuer die naechste Imperial Majestaet.
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