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Obamas Nahost-Gesandter Mitchell: Der Mann, der nie aufgibt

Von Sebastian Borger, London

Er hat geschafft, was kaum jemand für möglich hielt - Frieden in Nordirland. Jetzt wird George Mitchell als Nahost-Vermittler von Barack Obama an den nächsten Krisenherd geschickt. Doch lässt sich seine Strategie für Irland auch auf den Nahen Osten anwenden?

George Mitchell eilt ein glänzender Ruf aus seiner Zeit im US-Senat voraus, der aber noch überstrahlt wird von seinem Erfolg in Nordirland. Dem Polit-Veteranen aus dem Bundesstaat Maine war es Ende der neunziger Jahre gelungen, einen brutalen Krieg mit einer sehr langen Vorgeschichte zu entschärfen.

Dort hätten unlängst "altgediente Feinde ihren uralten Konflikt beigelegt", sagte Mitchell jetzt bei seiner Vorstellung in Washington. "800 Jahre nach der britischen Eroberung Irlands, 86 Jahre nach der Teilung Irlands, 38 Jahre nach dem jüngsten Einmarsch der britischen Armee, elf Jahre nach dem Beginn von Friedensverhandlungen und neun Jahre nach Unterzeichnung eines Abkommens".

Und die Lehre daraus? "Kein menschlicher Konflikt ist unlösbar."

Obama und Mitchell: "Kein menschlicher Konflikt ist unlösbar"
AP

Obama und Mitchell: "Kein menschlicher Konflikt ist unlösbar"

Viele Nordiren würden hinzufügen: "für George Mitchell". Der Sohn eines irischstämmigen Vaters und einer libanesischen Mutter genießt auf allen Seiten des mühsam beigelegten Bürgerkriegs höchste Anerkennung. Wenn den einstigen Vermittler wieder einmal sein Ehrenjob als Kanzler der Queen's University nach Belfast bringt, "liegt ihm der Campus zu Füßen", schwärmt ein Uni-Sprecher.

Die Gefühle beruhen auf Gegenseitigkeit: "Die Menschen in Nordirland werden immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben", schrieb Mitchell in seinem Buch über die Zeit in Irland.

Drei lange Jahre, von 1995 bis 1998, betätigte sich der Vertraute des damaligen Präsidenten Bill Clinton als Shuttle-Diplomat, sprach unangenehme Wahrheiten aus, ließ sich Beleidigungen an den Kopf werfen und blieb dabei stets optimistisch. 700 Verhandlungstage lang hätten die Partner immer wieder Rückschläge und Niederlagen erlitten, sagt Mitchell. "Und dann waren wir erfolgreich." Es war der Karfreitag 1998, an dem die wichtigsten Parteien Nordirlands das gemeinsame Friedensabkommen unterzeichneten.

Sicherlich stellt Nordirland ein gutes Omen dar. Doch Parallelen mit dem Nahen Osten zu ziehen, "kann schwer in die Irre führen", warnt die Londoner "Times". "Zum Glück weiß Mitchell, warum." Auch in Dubliner Ministerien hält man den Vergleich für "ein bisschen vereinfachend".

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte
Übereinstimmend weisen Briten und Iren darauf hin: Der Befriedung des blutigen Konflikts ging eine jahrelange Kooperation der beiden demokratisch gewählten Regierungen in London und Dublin voraus. Zudem hatten es die Demokraten beider Inseln mit einem Gegner zu tun, dessen Hauptforderung wenigstens theoretisch erfüllbar war. Sinn Féin (SF), der politische Arm der inzwischen aufgelösten "Provisorischen Irisch-Republikanischen Armee" (IRA), hat zwar die Wiedervereinigung Irlands, nicht aber die Auslöschung Großbritanniens im Parteistatut verankert - wie es die Hamas für den israelischen Staat vorgesehen hat.

Mitchell ist die Brisanz der neuen Mission bewusst: Seine Analyse des Konflikts, die er 2000 noch für Präsident Clinton verfasste, ließ an deutlichen Forderungen an beide Seiten nichts zu wünschen übrig – Gewaltverzicht der Palästinenser, Abzug Israels aus den Siedlungen der West Bank. Seither haben sich die Fronten eher noch verhärtet. Beispielsweise ist keineswegs klar, ob den Israelis und ihren Nachbarn eine legitime Machtausübung durch die Hamas überhaupt recht wäre.

Er habe das Ende des Konflikts in Nordirland miterlebt, sagt Mitchell. "Zugegebenermaßen hat es sehr lang gedauert." Diese Parallele zwischen seiner alten und seiner neuen Aufgabe stimmt auf jeden Fall.

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