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Syrische Ölfelder: Al-Qaida scheffelt Petrodollars

Von Ulrike Putz, Beirut

Syrien: Ölfelder unter Terrorkontrolle Fotos
REUTERS

Die meisten Ölfelder im Osten Syriens werden inzwischen von radikalen Rebellen kontrolliert. Die Einnahmen machen die Islamisten von Geldgebern im Ausland unabhängig - und damit kaum noch kontrollierbar.

Syriens Extremisten haben sich eine lukrative Einnahmequelle verschafft: Sie verkaufen Rohöl und Derivate aus Quellen, die sie im Osten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben. "Gruppen wie der Islamische Staat in Syrien und Irak (ISIS) und die Qaida-nahe Nusra-Front sind durch den Verkauf des Öls zumindest teilweise politisch unabhängig geworden", sagt Walid Khadduri, Beiruter Öl-Experte des Middle East Economic Survey.

Die Erlöse aus dem Verkauf schätzt Khadduri auf einige zigtausend US-Dollar täglich: "Wenn man die weltweite Petro-Industrie als Maßstab nimmt, ist das nicht viel. Aber für eine Miliz sind das schon ordentliche Einnahmen."

Abnehmer des Rohöls und simpler, vor Ort hergestellter Derivate seien die lokale Bevölkerung, Schmuggler, die die Ware in die Türkei brächten - und auch die syrische Regierung, sagt Khadduri. "Das Regime braucht Treibstoff, um seine Armee mobil zu halten", erklärt der Öl-Experte den Handel zwischen den verfeindeten Gruppen.

Für die Rohstofflieferungen erhalten die Rebellen von der Regierung in Damaskus aber offenbar nicht nur Geld, sondern auch Zugeständnisse auf dem Schlachtfeld: Moderate Rebellen beklagen seit Monaten, dass die Islamisten von Baschar al-Assads Regime verschont würden. Obwohl deren Stellungen bekannt seien, seien sie nicht Ziel von Luftschlägen. Beobachter vermuten, dass dies im Zusammenhang mit den Öl-Geschäften zwischen Radikalen und Damaskus stehen könnte.

Die Fachleute beobachten die Öl-Ambitionen der Extremisten mit Sorge: Je mehr Geld die Aufständischen durch ihren Rohstoffhandel einnähmen, desto weniger Einfluss hätten ausländische Geldgeber wie Privatleute und Stiftungen aus den Golfstaaten auf die Gruppen, warnte ein westlicher Diplomat in Beirut.

Allerdings ist fraglich, wie lange die Kämpfer noch von den Einnahmen und der damit verbundenen Unabhängigkeit profitieren können. "Die erbeuteten Anlagen sind hochkomplex. Die Rebellen haben aber gar nicht das Know-how, diese funktionsfähig zu halten", sagt Wolfgang Mühlberger, Nahost-Experte bei der Landesverteidigungsakademie Wien.

Öl sichert den Extremisten Einfluss auf Syriens Zukunft

Ölquellen seien besonders pflegeintensiv, sagt auch Khadduri aus Beirut. "Am Anfang reicht es, wenn man den sogenannten Weihnachtsbaum, eine Art Ventil, aufdreht. Dann steigt das Erdöl durch den Druck auf dem Feld von allein an die Oberfläche." Doch auf die Dauer seien Experten nötig, um ein Vorkommen auszubeuten. "Wenn man die Anlagen falsch bedient, kann man ein Ölfeld schnell ruinieren." Die Rebellen dürfte das jedoch kaum interessieren: "Sie denken an den kurzfristigen Profit."

Doch auch wenn das "schwarze Gold" bald nicht mehr fließen sollte, sichert die Kontrolle der Ölfelder den radikalen Gruppen Einfluss auf die Zukunft Syriens. "Eines Tages werden auch die extremsten Gruppen über ihre Rolle nach dem Krieg verhandeln wollen. Und dann haben sie mit den Ölfeldern eine wichtige Trumpfkarte, die sie ausspielen können."

Deshalb wird der Kampf um die Bodenschätze unter den Rebellen erbittert geführt. Am Wochenanfang gelang es einer Allianz unter der Führung des Qaida-Ablegers Nusra-Front, ihre Rivalen von ISIS aus der ölreichen Provinz Deir al-Sor zu vertreiben. Der Rückzug von ISIS war ein weiterer Etappensieg der Nusra-Front und ihrer gemäßigten Verbündeten im Kampf gegen die Qaida-Filiale. Die Radikalislamisten, die im vergangenen Jahr große Gebiete im Osten des Landes erobern konnten, haben in den vergangenen Wochen massiv an Einfluss verloren.

Die syrische Öl-und Gasindustrie hat durch den schon im dritten Jahr geführten Krieg massiv gelitten. Vor Ausbruch der Kämpfe im Jahr 2011 förderte das Land etwa 400.000 Barrel Rohöl täglich. Ende 2013 war die Förderrate aber bereits auf weniger als 80.000 Barrel pro Tag gesunken. Die Infrastruktur zur Förderung, Veredelung und zum Transport der Rohstoffe ist durch die Gefechte zum Teil massiv beschädigt worden. Das führte zu akuten Engpässen in der Benzinversorgung: Inzwischen ist Syrien, das einst Erdöl exportierte, auf den Import des Rohstoffs angewiesen.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Na super!
Black-Ghost 22.02.2014
Na super, in Afghanistan bekämpfen die die Al Qaida mit Pauken und Trompeten, unsere Soldaten sterben, und für was? Für nichts, oder glauben die sog, Führer der westlichen Welt etwa das die syrischen Ableger ihre Einnahmen behalten und sie nur ausgeben werden um in Syrien gegen Assad zu kämpfen??? Die wahren Feinde des Friedens sind nicht Assad oder die iranischen Staatsmänner, die wahren Feinde sitzen in Washington und in Brüssel. An alle Beteiligten: Wie kann ich den Soldaten und Angehörigen der bisher im sog. "Kampf gegen den Terror" gestorbenen Menschen erklären warum die Al Qaida in Afghanistan die bösen und in Syrien die guten sind????? Ich wette, jeder wird mir eine dafür logische Erklärung schuldig bleiben! Ihr begeht Völkermord unter dem Decknamen "Kampf gegen den Terror" und im Interesse der internationalen Finanz sowie Industrielobby. Das ist Hochverrat am Volk. Das ist meine freie Meinung und somit nach Art. 5 GG gedeckt!
2. Al-qaida
juerler@saxonia.net 22.02.2014
Zitat von sysopREUTERSDie meisten Ölfelder im Osten Syriens werden inzwischen von radikalen Rebellen kontrolliert. Die Einnahmen machen die Islamisten von Geldgebern im Ausland unabhängig - und damit kaum noch kontrollierbar. http://www.spiegel.de/politik/ausland/oel-in-syrien-extremisten-kontrollieren-die-meisten-felder-im-osten-a-954912.html
mit der Unterstützung der Opposition in Syrien durch die USA ist ihnen wieder (Lybien,Irak......)genialer Schachzug gelungen! Strategisch sind Sie Spitze.
3. Nichts kann und tut der Westen
kurswechsler 22.02.2014
Der human behinderte Westen kann den Krieg dort weder steuern noch gewinnen. Die islamistischen Kräfte bauen sich weiter auf und wir kucken drauf, wie´s hypnotisierte Kaninchen. Glaubt ihr noch an die Evolution oder schon an Allah?
4. optional
Twanger 22.02.2014
Hoffentlich schlagen die Jungs auch bald mal bei uns zu, genügend Krieger haben sie ja schon im Land. Besser früher als später, noch können wir was dagegen tun.
5. Obama
gelbkehlchen 22.02.2014
Zitat von sysopREUTERSDie meisten Ölfelder im Osten Syriens werden inzwischen von radikalen Rebellen kontrolliert. Die Einnahmen machen die Islamisten von Geldgebern im Ausland unabhängig - und damit kaum noch kontrollierbar. http://www.spiegel.de/politik/ausland/oel-in-syrien-extremisten-kontrollieren-die-meisten-felder-im-osten-a-954912.html
Und Obama, der Friedensnobelpreisträger, wollte die Opposition im Kampf auch noch unterstützen.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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