Nationalratswahl 2017 Österreich wählt - alle Ergebnisse

Die Österreicher haben gewählt - und die rechtspopulistische FPÖ gewinnt klar dazu. Kanzler dürfte der erst 31-jährige Sebastian Kurz werden, dessen ÖVP die meisten Stimmen holte.


Bezirksergebnisse Nationalratswahl 2017
Parteien bei der Nationalratswahl 2017
SPÖ
Die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) bestimmte zusammen mit der ÖVP große Teile der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Die Sozialdemokraten stellten acht Kanzler, 1970 bis 1983 sogar in einer Alleinregierung unter Bruno Kreisky. Die Wurzeln der traditionellen Arbeiterpartei reichen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Besonders unter Kreisky machte sie einen Schritt hin zur Mitte und zur linken Volkspartei.
In der jüngeren Geschichte verlor sie deutlich an Stimmenanteilen: Seit der Nationalratswahl 2008 liegt sie unter 30 Prozent. 2013 gab es mit 26,8 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 1945. Derzeit hat die SPÖ etwa 180.000 Mitglieder. Ihr Vorsitzender Christian Kern ist seit Mai 2016 Chef einer SPÖ/ÖVP-Regierung. Im Wahlkampf gerieten die Sozialdemokraten in den Strudel eines sogenannten Schmutzkübel-Skandals rund um gefakte Facebook-Profile.
ÖVP
Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist die zweite der beiden traditionellen Großparteien. Sie hat etwa eine halbe Million Mitglieder. Viele Jahre regierten die Konservativen in einer Großen Koalition mit der SPÖ. Seit 1945 kamen fünf Kanzler aus der ÖVP. Ihr Bündnis mit der rechtspopulistischen FPÖ im Jahr 2000 war besonders umstritten. Derzeit ist die ÖVP wieder Juniorpartner unter einem SPÖ-Kanzler.
2013 fuhr auch sie mit 24 Prozent ihr schlechtestes Wahlergebnis bei Nationalratswahlen ein. Außenminister Sebastian Kurz ist seit Juli 2017 Vorsitzender der ÖVP, die sich seither "Liste Sebastian Kurz" nennt. Er wurde für die anstehende Wahl mit Sonderrechten bei Kandidatenaufstellung und möglicher Regierungsbildung bedacht und macht einen sehr personalisierten Wahlkampf mit Schwerpunkt auf einer restriktiven Flüchtlingspolitik.
FPÖ
Die Freiheitliche Partei Österreichs ist seit Jahrzehnten eine der stärksten Rechtsparteien Europas. Unter dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider erlebte sie seit den Achtzigern zunächst eine Glanzzeit; Triumph und europaweiter Skandal war 2000 die Regierungsbeteiligung im Kabinett Wolfgang Schüssel (ÖVP); Österreich wurde mit Sanktionen belegt. Später spaltete sich die Haider-Fraktion aber im Streit als Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) von der Mutterpartei ab; nach Haiders Tod 2008 verlor das Bündnis an Bedeutung. Zudem erschütterten Korruptionsskandale die Partei.
Seit 2005 wird die FPÖ von Heinz-Christian Strache geführt. Ihm wurden zeitweise sogar Kanzlerchancen eingeräumt. Wiederholt sahen sich FPÖ-Mitglieder aber mit ihrer rechtsextremen Vergangenheit konfrontiert, wie zuletzt wieder Strache. Er hatte in den achtziger und neunziger Jahren Verbindungen in die deutsche Neonazi-Szene.
Grüne
Die Grünen in Österreich haben auf Bundesebene bislang noch keine großen Erfolge feiern können, obwohl sie sogar in einigen Bundesländern an der Regierung beteiligt sind. Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 sind sie im österreichischen Parlament vertreten, 2013 errangen sie 12,4 Prozent der Stimmen. Derzeit haben sie mehr als 7000 Mitglieder. Der derzeitige Bundespräsident Alexander Van der Bellen kommt von den Grünen, lässt die Mitgliedschaft aber seit seiner Kandidatur 2016 ruhen.
Im aktuellen Wahlkampf haben sie als einzige der größeren Parteien nicht den Rechtsruck mitgemacht und setzen konsequent auf linke Themen. Mit dem jüngsten Weggang von Parteimitbegründer Peter Pilz haben die Grünen ein sehr prominentes, aber auch streitbares Gesicht verloren. Sie bangen um den Einzug ins Parlament.
Liste Peter Pilz
Die Liste Peter Pilz hat der Namensgeber gegründet, nachdem er im Sommer 2017 eine Kampfabstimmung um seinen Listenplatz bei den Grünen verloren hatte. Nun positioniert er sich zusammen mit seinen drei weiteren Parteimitgliedern etwas weiter in der Mitte als die Grünen, spricht aber viele soziale Themen an, etwa bei der Erbschaftssteuer oder den Erwerbssteuern. Gleichzeitig vertritt er eine restriktivere Flüchtlingspolitik als seine ehemaligen Parteikollegen.
Neos
Die Neos haben sich erst 2012 gegründet und wollen vor allem junge Wähler ansprechen. Dafür spricht auch ihre Parteifarbe, nämlich pink. 2014 sind sie mit den österreichischen Liberalen fusioniert. Die Neos sind explizit EU-freundlich und legen ihre Schwerpunkte auf die Themen Bildung und Partizipation. Ihre Ausrichtung ähnelt der deutschen FDP, sind jedoch weniger wirtschaftsliberal. 2013 errangen sie fünf Prozent und sind mit acht Mandaten im Nationalrat vertreten.

So wird gewählt

In Österreich gilt wie in Deutschland das Verhältniswahlrecht. Jeder Staatsbürger ab 16 Jahren hat bei der Nationalratswahl jedoch nur eine Stimme, die er einer Parteiliste geben kann. Innerhalb der Parteiliste kann er dann aber noch einzelne Kandidaten mit Vorzugsstimmen umreihen. Zehn Parteien stellen sich landesweit zur Wahl, dazu treten in einzelnen Bundesländern noch sechs weitere an. Es gibt neun Landeswahlkreise, die in 39 Regionalwahlkreise untergliedert sind. Selbst kandidieren darf man in Österreich ab 18 Jahren. Rund 6,4 Millionen Österreicher sind wahlberechtigt.

Jede Partei, die landesweit vier Prozent erreicht, schafft den Sprung ins Parlament. Auch ein direktes Regionalwahlkreismandat bedeutet den Einzug. Der Nationalrat hat 183 Sitze. Die Mandatsverteilung wird über die verschiedenen Wahlkreise und abhängig von der Bevölkerungszahl in einem komplizierten mathematischen Verfahren ermittelt. Die Legislaturperiode des Nationalrates beträgt fünf Jahre. Zuletzt wurde der Nationalrat 2013 gewählt, die jetzige Wahl ist vorgezogen.



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