Flüchtlingskrise Österreichs Außenminister fordert Schutzzonen in Syrien

Zivilisten sind dem syrischen Bürgerkrieg schutzlos ausgeliefert, viele fliehen nach Europa. Österreichs Außenminister Kurz fordert deshalb im SPIEGEL abgesicherte Bereiche in Syrien - und Verhandlungen mit Machthaber Assad.

Österreichs Außenminister Kurz: "Um Frieden zu erzielen, muss man bekanntlich nicht nur mit Freunden verhandeln"
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Österreichs Außenminister Kurz: "Um Frieden zu erzielen, muss man bekanntlich nicht nur mit Freunden verhandeln"


Um zu verhindern, dass immer mehr Menschen aus Syrien nach Europa flüchten, fordert der österreichische Außenminister Sebastian Kurz international abgesicherte Schutzzonen im Bürgerkriegsland Syrien. "Zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Ort sollte die Einrichtung von Schutzzonen in Syrien, etwa durch ein entsprechendes Uno-Mandat, angedacht werden", sagte Kurz dem SPIEGEL.

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Heft 39/2015
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"Es braucht eine gemeinsame internationale Kraftanstrengung, damit die Menschen in Syrien nicht mehr ihr Heil in einer Flucht nach Europa suchen müssen." Gleichzeitig sprach sich Kurz, der Mitglied der ÖVP ist, für Verhandlungen mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad aus. "Um Frieden zu erzielen, muss man bekanntlich nicht nur mit Freunden verhandeln, sondern gerade auch mit dem Gegner", so Kurz. "Deshalb braucht es am Verhandlungstisch neben der syrischen Zivilgesellschaft und der Opposition auch Vertreter des Assad-Regimes."

An diesem Sonntag empfängt der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in der Villa Borsig in Berlin seinen amerikanischen Amtskollegen John Kerry. Thema ist auch der Syrienkrieg. Bei der Zusammenkunft solle ausgelotet werden, ob Russland eine konstruktive Rolle bei einer diplomatischen Lösung der Syrienkrise spielen könne, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Russlands Präsident Wladimir Putin hat jüngst die Militärhilfen für Assad verstärkt, Russland unterhält in der Hafenstadt Tartus einen Militärstützpunkt.

Rotes Kreuz will sicheres Geleit für Flüchtlinge

Angesichts der Flüchtlingskrise fordert der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer, für diese Menschen sicheres Geleit: "Entlang der bekannten Fluchtrouten sollten Hilfseinrichtungen geschaffen werden, wo die Menschen Nahrung und Obdach bekommen und medizinisch versorgt werden", so Maurer im Interview mit dem SPIEGEL. "Die betroffenen Staaten müssen dabei eng zusammenarbeiten, anstatt wie jetzt ihre Grenzen dichtzumachen."

Maurer schlägt vor, sich ein Beispiel an den mittelamerikanischen Rotkreuz-Hilfseinrichtungen entlang der Fluchtrouten durch Mexiko zu nehmen. Er erinnere an den ertrunkenen syrischen Jungen am Strand von Bodrum, so Maurer weiter: "Wenn wir auf der Balkanroute vergleichbare Schutzeinrichtungen wie in Mittelamerika hätten und etwas mehr humanitäre Hilfe anböten, wäre dieser Junge womöglich nicht gestorben."

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insgesamt 58 Beiträge
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mitch72 18.09.2015
1. Assad?
Assad wird hier das kleinere Problem und Übel sein, denn solange der IS in Syrien aktiv ist, ist Assad auch ein Opfer. In diesem Sinne macht putin genau das Richtige, und des Friedens Willen sollte auch Europa und die USA mit Russland zusammen Assad gegen den IS unterstützen.
moritzmaxx 18.09.2015
2. Guten Morgen,
Europa ! Schlaft weiter, Politiker !
beta2012 18.09.2015
3. ein sehr guter Vorschlag!!
Syrer sollen in ihrem Heimatland aber geschuetzt bleiben. Die Entwurzelung aus ihrem angestammten Heimatland ist inhuman und unmoralisch.
kurt.wehrli 18.09.2015
4. Himmeltraurig
Verhandlungen, tja, die hätten vor Jahren beginnen müssen. Wenn ich Assad wäre, dann würde ich die EU zuerst einmal hängen lassen, mit einem gerüttelt Mass an Schadenfreude ... bis die ganze EU-Politelite auf den Knien angerutscht kommt. Mit Putin im Rücken kann sich der Mann genüsslich zurücklehnen.
Tommi16 18.09.2015
5. Richtig
Russland hat ein Aufnahmelager für 500 Flüchtlinge auf einer Pferderennbahn in der syrischen Stadt Hama eingerichtet. Auf einem 500 Quadratmeter großen Gelände wurden 25 Zelte mit Liegen, vier Feldküchen, Speiseräumen und Sanitäranlagen aufgestellt.
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