Israel Österreichischer Attaché soll Nazi-Shirt getragen haben

Österreichs Bundesregierung hat einen nach Israel entsandten Attaché einbestellt, weil dieser offenbar ein T-Shirt mit einer rechtsextremen Botschaft trug. Für die regierende FPÖ ist es nicht der erste Eklat.


In Österreich hat das Außenministerium einen Attaché ihrer Botschaft in Israel wegen eines T-Shirts mit dem Namen einer SS-Panzerdivision nach Wien zitiert. Außenministerin Karin Kneissl habe den Gesandten Jürgen-Michael Kleppich einbestellt, "um die Umstände zu klären und die gegen ihn in den Medien erhobenen Vorwürfe einer rechtlichen Prüfung zu unterziehen", teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Österreichs Außenministerin Karin Kneissl
REUTERS

Österreichs Außenministerin Karin Kneissl

Kurz nach seinem Amtsantritt im Januar hatte Kleppich der Wochenzeitung "Der Falter" zufolge auf seiner Facebook-Seite ein Foto hochgeladen, welches ihn in einem grünen T-Shirt mit dem Schriftzug "Frundsberg" zeigen soll. Das Kleidungsstück aus einem Onlinehandel für Anhänger der rechtsextremen Identitären-Bewegung erinnert an den deutschen Landsknechtführer Georg von Frundsberg, der als Namensgeber für die zehnte SS-Panzerdivision diente.

Laut "Falter" hatte Kleppich zudem einige Monate zuvor bereits ein Bild seines Großvaters in Nazi-Uniform mit Hakenkreuz gepostet. "Wenn es ein disziplinarischer Fall ist, wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet", sagte Außenministerin Kneissl nach Bekanntwerden der Vorwürfe.

Attaché ist FPÖ-Mitglied

Ministerin Kneissl war von der rechtspopulistischen FPÖ nominiert worden. Anders als Kneissl ist der Gesandte Kleppich auch Mitglied der rechtspopulistischen Partei, zu deren Gründungsmitgliedern auch Alt-Nazis zählen. Für die FPÖ sitzt er im Bezirksrat in Wien.

Die FPÖ regiert seit dem vergangenen Dezember zusammen mit der konservativen Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Die FPÖ mit Vizekanzler Heinz-Christian Strache an der Spitze bemüht sich seit Längerem, ihr rechtes Image loszuwerden - mit mäßigem Erfolg.

Erst im Januar musste der FPÖ-Landespolitiker Udo Landbauer wegen einer Affäre um ein Buch mit Nazi-Liedern zurücktreten. Landbauer war Vizevorsitzender der Burschenschaft Germania, bei der ein Gesangbuch mit antisemitischen und volksverhetzenden Liedern entdeckt wurde.

FPÖ-Innenminister Herbert Kickl geriet wegen einer umstrittenen Durchsuchung beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) Anfang März in die Kritik. Laut Medienberichten wurden bei der Razzia Daten zu Rechtsextremen und Burschenschaftern beschlagnahmt, obwohl es sich um Korruptionsermittlungen handelte.

Die israelische Regierung hatte nach dem Amtsantritt der neuen Koalition in Wien erklärt, sie wolle zwar mit der österreichischen Regierung als Ganzes zusammenarbeiten. Direkte Kontakte zu Regierungsmitgliedern aus den Reihen der FPÖ lehnt sie aber ab.

apr/AFP/Reuters



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