Österreich Cousine spottet über rechten Innenminister

Herbert Kickl ist ein stramm Rechter von der FPÖ, dazu Österreichs neuer Innenminister - und mit einer kritischen Cousine gesegnet. Auf Facebook schreibt sie ihm öffentliche Briefe.

Österreichs Innenminister Herbert Kickl
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Österreichs Innenminister Herbert Kickl

Von , Wien


"Lieber Cousin Herbert", beginnt Daniela Kickl harmlos ihren Brief, den sie auf Facebook veröffentlicht hat, "du hast es tatsächlich geschafft! Heute bist du endlich, als Erster in unserer Familie, zum Minister unserer schönen Alpenrepublik angelobt worden. Goa net schlecht!" Sie gratuliert ihm und schreibt, die Familie sei sehr stolz auf ihn. "Na ja fast. Mehr oder weniger halt."

Daniela Kickl, 47, ist Informatikerin und Autorin. Herbert Kickl, 49, ihr Cousin, ist seit Montag neuer Innenminister von Österreich. Zuvor war er als Generalsekretär der rechtspopulistischen FPÖ als Schöpfer markiger Sprüche wie "Daham statt Islam" oder "Abendland in Christenhand" aufgefallen. Politische Debatten, sagte er einmal, müssten "kantig" geführt werden, sonst seien sie sinnlos. In der FPÖ gilt er als das "Hirn der Partei", Kritiker verspotten ihn als das "Hirn von Parteichef Heinz-Christian Strache", der jetzt Vizekanzler ist.

Mit seiner Cousine hat Kickl nun eine beißende Kritikerin in der eigenen Familie. "Gut, dass Ihr immer für alles Ungemach die Ausländer verantwortlich macht, das wissen eh alle", schreibt sie ihm scheinbar verständnisvoll. "Völlig zurecht freilich, sackeln (nehmen, d. Red.) uns diese Gfrastsackln (in etwa "asoziale Säcke", d. Red.) doch förmlich aus. Und die paar ausländischen Krankenschwestern und Busfahrer, Pflegerinnen und Ärzte, Putzfrauen und Automechaniker - auf die können ma eh eigentlich auch noch verzichten."

Aber dann setzt sie nach: "Was ich nicht ganz verstehe ist ja, dass Ihr FPÖ-ler Euch immer als Partei des 'kleinen Mannes' verkauft habt. Irgendwie finde ich dazu aber jetzt so rein gar nix im aktuellen Regierungsprogramm. Aber vielleicht verstehe ich es ja auch nicht." Dann listet sie mehrere von der FPÖ unterstützte Vorhaben auf, die Arbeitern, Geringverdienern und Studenten schaden.

Irgendwann hat es der Cousine gereicht

"Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Ihr verarscht alle. Na ja, Hauptsache es wird mehr Polizei geben und die Überwachung der Schäfchen wird verschärft. Aber vielleicht tu ich Euch ja auch Unrecht und das alles ist auf Bastis [gemeint ist der neue Bundeskanzler Sebastian Kurz von der bürgerlich-konservativen ÖVP; d. Red.] Mist gewachsen und Ihr könnt faktisch gar nix dafür. Ihr habt halt notgedrungen mitgemacht. Könnte sein, wer weiß das schon."

In den sozialen Medien wird Daniela Kickl von vielen Menschen für ihre familieninterne Kritik gefeiert. Doch warum greift sie den eigenen Cousin derart öffentlich an?

Anruf bei Daniela Kickl.

"Es geht so einfach nicht!", sagt sie bestimmt. "Der Auslöser war für mich die Rede, die der frühere Bundeskanzler Christian Kern am 9. November zur Erinnerung an die Reichspogromnacht im Parlament gehalten hat. Im Anschluss haben alle geklatscht - außer der FPÖ." Zwei Tage später schrieb sie den ersten Brief an ihren Cousin, nachzulesen auf ihrer Facebookseite.

Daniela Kickl
Lukas Beck

Daniela Kickl

Als Linke verstehe sie sich nicht, sagt Kickl, die in Irland lebt - und sich zuletzt kritisch mit den Arbeitsbedingungen im Apple-Konzern auseinandergesetzt hat. "Aber wenn zum Beispiel die Mindestsicherung für Asylbewerber gestrichen wird, kritisiere ich das." Auch das Hetzen gegen Schwule und Lesben thematisiert sie in einem Brief. Sie selbst sei in keiner Partei. Ihren Cousin habe sie nur einmal persönlich gesehen. "Das war 1989, da haben wir beide Politikwissenschaften an der Uni Wien studiert", sagt sie.

Um Bekanntheit gehe es ihr nicht, wie manche ihr nun vorwerfen. Sie wolle Kritik loswerden - auf unterhaltsame Weise, aber ohne Beleidigungen: "Das mag der Stil der FPÖ sein, nicht meiner." Ihre Fangemeinde ist jedenfalls seit ihrem letzten Brief rasant gewachsen, die Zahl ihrer Feinde allerdings auch. Ihre Worte an ihren Cousin, die sie am Tag seiner Vereidigung an ihn richtete, wurden bisher mehr als fünftausend Mal geteilt.

Innenminister Kickl hat sich dazu bisher öffentlich nicht geäußert.

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REUTERS


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