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Österreich: Haiders Tochter kandidiert bei Europawahl

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Bislang hielt sie sich aus der Politik heraus. Doch jetzt wird Ulrike Haider-Quercia überraschend Spitzenkandidatin für die Partei ihres toten Vaters, der in Kärnten noch immer verehrt wird. Österreichs Rechtspopulisten könnte die Entscheidung schaden.

Wien - Sie ähnelt ihrem berühmten Vater Jörg Haider sehr, nun will sie in seine politischen Fußstapfen treten. Am Mittwoch hat Ulrike Haider-Quercia bekanntgegeben, als Spitzenkandidatin der "Liste Dr. Ulrike Haider" für das populistische Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) bei der Europawahl 2014 anzutreten. Vielleicht liege ihr "die Politik doch auch ein bisschen im Blut", erklärte die 37-jährige Quereinsteigerin vorab der "Kronen Zeitung".

Als politisches Ziel nannte Haider-Quercia ein Referendum über den Euro-Austritt Österreichs. Bei den Wahlen am 25. Mai will sie "mindestens ein Mandat" für die Partei holen, die ihr Vater 2005 gründete. Ob ihr das tatsächlich gelingt, ist allerdings höchst fraglich.

Von der Politik hat sich die promovierte Juristin und Politikwissenschaftlerin bislang völlig ferngehalten. Schon 2009 wollte das BZÖ die Haider-Tochter zur Spitzenkandidatin für die Europawahl ausrufen. Doch kurz vor Bekanntgabe sagte sie ab. Sie arbeitet stattdessen als Dozentin an einer Universität in Rom. "Das wäre reine Zeitverschwendung gewesen", sagte später ihr Ehemann, der italienische Politikberater Paolo Quercia. Nun hat es sich das Paar anders überlegt. Obwohl die Chancen des BZÖ gerade schlechter denn je sind, einen Sitz in Straßburg zu erringen.

Der Versuch, den Kult um Haider wiederzubeleben

Bei der Europawahl 2009 kurz nach Haiders Tod verpasste die rechtsorientierte Partei mit 4,6 Prozent den Einzug im Parlament. In den Umfragen für 2014 liegt das BZÖ nur noch zwischen null und 1,5 Prozent. Um eines der 18 österreichischen Mandate zu gewinnen, brauche sie aber "deutlich über fünf Prozent", sagt der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier SPIEGEL ONLINE: "Das Verwunderliche ist nicht, dass die Partei in ihrer Verzweiflung versucht, mit prominenten Kandidaten ihr Überleben zu retten. Das Verwunderliche ist, dass sich Leute dafür zur Verfügung stellen."

Das BZÖ versucht, den Kult um seinen Gründer Haider wiederzubeleben. In seiner Heimat hat Kärntens langjähriger Regierungschef Verehrer bis heute, mehr als fünf Jahre nach seinem Unfalltod und der Beerdigung, die an ein Staatsbegräbnis erinnerte. Am Unfallort, wo Haider 2008 vor einen Betonpfeiler raste, liegen immer wieder frische Blumen, brennen Kerzen, erhebt sich ein Bildstock, den sein Nachfolger Gerhard Dörfler aufstellen ließ - der Mann, der nach Haiders Tod sagte: "Die Sonne ist vom Himmel gefallen."

Aber die Fans werden rarer: Ein Korruptionsskandal nach dem nächsten rankt sich um Haiders politische Erben, die untereinander zerstritten sind. Vom "System Haider" ist die Rede, der Übervater hatte unter anderem Staatsbürgerschaften an Russen gegen Bares verkauft. Und auch das Debakel um die Kärntner Skandalbank Hypo Group Alpe Adria, die notverstaatlicht werden musste und Österreichs Steuerzahler bis zu 19 Milliarden Euro kosten könnte, geht zumindest zum Teil auf die Kappe des einstigen Übervaters des BZÖ.

Seine Tochter will dies nicht hinnehmen. "Das Geschäft meines Vaters mit der Hypo war ein gutes Geschäft für die Steuerzahler", sagte Haider-Quercia am Mittwoch. Sie sehe ihre Kandidatur "als Chance, einiges richtigzustellen", sagte sie der "Krone": "Ich lehne es ab, dass man den Namen Jörg Haider benutzt, um von allem abzulenken, was in dieser Republik im Moment falsch läuft. […] Dadurch wird sein Name beschmutzt und auch meiner, der Name meines Mannes und meines Sohnes und der restlichen Familie."

Der große Verlierer von Ulrike Haider-Quercias politischem Debüt könnte ausgerechnet die rechtspopulistische FPÖ sein - Haiders ehemalige Partei, die er 2005 im Streit verließ. Sie hatte laut Umfragen bislang gute Chancen, bei der Europawahl zur stärksten Kraft in ganz Österreich zu werden. Nun aber droht ihr das BZÖ Stimmen am rechten Rand abzujagen. "Je mehr EU-kritische Parteien Proteststimmen sammeln, desto weher tut das der FPÖ", sagt Politologie Filzmaier. "Es könnte den Ausschlag geben, dass die FPÖ den Spitzenplatz verpasst." Österreichs Image in der Welt würde es gewiss guttun.

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1. Quercia
mangeder 26.02.2014
Ob das rechtspopulistische Wähler-Gesocks wohl erfreut darüber ist, eine Dame zu wählen, die einen "bösen Südländer" geheiratet hat und dessen "undeutschen" Ausländer-Nachnamen angenommen hat?
2. Ein richtiges Tandem.
melnibone 26.02.2014
Er italienischer Politikberater (so es diese ´Branche´ in Italien überhaupt gibt?), was immer das beinhaltet und Sie die Tochter von Haider. Gute Nacht Österreich oder Hallo Europa. Es gibt da ein ´Völkchen´, denen ist die Sicht bis zum Tellerrand ... bereits weit genug geschaut.
3. na sowas!?
nix- 26.02.2014
aber wer braucht eine Haider Fortsetzung? Oder vielleicht liebt sie auch Honigtöpfe a la Hypo Alpe Adria...
4. Populisten aller Länder
mightyschneider 26.02.2014
Dass die populistische Ulrike Haider mit dem populistischen BZÖ kandidiert, finde ich erst einmal gut. Dass sie die populistische Meinungsverschiedenheit, den ihr populistischer Herr Vater mit der populistischen FPÖ des populistischen Herrn Strache nun leider hatte, weiterzuführen scheint, halte ich für gar nicht populistisch. Ein wenig populistischer Weitblick wäre anbegracht.
5. Die CSU und Haiders Austrofaschismus
Ontologix II 27.02.2014
"Das Geschäft meines Vaters mit der Hypo war ein gutes Geschäft für die Steuerzahler." Mag sein, für die österreichischen Steuerzahler. Auf jeden Fall ein miserables für die bayerischen Steuerzahler, die von der CSU vor den Haiderschen Karren gespannt wurden.
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