Österreich Holocaust-Leugner Irving auf Bewährung frei

Der rechtsextreme Historiker David Irving ist vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Er saß in Wien 13 Monate lang in Untersuchungshaft, weil er wiederholt die NS-Judenverfolgung geleugnet hatte. Irving will nach Großbritannien zurückkehren.


Wien - Das Oberlandesgericht Wien gab der Berufung des Briten David Irving, 68, teilweise statt und verkürzte seine Strafe von ursprünglich drei auf zwei Jahre Haft, ein Jahr davon auf Bewährung. Irving hat bereits 13 Monate in Untersuchungshaft gesessen. Da diese Zeit auf die Haftstrafe angerechnet wird, kann er das Gefängnis sofort verlassen. Irving will von Österreich nach Großbritannien ausreisen.

Auf freiem Fuß: Holocaust-Leugner Irving
AP

Auf freiem Fuß: Holocaust-Leugner Irving

Irvings Verteidiger zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. "Er ist frei und wird das Land verlassen", sagte sein Anwalt Herbert Schaller. Die Staatsanwaltschaft hatte eine höhere Strafe für den Holocaust-Leugner gefordert.

Schon 1989 war gegen den Revisionisten in Österreich Haftbefehl erlassen worden. Auf zwei Reden in Leoben und Wien hatte er unter anderem die Existenz von Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz geleugnet. Irving soll damals gesagt haben, einige zehntausend Juden seien dort "eines natürlichen Todes gestorben." In den Büchern des selbst ernannten Historikers wird außerdem die Rolle Adolf Hitlers verharmlost. Wie in Deutschland steht auch in Österreich die Leugnung des Holocausts unter Strafe.

Den ersten Haftbefehl konnte Irving umgehen, indem er das Land 1989 vor der Vollstreckung verließ. Im November 2005 kehrte Irving nach Österreich zurück - und wurde festgenommen. Der Autor beklagte sich anschließend darüber, wie mit ihm umgegangen worden sei. Er sei "im modernen Europa mit Gestapo-Methoden behandelt worden".

Vor dem Oberlandesgericht soll Irving den Geläuterten gegeben haben, berichtet der österreichische Rundfunksender ORF. Er stoße sich, so behauptet Irving, nur noch an Einzelheiten, zweifle aber grundsätzlich nicht mehr an der Massenvernichtung der Juden.

anb/AP/reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.