Österreichischer Politiker Stronach Der Milliardär will nicht mehr

Seine kurze Karriere als Politiker steht schon wieder vor dem Ende: Der austro-kanadische Unternehmer Frank Stronach hatte mit seiner Partei hochtrabende Pläne, nach der Wahlenttäuschung herrschen dort Chaos und Streit. Jetzt hat der 81-jährige Milliardär seinen Rückzug angekündigt.

Von , München

REUTERS

Passt eben doch nicht zu seiner Kragenweite, dieses Kleinklein der österreichischen Politik. SPÖ und ÖVP verhandeln bereits über eine Neuauflage ihrer Großen Koalition, und Frank Stronach scheint die Lust auf Politik vergangen zu sein. Das Ende seines Engagements kann dem austro-kanadischen Milliardär jetzt gar nicht schnell genug gehen. Er hoffe, dass es bis zu seinem Rückzug "nicht länger als ein Jahr dauern werde", danach wolle er nur noch als Berater für seine Partei tätig sein, sagte der 81-Jährige jetzt dem "Kurier".

Dabei ist es gar nicht lange her, dass der Mitbegründer des Automobilzulieferers Magna das Wiener Parteiensystem aus den Angeln heben wollte. Im Herbst vergangenen Jahres hatte er in Wien sein vor allem aus Abtrünnigen anderer Parteien zusammengezimmertes Team Stronach vorgestellt und sich dabei in historischer Mission gesehen. Der Tag werde "in die Geschichte der Welt eingehen", sagte Stronach damals bei der Präsentation in der Orangerie von Schloss Schönbrunn.

Die Partei steckt im Chaos

Es folgten großspurige Pläne. Von 20 bis 30 Prozent der Stimmen bei der Nationalratswahl phantasierte Stronach, ach ja, den Kanzler wolle man dann natürlich auch stellen. Am Ende sprangen für Stronach 5,7 Prozent heraus - gemessen an seinen Ambitionen und dem zwischenzeitlichen Umfragehoch von 15 Prozent war das ein mickriges Ergebnis. Eilig flog Stronach nach der Wahlpleite Ende September im Privatjet zurück in seine kanadische Wahlheimat. Inzwischen ist er wieder in Österreich, um an diesem Mittwoch an einer Sitzung des Parteidirektoriums in Oberwaltersdorf teilzunehmen.

Zu tun gibt es viel, denn sein Team Stronach steckt im Chaos. Der Euro-Kritiker, der Österreich zurück zum Schilling führen wollte, räumte nach dem enttäuschenden Wahlergebnis in seinen Reihen kräftig auf, so dass selbst Parteifreunde den Überblick verloren haben dürften: Zuerst entmachtete Stronach seinen Fraktionschef, dann musste der Wahlkampfleiter gehen. Anschließend setzte Stronach die Landeschefs von Niederösterreich, Kärnten und Salzburg vor die Tür. In Vorarlberg zogen sich zwei Vorstandsmitglieder und neun Ortsgruppenobleute freiwillig zurück.

Streit gibt es zuhauf, unter anderem mit dem bisherigen Kärntner Landeschef, der nicht weichen will und sich auf juristische Gutachten beruft. Außerdem mit der frisch in den Nationalrat eingezogenen Abgeordneten Monika Lindner. Die ehemalige Generaldirektorin des Österreichischen Rundfunks (ORF) hatte auf dem Stronach-Ticket für das Parlament kandidiert, der Partei aber kurz nach der Nominierung die Gefolgschaft verweigert. Jetzt will sie offenbar als fraktionslose Abgeordnete im Parlament sitzen. Das Team Stronach spricht von Täuschung und erwägt eine Anzeige.

"Die müssen das Geld zurückzahlen"

Und dann geht es auch noch um das liebe Geld. Vor ein paar Tagen hatte Stronachs Anwalt zu Protokoll gegeben, dass der Parteigründer bisher 23,1 Millionen Euro in das Team investiert habe. Davon seien 9,5 Millionen Euro als Spenden geflossen, bei dem Rest handele es sich um ein Darlehen. Zehn Millionen wolle Stronach, dessen Privatvermögen auf vier Milliarden Euro geschätzt wird, zurück. "Was die wollen, ist egal. Die müssen das Geld zurückzahlen, da gibt es klare Verträge", sagte Stronach dem "Kurier" zufolge etwa über den Kärntner Landesverband, in dem es offenbar bei einigen Mitgliedern Abspaltungstendenzen gibt.

Vergangenen Dienstag war von einer weiteren Spende in Höhe von fünf Millionen Euro die Rede. Sie diene der Liquidität der Partei, sagte Stronachs Anwalt. Die neuerliche Geldspritze löste Spekulationen über einen möglichen Antritt der Partei bei der Europawahl im kommenden Mai aus. Bislang gibt es hierzu aber keine offizielle Entscheidung.

"Frankie goes to Ballhausplatz", lautete eine ORF-Satire in Anspielung auf die Adresse des österreichischen Kanzleramts. Aber das Politik-Experiment des Mannes, der im Wahlkampf die Todesstrafe für Berufskiller forderte und sich mit nacktem Oberkörper fotografieren ließ, ist offenbar gescheitert.

Die Zeitung "Österreich" berichtete zuletzt von einer Gallup-Umfrage, wonach die Partei des Milliardärs jetzt nur noch auf zwei Prozent der Stimmen kommen und damit aus dem Parlament fliegen würde. 88 Prozent der Befragten sehen Stronach demnach inzwischen negativ. Und auch ein "Kurier"-Kommentar über Stronach klang zuletzt wenig schmeichelhaft: "Politik ist keine Spielwiese für Amateure."



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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
roflxd 23.10.2013
1.
Ich kann mich noch gut an seinen Auftritt bei Maischberger erinnern. Er ist leider nicht mehr Herr seiner Sinne.
tzdv9000 23.10.2013
2.
Wenn das Spielzeug nicht mehr gefällt, stellt man es halt weg.
Fackel01 23.10.2013
3. Stimmvolk
ist zum Glück nicht immer kaufbar, das wird das Pedant in Deutschland auch nicht merken.
huppsi52 23.10.2013
4. Führerschein
Er sollte auch seinen Führerschein abgeben :-)
nix- 23.10.2013
5. Geld verbrennt eben...
wenn man nicht Herr seiner Sinne ist... Good by Stronach - see you next life
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