Knappes Rennen erwartet: Österreicher wählen ihren Nationalrat
Die Parlamentswahl in Österreich hat begonnen: Von 6 bis 17 Uhr sind die Wahllokale für die knapp 6,4 Millionen Wahlberechtigten geöffnet. Der Ausgang wird mit Spannung erwartet - für eine erneute Große Koalition wird es knapp.
Wien - Neun Parteien, 6,4 Millionen Wahlberechtigte: In Österreich hat die Parlamentswahl begonnen. Schon seit sechs Uhr haben die ersten von rund 11.000 Wahllokalen geöffnet, die letzten schließen um 17 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt werden dann auch die ersten Einzelergebnisse und Hochrechnungen veröffentlicht. Wird es einen Fortbestand der Großen Koalition geben? Erwartet wird ein knappes Rennen um die Mehrheit im Parlament.
Der sozialdemokratische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) würde das Bündnis mit der bürgerlichen Volkspartei ÖVP gerne fortsetzen. Allerdings kommen nach Umfragen SPÖ und ÖVP zusammen nur auf knapp auf 50 Prozent. Demnach dürfte die SPÖ mit gut einem Viertel der Stimmen erneut stärkste Kraft werden, der konservativen ÖVP werden 22 bis 23 Prozent vorausgesagt.
Insgesamt haben so viele Parteien wie noch nie Chancen auf einen Einzug in den Nationalrat. Um den dritten Platz kämpfen die rechte FPÖ und die Grünen, die bereits jetzt als die Gewinner der Nationalratswahl gehandelt werden: Als einzige Partei haben sie in den vergangenen Landtagswahlen stets zugelegt und sitzen in fünf von neun Landesregierungen. Ihnen wurde ein Stimmenanteil von 14 bis 15 Prozent vorausgesagt.
Ebenfalls spannend ist die Frage, wie der 81-jährige Milliardär Frank Stronach mit seinem neugegründeten Team Stronach abscheiden wird. Der exzentrische Austro-Kanadier und politische Quereinsteiger hat gute Chancen, die in Österreich geltende Vierprozenthürde zu nehmen.
Nacktduell und Todesstrafe für Berufskiller
Zuletzt schmolzen allerdings die Umfragewerte für das Team Stronach, die einst bei mehr als zehn Prozent lagen, deutlich auf zuletzt sechs bis acht Prozent. Grund sind vermutlich die skurrilen Auftritte Stronachs: Zuletzt lieferte er sich mit Heinz-Christian Strache (FPÖ), dem Nachfolger des verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider, eine Art Nacktduell. Für Empörung sorgte der Milliardär auch, als er forderte, die 1950 abgeschaffte Todesstrafe für "Berufskiller" wieder einzuführen.
Etwas mehr zittern muss die Ex-Haider Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Doch sollten das BZÖ und auch die neugegründeten liberalen Neos die Vierprozenthürde überspringen, wären sieben Parteien im Parlament - so viele wie nie zuvor.
In Österreich gilt wie in Deutschland das Verhältniswahlrecht. Jeder Staatsbürger ab 16 Jahren hat bei der Nationalratswahl jedoch nur eine Stimme, die er einer Parteiliste geben kann. Innerhalb der Parteiliste kann er dann aber noch einzelne Kandidaten mit Vorzugsstimmen umreihen. Selbst kandidieren darf man in Österreich ab 18 Jahren.
Jede Partei, die vier Prozent erreicht, schafft den Sprung in den Nationalrat. Dieser hat 183 Sitze. Die Sitzeverteilung wird über die verschiedenen Wahlkreise und abhängig von der Bevölkerungszahl in einem komplizierten mathematischen Verfahren ermittelt. Die Legislaturperiode des Nationalrates beträgt fünf Jahre.
cib/dpa/AFP
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