Österreich Rechtspopulist Jörg Haider stirbt bei Autounfall

Einer der umstrittensten Politiker Europas ist tot: Der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider kam bei einem schweren Autounfall ums Leben. Noch ist unklar, warum seine Dienstlimousine ins Schleudern geriet und sich überschlug.


Wien - Jörg Haider war immer ein Lautsprecher, ein Provokateur und Stimmenfänger am rechten Rand. Durch seine ausländerfeindlichen und den Nationalsozialismus verharmlosenden Äußerungen galt er als einer der umstrittensten und international bekanntesten Politiker Österreichs. Doch erst die Regierungsbeteiligung der FPÖ im Jahr 2000 hatte dem promovierten Juristen eine internationale Bühne für seine verbalen Entgleisungen beschert.

Und die nutzte der Mann, dem österreichische Zeitungen "veritable psychische Probleme" unterstellen durften, für seine Tiraden: Er beschimpfte den damaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer als "früheren RAF-Sympathisanten", den seinerzeitigen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac als "Westentaschen-Napoleon" und warf Belgien ein "zutiefst korruptes politisches System" vor.

In der Nacht zum Samstag kam Haider bei einem Autounfall ums Leben. Der österreichische Rechtspopulist wurde 58 Jahre alt.

Haider prallte mit dem Auto gegen einen Betonpfeiler. Dabei habe der Kärntner Landeshauptmann mehrere schwere Verletzungen erlitten, sagte der Klagenfurter Polizeidirektor Ernst Friessnegger.

Demnach hatte Haider auf einer Bundesstraße ein Auto überholt und war anschließend ins Schleudern geraten. Ersten Erkenntnissen zufolge fuhr der umstrittene Rechtspolitiker deutlich schneller als die am Ort des Unfalls erlaubten 70 Stundenkilometer.

Der VW Phaeton sei außer gegen den Betonpfeiler auch gegen Verkehrsschilder, eine Hecke und einen Hydranten geprellt und habe sich mehrfach überschlagen, teilte die Polizei mit. Haider sei zum Zeitpunkt des Unfalls angeschnallt gewesen. Die Spuren des Unfalls ziehen sich demnach über rund 150 Meter. Der Wagen wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Untersuchungen sollten am Nachmittag beendet werden.

Haider sei noch bei einer Veranstaltung gewesen und habe nach Hause ins Bärental in der Gemeinde Feistritz im Rosental fahren wollen, berichtet der ORF. Demnach war dort am Wochenende eine große Familienfeier anlässlich des 90. Geburtstages seiner Mutter geplant gewesen, die bereits aus Oberösterreich angereist war.

Schwersten Verletzungen erlegen

"Der Landeshauptmann erlitt schwerste Verletzungen im Kopf- und Brustbereich", sagte Polizeisprecher Friedrich Hrast. Haider erlag seinen Verletzungen noch am Unfallort, die Rettungskräfte konnten nichts mehr für ihn tun.

"Für uns ist das wie ein Weltuntergang", sagte Haiders Pressesprecher und Stellvertreter als BZÖ-Chef Stefan Petzner. Wie es mit der Partei weitergehen werde, darüber könne man vorerst noch nichts sagen. Die Amtsgeschäfte in Kärnten übernimmt der erste Landeshauptmannstellvertreter Gerhard Dörfler. Er zeigte sich in einer ersten Reaktion tief bestürzt und betroffen: "Ich habe einen Lebensfreund verloren." Das ganze Land sei zutiefst schockiert.

Der Chef der konservativen Volkspartei ÖVP, Josef Pröll, und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sprachen Haiders Familie ihr Beileid aus. "Mit seinem Ableben verliert die Republik einen großartigen Politiker", erklärte der FPÖ-Vorsitzende.

Haider hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

Seine Partei hatte bei der Parlamentswahl am 28. September überraschend stark abgeschnitten und elf Prozent der Stimmen gewonnen. Der Politiker hatte 1999, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, mit seiner FPÖ erstmals die konservative ÖVP überflügelt. Obwohl Haider damals auf einen Posten in der Regierung unter dem ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel verzichtete und Anfang 2000 auch den Parteivorsitz niederlegte, kam es zu heftigen Protesten.

Treffen mit Saddam und umstrittene Aussagen zur NS-Zeit

Die EU-Staaten hielten monatelang bilaterale Sanktionen gegen Österreich aufrecht. 2002 rief er mit einem Besuch beim irakischen Machthaber Saddam Hussein erneut internationalen Protest hervor.

Für Empörung sorgte Haider in seiner Laufbahn mehrfach mit Kommentaren über die NS-Zeit. Auf die Frage nach den engen Verbindungen seiner oberösterreichischen Eltern zu den Nazis im Zweiten Weltkrieg sagte er: "Im Nachhinein ist man immer klüger."

Nachdem er die Beschäftigungspolitik im Dritten Reich gelobt hatte, musste er 1991 als Landeshauptmann von Kärnten zurücktreten, da die ÖVP ihm die Zusammenarbeit aufkündigte.

Lesen Sie in Teil 2 bis 7 - die umstrittenen Äußerungen von Jörg Haider:

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